Was haben sich nicht alle gefreut, mit welch hervorragendem Mix an Bewerbern die Listen für den Gemeinderat Albstadt kandidieren. Etiketten sind schnell angehängt. Aber halten sie der Prüfung stand?
Dass der Gemeinderat Albstadt einer Verjüngung bedarf, ist nichts Neues und hat schon bei den zurückliegenden Wahlen zugetroffen. Zur Gemeinderatswahl am 9. Juni dürfen erstmals schon 16-Jährige antreten – also Bewerber, die 2008 vor dem 9. Juni oder 2007 nach diesem Stichtag geboren sind.
Ein Blick auf die Wahlvorschläge, welche die Stadt Albstadt nun auf ihrer Internetseite in vollem Umfang veröffentlicht hat, zeigt aber: Es sieht immer noch recht mau aus, was junge Kandidaten auf den Listen angeht.
Der vielversprochene „bunte Mix“ lässt auch in anderer Hinsicht zu wünschen übrig
Bei der CDU – sie wird als derzeit größte Fraktion im Gemeinderat ganz vorne auf dem Wahlzettel stehen – ist der Student Luca Fontanive aus Tailfingen, geboren im Jahr 2000, der jüngste Kandidat. Die Freien Wähler verdoppeln diesen Wert, haben de facto aber auch nur zwei Kandidaten, die in diesem Jahrtausend zur Welt gekommen sind: Julian Di Maria, Elektroniker aus Ebingen, Jahrgang 2002, und Maximilian Kappe, Erzieher im Anerkennungsjahr aus Laufen, geboren 2004.
Bündnis ’90/Die Grünen haben nicht einen Bewerber aus den 2000er-Jahren zu bieten, „Wir sind Albstadt“ (WSA) als Liste mit dem niedrigsten Durchschnittsalter auch nur zwei: Sicherheitskraft Jannik Nölke ist im Milleniumsjahr geboren, der Schüler Felix Rach – wie Nölke aus Ebingen – wird gerade rechtzeitig zur Wahl 16 Jahre alt und ist damit der jüngste der insgesamt 220 Kandidaten, von denen 70 weiblich und 150 männlich sind – auch diese Tatsache weist nicht auf den vielgepriesenen „bunten Mix“ hin.
Die „alte Tante SPD“, wie sie oft genannt wird, macht den anderen in puncto junge Kandidaten da richtig etwas vor: Rettungssanitäter Marten Bachmann aus Ebingen ist ein Jahrtausendwende-Kind. Drei Jahre jünger sind Sheherazade Soudani, Duale Studentin der Sozialen Arbeit aus Laufen, und Industriemechanikerin Janina Blumenstetter aus Ebingen. 2005 geboren ist Amelia Wong, Schülerin aus Tailfingen, und 2008 Fanny Arnold, Schülerin aus Ebingen.
Nicht nur die Sozialdemokraten sondern auch die Liberalen bieten eine Handvoll 2000er-Kandidaten auf
Auch die FDP hat fünf 2000er-Kandidaten auf der Liste: Den Studenten der Politikwissenschaft Felix Gminder aus Lautlingen und Janick Vig, chemisch-technischer Assistent aus Ebingen, beide Milleniums-Kinder, sowie den Gärtnermeister Johannes Schlegel aus Laufen, geboren 2001, den Handelsvertreter Silas Claudino Da Silva aus Truchtelfingen, ein Jahr jünger, und den Studenten der Sportwissenschaften Marten Fontanive aus Tailfingen, Jahrgang 2003.
Die jüngste Kandidatin auf der Liste des kommunalen Wahlbündnisses Z.U.G. schafft es mit Jahrgang 1997 nicht über die Milleniums-Hürde, und die „Freie Liste Zollernalb“, die zum ersten Mal antritt, ist gar weit davon entfernt: Spitzenkandidat Uwe Jablonski, Jahrgang 1959, aus Ebingen ist Rentner, Andreas Leuprecht aus Ebingen, Verkäufer, 1966 geboren, und Thomas Heinzelmann, Stuckateur aus Tailfingen, Jahrgang 1968 – die Freie Liste hatte ihre Bewerber bisher noch nicht publiziert.
Was noch auffällt auf den Wahlvorschlägen: Für Bündnis ’90/Die Grünen tritt Ulrich Kohaupt an, der im Herbst 2023 der nächste Nachrücker für die damals ausgeschiedene Stadträtin Susanne Feil gewesen wäre, mit Blick auf sein Kreistagsmandat aber verzichtet hat. Inzwischen sei er im Rentenalter und habe mehr Zeit, begründet Kohaupt auf Nachfrage seine erneute Kandidatur.