Die Gemeinden Rust und Ringsheim wollen sich für die Natur einsetzen. Mit der Biotopverbundplanung gibt es nun eine umfassende Strategie für die kommenden Jahre.
Um wichtige Biotope sowie seltene Tier- und Pflanzenarten zu schützen, arbeiten die Gemeinden Rust und Ringsheim Hand in Hand. Die Gemeinderäte der beiden Kommunen stimmten für eine gemeinsame Biotopverbundplanung. Schon seit längerem wird an diesen Plänen gearbeitet. 2023 wurden das Freiburger Institut für Naturschutz und Landschaftsanalyse (Inula) damit beauftragt. Die Umweltwissenschaftlerin Linda Keil stellte den Gremien den aktuellen Stand vor.
Zentral für den geplanten Biotopverbund in der Region sind sogenannte Kernflächen. Dabei handelt es sich laut „Inula“ um hochwertige Lebensräume. Diese sollen in Rust und Ringsheim nicht nur erhalten, sondern erweitert und besser miteinander verbunden werden. Hochwertige Biotope und Vorkommen von seltenen Tier- und Pflanzenarten liegen in Rust etwa im Westen und Süden, in Ringsheim ist besonders der Kahlenberg ein Schwerpunkt, berichtete Keil. Diese Kernflächen werden in den Plänen wiederum nach trockenen, mittleren und feuchten Standorten unterschieden.
Autobahn und Bahnlinie durchkreuzt Gebiet
Während am Ringsheimer Kahlenberg hauptsächlich trockene Standorte zu finden sind, hat Rust mit der Nähe zum Rhein besonders viele feuchte Biotope. Die trockenen Standorte bestehen beispielsweise aus Felsbiotopen. Nasswiesen und naturnahe Gewässer sind Beispiele für feuchte Standorte. Neben den Rheinauen wurden bei den Ratssitzungen hierbei auch die Elzwiesen hervorgehoben. Die mittleren Flächen bestehen laut „Inula“ aus mageren Flachland-Mähwiesen oder auch Streuobstwiesen. Die Kernflächen zu erhöhen, ist angesichts der Lage von Rust und Ringsheim schwieriger als an anderen Standorten. So kreuzen etwa Autobahn und Bahnlinie die Verbindung Rust-Ringsheim. Bei den Kernflächen liegen die Gemeinden mit 5,6 Prozent derzeit klar unter dem Landesschnitt (10,9 Prozent). Dennoch glauben beide Verwaltungen daran, dass der Anteil deutlich erhöht werden kann.
Tiere beschränken sich oft nicht nur auf einen der Standorttypen, sondern bewegen sich zwischen den Flächen, wurde bei der Vorstellung erklärt. Daher sollen die Biotope besser miteinander verbunden werden. Dabei sollen sogenannte Trittsteine helfen. Dafür wurde das Gebiet der Gemeinden analysiert, um zu prüfen, wo diese am sinnvollsten sind. Solche „Trittsteine“ können etwa Trockenmauern, Tümpel, Streuobstwiesen oder auch Blühstreifen auf Ackerflächen sein.
Landwirte sollen in Pläne eingebunden werden
So wollen die beiden Gemeinden insbesondere einen Ost-West-Korridor schaffen, der südlich der Ortskerne verläuft. „Inula“ bezeichnet das als Verbundachse.
Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber hob dabei die Beteiligung der Landwirte hervor: „Wir wollen nicht Naturschutz gegen Landwirtschaft ausspielen.“ Er zeigte sich überzeugt, dass es gelingen werde, diesen Korridor „nach und nach zu füllen – gemeinsam mit der Landwirtschaft“. Zwei Ringsheimer Landwirte wollen sich bereits einbringen, berichtete Weber. Bei den Räten gab es klare Unterstützung für das Vorhaben. Einstimmig votierten sie für den Beschluss. Die Ruster Rätin Elke Ringwald erklärte: „Der Verlust der Artenvielfalt ist eines der drängendsten Themen unserer Zeit.“ Auch wenn dies angesichts anderer Krisen in den Hintergrund gerate.
Für die Biotopverbundplanung werden abschließend etwa 100 000 Euro fällig, rechnet Ringsheims Verwaltung. Der Großteil der Kosten wird übernommen. Es gibt einen Landeszuschuss in Höhe von 90 Prozent. Die übrigen Kosten teilen sich beide Kommunen.