Ortsvorsteher Bodo Schüssler (links) und Rudi Baumgartner erinnern an die Eingliederung Hartheims in Meßstetten. Foto: Karina Eyrich

Fünf zu drei ist es damals ausgegangen am 17. November 1973 in Hartheim, doch die Rede ist nicht von einem Fußballspiel, und die Gegner standen nicht auf dem Platz, sondern saßen am Ratstisch. Rudi Baumgartner war dabei, als Hartheim zu Meßstetten kam.

Die Bürger durften vorher abstimmen: 371 der damals rund 420 Hartheimer waren stimmberechtigt, als es am 19. September 1973 darum ging, ob Hartheim sich der Gemeinde Meßstetten anschließen soll – Schwenningen wäre die Alternative gewesen. 207 haben sich an der Bürgeranhörung beteiligt und 148 für Meßstetten gestimmt – 53 waren dagegen, sechs Stimmen ungültig. So steht es im Protokoll, das Ortsvorsteher Bodo Schüssler gut aufbewahrt hat.

 

Der gebürtige Meßstetter war damals noch ein Kind, doch Rudi Baumgartner – 1941 in Freiburg geboren, bei der Bundeswehr beschäftigt und in Hartheim bereits Hausbesitzer und Familienvater – erinnert sich noch sehr gut an die Zeit, als Hartheim zu Meßstetten kam: zeitgleich mit Tieringen, die lieber zu Balingen gegangen wären.

Heinstetten und Hossingen waren die ersten

„Heinstetten und Hossingen waren die ersten, schon am 1. September 1971“, sagt Baumgartner: „Dafür haben sie dann auch eine schöne Festhalle bekommen.“ Hartheim habe nichts gehabt: „Wir hatten einen Haushalt von 300 000 D-Mark und nicht einmal eine Kanalisation“, sagt Baumgartner. „Wenn es hieß: ‘Da schaut’s aus wie z’Harta‘, dann bedeutete das, dass Abwasser in den Straßengräben floss.“ Mit der Eingliederung in die spätere Stadt bekam Hartheim Entwässerungsanlagen einschließlich Abwasserreinigung und ausgebaute Ortsstraßen, eine Leichenhalle, die Friedhofserweiterung, neues Baugelände, Feld- und Waldwege, wie aus der Chronik „250 Jahre Hartheim“ von Karl Steidle, Viktor Kapla, Edgar Knaus und Arnold Kleiner hervorgeht.

Wie hat Meßstetten das alles finanziert?

Die Hartheimer Schule, für deren Bau die Hartheimer einen Kahlhieb hatten machen müssen, blieb erhalten – eine weitere Bedingungen. Aus ihrem Zusammenschluss mit der Grundschule Heinstetten entstand ein Verbund, der heute noch hält: Wegen des schönen Spielplatzes neben dem Hartheimer Schulhaus werden Erst- und Zweitklässler dort unterrichtet, die Dritt- und Viertklässler in Heinstetten.

„Wie Meßstetten das damals alles finanziert hat, ist mir unklar“, wundert sich Bodo Schüssler heute noch, wenn er die lange Liste der Hochzeitsgeschenke der Meßstetter an ihre neuen Bräute betrachtet – alle hatten etwas bekommen.

Auch die Unterdigisheimer, die am 1. Juli 1972 den Bund fürs Leben mit Meßstetten schlossen, und die Oberdigisheimer, deren Ortschaftsrat mit acht zu einer Stimme gegen die Eingliederung stimmte – sie waren erst ab 1975 dabei.

Weise Voraussicht von Erwin Gomeringer

„Erwin Gomeringer war vorausschauend“, so Baumgartner. Der Meßstetter Bürgermeister habe in der Gesamtstadt alles auf den neuesten Stand bringen lassen, und so habe sich der Ärger der Fusionsgegner schnell gelegt: „Erich Butz ist zwei Mal aus Protest der Sitzung ferngeblieben“, sagt Baumgartner, der im Ortschaftsrat für die Eingliederung stimmte. Mit abgestimmt haben Bürgermeister Xavier Deufel, der nach der Eingemeindung zum selben Gehalt Ortsvorsteher wurde, sein Stellvertreter Johann Mattes, Johann Braun, Franz Butz, Martin Dreher, der ebenfalls noch lebt, Franz Knaus und Karl Christian Deufel, der Baumgartner lebenslang nachtrug, Hartheim „verkauft“ zu haben.

In der Rückschau ist Baumgartner mehr als zufrieden damit, wie es damals gelaufen ist, obwohl das badische Hartheim den Landkreis Stockach verlassen habe und zum württembergischen Meßstetten im noch neuen Zollernalbkreis kam – als gebürtiger Freiburger ist er Badener. Und obwohl er seine Adresse aufgeben musste, um Namensdopplungen zu vermeiden: „Damals wohnten wir in der Wiesenstraße 11, danach in der Nelkenstraße 9 – und zwar ohne umzuziehen.