In diesem Flachdachgebäude befindet sich das „outgesourcte“ Rathaus der kleinen Schlichemtalgemeinden. Foto: Wolf-Ulrich Schnurr

Dass das Verwaltungsgebäude des Gemeindeverbands (GVV) Oberes Schlichemtal in Schömberg modernisiert werden soll, ist seit März beschlossene Sache. Details zu den Plänen hat dem Verwaltungsrat jetzt der Wehinger Architekt Rolf Messmer vorgestellt.

Der GVV übernimmt vor allem für die kleinen, politisch selbstständigen Mitgliedsgemeinden wichtige Aufgaben, die diese mit eigenem Personal kaum stemmen könnten. Vor allem Finanzangelegenheiten, Flächennutzung, Werkrealschule und Abwasserreinigung sind da zu nennen. Der dreistöckige Flachdachbau in der Schillerstraße ist somit teilweise ein „outgesourctes“ Rathaus.

 

Pläne, den Mitarbeiterinnen um die Verbandsgeschäftsführerin Dagmar Renz ein zeitgemäßes Arbeitsumfeld zu geben, bestehen schon lange. Der Architekt hat die Ist-Situation unter die Lupe genommen und einige Vorschläge erarbeitet.

Das Personal ist über diese laut dem Verbandsvorsitzenden Anton Müller dank einer Besprechung im Bilde und soll „mitgenommen“ werden. Sie konnten bereits Verbesserungsvorschläge einbringen, die bei der weiteren Planung berücksichtigt werden sollen.

Ein kleines Metallschild weist auf die wichtige Funktion des Gebäudes hin. Foto: Wolf-Ulrich Schnurr

Der Entwurf ist Messmer zufolge ein Zwischenergebnis: „In diese Richtung könnte es gehen.“

Barrierefreiheit

Im Erdgeschoss und im linken Teil des ersten Stocks sind die Büros des GVV. Diese sollen barrierefrei werden. Zu diesem Zweck sind ein Behindertenparkplatz, eine Rollstuhlrampe, eine automatische Schiebetür und angepasste Sanitärräume vorgesehen. Das Treppenhaus muss ertüchtigt werden, um die Brandschutzvorschriften zu erfüllen.

Mehr Licht

Wände sollen teilweise heraus, teilweise durch Glaswände zum Innenbereich ersetzt werden. So entsteht nicht nur ein größeres Büro, sondern es kommt auch mehr Licht ins Gebäude. Eine Schiebetür soll erlauben, zwei Räume zu einem für die monatlichen Verwaltungsratssitzungen zusammenzufassen. Es sei unnötig, dafür einen einzigen großen Raum vorzuhalten, findet der Architekt.

Kleinere Wohnungen

Ungefähr die Hälfte des Gebäudes wird durch vermietete Wohnungen genutzt. Eine der Wohnungen sei „sehr sanierungsbedürftig, allgemein seien diese zu groß dimensioniert. Deshalb sollen aus zwei großen vier kleine Wohnungen: „Diese sind am Markt viel attraktiver zu platzieren“, Messmer.

Eine davon könnte auch für Nutzung durch Verbandspersonal freigehalten werden. Das würde die Gewinnung von Personal über die Region hinaus leichter machen, weil gleich eine Unterkunft vor Ort zur Verfügung stände.

Kostenschätzung

Insgesamt gut zwei Millionen Euro würde die Modernisierung kosten, wenn der Planentwurf vollständig umgesetzt würde. „Dieser Betrag ist ein Wort“, fand Müller. „Wir müssen schauen, was wir uns auf welcher Zeitschiene leisten können. Man kann nicht alles gleichzeitig machen.“

Knapp 1,1 Millionen Euro entfielen auf den Verwaltungsteil, gut 900 000 Euro auf den Wohnteil. Mit Abstand der größte Posten mit 760 000 Euro wäre die Baukonstruktion.

Fotovoltaik-Anlage

Mit 24 000 Euro ist eine Fotovoltaik-Anlage mit 30 Kilowatt Spitzenleistung und einem 24-kWh-Batteriespeicher veranschlagt. Diese soll jährlich 28 000 Kilowattstunden Strom liefern, 60 Prozent davon verbraucht das Gebäude selbst. Bei dadurch jährlich gesparten 7000 Euro Heizkosten hat Messmer die erwartete Amortisationszeit auf 13 Jahre berechnet

Förderung und Miete

20 Prozent Zuschuss sind für die energetischen Modernisierungen zu erwarten, zehn Prozent für die Gesamtmaßnahme. Das entspräche 194 000 Euro, der GVV muss also mit gut 1,8 Millionen Euro Investition rechnen. Der erwartete Mietertrag liegt bei mehr als 40 000 Euro im Jahr. Nach Abzug von Instandhaltung und Verwaltungskosten erwartet der Architekt einen jährlichen Reinertrag von 37 000 Euro. Die Amortisation wurde also etwa 23 Jahre dauern.

Stellungnahmen

Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger lobte den neuen Zuschnitt der Wohnungen als „marktgerecht“. Hinsichtlich der Barrierefreiheit müsse man rasch mit dem Landratsamt Kontakt aufnehmen und klären, ob Verwaltungsgebäude komplett barrierefrei sein müssen. Man werde das Mögliche versuchen, um das Gebäude zu modernisieren, „aber es werden Schwächen bleiben“, unterstrich er.

Der Haupteingang an der Vorderseite und das Erdgeschoss sollen barrierefrei werden. Foto: Wolf-Ulrich Schnurr

Sein Ratshausener Kollege Tommy Geiger sagte, man habe „maximale Effizienz“ herausgeholt: „Ich finde das eine gelungene Planung.“

Hans Joachim Lippus, Dautmergens Bürgermeister, mahnte, man müsse rechtzeitig und gleichzeitig Anträge auf Förderung stellen. Seinen Eindruck der Planungen fasste er so zusammen: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Finanzierung

Was die Modernisierung des Verwaltungs- und Wohngebäudes tatsächlich kosten wird, ist noch offen. Fest steht aber, wie diese Investition finanziert werden wird: Gemeinsame Ausgaben des Gemeindeverwaltungsverbands werden entsprechend der Einwohnerzahl
der acht Gemeinden auf diese umgelegt. Schömberg als größte Kommune des Oberen Schlichemtals zahlt somit stets den größten Anteil.y