Im evangelischen Gemeindehaus in Althengstett lud Reinhard Zimmerling zum Heiligabend ein. Foto: Felix Biermayer

Das evangelische Gemeindehaus war an Heiligabend eine Anlaufstelle für Menschen, die nicht allein sein wollten. Organisator Reinhard Zimmerling machte das mit seinen Helfern möglich.

„Es wächst“, freute sich Reinhard Zimmerling am 24. Dezember. Bereits zum zweiten Mal organisierte der Pfarrer im Ruhestand im evangelischen Gemeindehaus einen besonderen Heiligabend. Die Türen standen allen offen, die diesen Abend nicht allein verbringen wollten. 20 Gäste waren es im vergangenen Jahr, knapp doppelt so viele an diesem Heiligabend. Zimmerling war zufrieden. Weil die Rückmeldungen 2024 so gut gewesen seien, sei für ihn schnell klar gewesen, dass es eine Wiederauflage geben muss.

 

„Mir geht’s drum, dass wir eine Tradition bilden“, sagte er. Ganz so einfach sei das aber nicht. Bis vor zwei Wochen habe er noch nicht genügend Helfer gehabt, erzählte er. Doch es hätten sich noch ein Dutzend Unterstützer gefunden. Die begrüßten die Gäste mit Sekt und stellten ihnen anschließend ein reichhaltiges Menü auf den Tisch. Das Essen komme vom Schlemmershuttle, so Zimmerling. Wichtig sei ihm, dass die Helfer nicht den ganzen Abend in der Küche stehen, sondern auch gemeinsam mit den Gästen feiern können. Auf der Karte standen am Heiligabend im Gemeindehaus Rinderollbraten mit Blaukraut und Spätzle. Als Vorspeise gab es Ackersalat und eine Pilzsuppe, zum Nachtisch eine Dessertcrème.

Besucher von Nah und Fern

Den Gästen schmeckte es offensichtlich. Sie kamen aus allen Teilen der evangelischen Kirchengemeinde im Heckengäu, vor allem aber aus Althengstett. Vereinzelt waren die Besucher auch aus Agenbach oder sogar aus Korntal angereist. „Wir sind ja fast international“, scherzte Zimmerling. „Schön, dass Sie da sind“, begrüßte er die Gäste. „Ihr erster Weihnachtswunsch hat sich erfüllt: Sie feiern nicht allein“, sagte Zimmerling.

Unter dem Weihnachtsbaum lagen die Geschenke für die Bescherungstombola. Foto: Felix Biermayer

Weihnachten sei ein Fest für alle Welt, sagte er. Es sollten alle an dem Abend Freude empfinden. Denn schon die Engel hätten diese große Freude verkündet. In seinem Gebet dankte Zimmerling Gott für die Gemeinschaft und er bat um Kraft, Hoffnung und Freude. Auch die Pfarrer Jörg Schaber und Martin Schoch schauten vorbei. Schaber nutzte das Essen als „Stärkung zwischen zwei Diensten“. Schoch sprach den abschließenden Segen.

Gemeinsames Musizieren

Davor sangen die Gäste gemeinsam Weihnachtslieder. Malin Kling (Querflöte), Nadine Hopf (Klavier) und Antonia Hopf (Violine) sorgten für eine musikalische Umrahmung der Verlesung der Weihnachtsgeschichte. Und wie schon im vergangenen Jahr steuerte auch Susanne Erhard ein paar Lieder am Klavier bei. Ebenso folgte wieder eine Bescherung per Tombola. Die Geschenke hatte Reinhard Zimmerling besorgt. Der ganze Abend werde durch Gelder der Kirchengemeinde finanziert, sagte er. Aber, auch wenn er das nicht so sehr betonen wollte, auch Zimmerling selbst steuerte einiges an Geld bei, um diesen Abend zu ermöglichen.

Nicht allein sein

Die Besucher freuten sich. Eine Frau aus Simmozheim war zum ersten Mal dabei. Ihre Familie komme erst am 25. Dezember zu Besuch. Zwölf Leute seien das. Aber sie fand es toll, dass sie am Heiligabend ins Gemeindehaus kommen konnte. „Ich wollte nicht allein sein“, sagte sie. Sie erinnerte sich an frühere Weihnachten. Gemeinsam mit ihrer Schwester habe sie das Krippenspiel aufgeführt. „Ich musste immer der Josef sein“, erzählte sie, lachte und hatte direkt ein Gesprächsthema mit den anderen Gästen.

Arbeit, die Spaß macht

Währenddessen stand Bettina Schock als Helferin mit ihrem Mann in der Küche. In diesem Jahr seien sie erstmals an Heiligabend alleine, so Schock. Die Kinder und Enkel kämen erst an den Folgetagen vorbei. „Wir mussten beschäftigt werden“, scherzte sie. Pfarrer Schaber habe sie gefragt, ob sie nicht helfen wollen. Da hätten sie gleich zugesagt. Und Schock kennt sich aus.

Auch bei der Calwer Vesperkirche hilft sie regelmäßig mit. Die Arbeit mache Spaß, sagte sie am Heiligabend. „Es ist sinnvoll und wunderschön“, so Schock. Die Gäste seien bunt gemischt und man lerne neue Leute kennen.