Albstadt hat gewählt – und anders als vor fünf Jahren ist die Zahl der Fraktionen und Gruppierungen im Gemeinderat diesmal nicht weiter angewachsen: Es sind immer noch sieben. Aber die Gewichte haben sich verlagert.
„Gerupft“, so der damalige Frontmann Roland Tralmer, war die CDU 2019 aus der Gemeinderatswahl hervorgegangen: 27 Prozent und neun Mandate, so hatte man sich die Sache nicht vorgestellt. Diesmal sieht alles anders aus: 32 Prozent, elf Mandate, die Versuchung ist groß, dieses Ergebnis als Rehabilitierung zu deuten – vielleicht sogar als Lohn für fünf Jahre gute kommunalpolitische Arbeit, nah am Ball und nah am Gegner.
Haftbar für Sünden im fernen Berlin
Die Christdemokraten sollten dieser Versuchung lieber nicht nachgeben, sondern nüchtern bleiben. Genau wie überall sonst haben nicht sie diese Wahl gewonnen, sondern die Ampelparteien haben sie verloren. Die Albstädter FDP wurde für Sünden haftbar gemacht, die 700 Kilometer entfernt in Berlin begangen worden waren: Von seinerzeit 10,6 Prozent ist sie auf 6,6 abgestürzt und darf die vier Prozent Differenz getrost vom Konto der Bundespartei abbuchen.
Das letzte Gramm Speck ist weg
Die SPD ist von 11,5 Prozent, die damals schon als Schmerzgrenze empfunden wurden, auf 10,5 Prozent abgesunken; dass es „nur“ ein Prozent war, liegt wohl tatsächlich daran, dass das letzte Gramm Speck weg ist. Albstadts Sozialdemokratie hat ihre vier Sitze mit Müh und Not gehalten, das Versprechen einer Verjüngung dagegen nicht. Immer wieder sind ihr in den vergangenen Jahren die Hoffnungsträger und -trägerinnen abhanden gekommen; von den vier Mandaten gehen drei an Veteranen und nur eines an den Nachwuchsmann Nils Maute. Generationenwechsel sieht anders aus.
Und Bündnis ’90/Die Grünen? Sind wieder dort, wo sie vor drei Jahrzehnten standen – bei zehn Prozent und drei Mandaten. Auch sie zahlen nach Jahren der Erfolge und des Ritts auf dem politischen Wellenkamm den Preis für eine Bundespolitik ohne Fortune, Zug und Überzeugungskraft. Fünf Prozent haben sie eingebüßt, knapp vier davon hat WSA, der andere große Profiteur neben der CDU, eingeheimst: 16,3 Prozent und fünf Ratssitze stehen zu Buche, einer mehr als bisher und während der Auszählung. Indes gilt auch hier, erst recht angesichts des – mit Ausnahme des Leitwolfs Martin Braun – runderneuerten Kaders: Das ist kein Guthaben, das ist Kredit.
Ein Unentschieden zu Hause
Die Freien Wähler verfügen ganz offensichtlich nicht mehr über diesen Kredit, und das obwohl sie nicht nur keine Berliner Regierungspartei sind, sondern – wie sie reklamieren – überhaupt keine Partei. Ihr Ergebnis von 2019 haben sie um lässliche 0,5 Prozent verfehlt; allerdings waren sie schon damals nicht glücklich über ihre sechs Sitze, und mehr sind es auch diesmal nicht. Ein Unentschieden zu Hause – kein Grund zur Euphorie.
Elke Rapthel macht Platz für Thomas Voelter
Eine feste Bank ist das Mandat des linken Wählerbündnisses Z.U.G. Elke Rapthel räumt als Stimmenzweite ihren Sitz – etwa für einen Vertreter der jungen Generation? Von wegen – Thomas Voelter ist zurück, der Mann der allerersten Stunde. Er saß schon im alten Jahrtausend im Gemeinderat.