Interessierte Bürger und Bürgermeister konnten sich an den Infotafeln über die Wärmeplanung ihrer Gemeinde erkundigen. Foto: Dahms

Vier Kommunen schließen sich zusammen, um durch Wärmenetze eine umweltfreundliche Versorgung zu erzielen. Bei einem Infoabend stellte die Badenova die Pläne vor.

Steigende Heizkosten und Energiepreise beschäftigen die Menschen deutschlandweit. In Baden-Württemberg soll durch das Klimagesetz von 2023 bis zum Jahr 2040 eine komplett klimaneutrale Wärmeversorgung umgesetzt werden. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, beginnen zahlreiche Kommunen aktuell damit, ihre Wärmeversorgung umzuplanen und neu zu strukturieren.

 

Haslach, Mühlenbach, Fischerbach und Hofstetten haben sich entschieden, ihre kommunale Wärmeplanung zusammen anzugehen. Zu diesem Anlass hatte Bürgermeisterin Helga Wössner am Mittwochabend in die Mühlenbacher Gemeindehalle eingeladen. Neben zahlreichen Einwohnern und den Bürgermeistern der anderen beteiligten Gemeinden waren auch Referenten der Energieagentur Ortenaukreis und der Badenova geladen.

Nach der Begrüßung durch Wössner fragte Nina Weiß von den badischen Netzwerken die Besucher, wer von ihnen denn aus welcher Gemeinde gekommen sei. Etwa 15 der Anwesenden waren Haslacher, vier waren aus Hofstetten dabei, ein Mann war aus Fischerbach angereist, die Mehrheit der Menschen stammte aus Mühlenbach. Wössner zeigte sich erfreut über das rege Interesse der Bevölkerung: „Wir werden Wärmeplanung neu denken und das Ganze gemeinsam angehen.“ Das Ziel der Gemeinden sei klar – man wolle klimaneutral werden.

Ebenfalls per Handzeichen sollten die Bürger anschließend aufzeigen, mit welcher Methode sie aktuell bei sich zuhause heizen. Etwa ein Viertel gab an, dafür auf fossile Energieträger zurückzugreifen. Ein weiteres Viertel nutzte bei sich zuhause Holz zum Heizen, drei haben eine Wärmepumpe. Marc Krecher von der Infrastrukturplanung der Badenova stellte anschließend den aktuellen Arbeitsstand der kommunalen Wärmeplanung vor. Dazu gehörte zunächst die Vorstellung der Bestandsanalyse – der Ist-Zustand der Gemeinden wurde in Form von vielen verschiedenen Daten ermittelt, die in einem Geoinformationssystem eingepflegt wurden, erklärte Krecher.

Anteil an Wärmepumpen ist immer noch gering

Etwa die Hälfte der Energie wird in den Gemeinden von privaten Haushalten verbraucht – in Steinach ist es nur ein Drittel, in Hofstetten sind es sogar zwei Drittel. Etwa 60 Prozent wird dort noch über fossile Energien abgedeckt, „der Anteil an Wärmepumpen ist immer noch verschwindend gering“, so Krecher. Auffällig sei auch, dass in den Schwarzwaldgemeinden deutlich mehr mit Holz geheizt werde als anderswo in Baden-Württemberg. In Mühlenbach macht Versorgung mit Holz immer noch mehr als 40 Prozent aus.

Das durchschnittliche Heizungsalter in den Gemeinden, die Gebäudetypen, der Energieverbrauch und die aktuelle Wärmeeinsparung stellte Krecher in Form von Karten der Gemeinden dar. Dabei beleuchtete er verschiedene Fragen zur Wärmeversorgung. Im Bereich der Wärmepumpen-Eignung, die auf Basis des Wärmebedarfs und der angenommenen Heizungsvorlauftemeperatur ermittelt wird, lässt sich zum Beispiel eine besonders gute Eignung der Haslacher Stadtränder für einen Wärmezusammenschluss erkennen.

„Mit diesen Karten wollen wir den Bürgern und den Kommunen eine Orientierung bieten“, erklärt Krecher. „Wo könnten Netze entstehen, wo wird wie geheizt?“ Im nächsten Schritt zeigte er die konkreten Gebiete für Fernwärme. In Orange eingekreist wurden Ortsteile, die in Zukunft von einem zusammengelegten Wärmenetz als sinnvolle Versorgungsstruktur profitieren könnten.

Effizientere Systeme sollen für weniger Energiebedarf sorgen

Für jede Gemeinde zeigte Krecher anschließend ein sogenanntes Wärmeszenario auf. Dabei erklärte er anhand eines Balkendiagramms, wie genau eine Gemeinde schrittweise bis 2024 klimaneutral werden soll. Der erste Balken zeigte farblich aufgeteilt, wo die Wärmeenergie aktuell herkommt, der letzte Balken zeigte die Vision für 2040. Auffällig war, dass der letzte Balken deutlich kürzer war – einer der Bürger fragte nach, wie das denn zustande komme.

„Durch effizientere Systeme werden wir 2040 allgemein weniger Energie benötigen“, erklärte Krecher. In allen Gemeinden soll die Wärmeversorgung in 14 Jahren zum größten Teil über Holz und Wärmepumpen kommen. Je nach Gemeinde spielen auch Solaranlagen und die geplanten Wärmenetze in Zukunft auch eine Rolle. „Ist Holz denn eine nachhaltige Wärmequelle?“ fragte einer der Bürger gegen Ende von Krechers Vortrag. „Da gibt es unterschiedliche Expertenmeinungen zu“, entgegnete dieser. „Nach aktuellem Stand können wir aber für das Jahr 2040 mit Holz planen.“

So geht´s weiter

In der Woche ab dem 23. März werden die Fachgutachten zur Wärmeplanung der Kommunen öffentlich gemacht. Über den April hinweg werden sie in den jeweiligen Gemeinderäten präsentiert und abgestimmt.