Eine Verbundplanung ist keine neue Thematik. Dennoch ist im Gemeindewald einiges an Potenzial zu sehen, wurde bei der Ratssitzung deutlich.
Bei der Sitzung des Gemeinderats stellte Lydia Lehmann vom Landschaftserhaltungsverband (LEV) Ortenaukreis den geplanten Biotop-Verbund vor. Ziel sei, bisherige Einzelbiotope über sogenannte Trittsteine miteinander zu verbinden. In Verbindung mit der Biotopverbund-Planung ließen sich durch die Aufwertung von Flächen auch Ökopunkte generieren, die dann wiederum verkauft oder zum Ausgleich verwendet werden könnten.
„Der Handel mit Ökopunkten kann lukrativ sein“, blickte Bürgermeister Benedikt Eisele auf größere Städte, die einen hohen Bedarf hätten. Das nachhaltige Waldmanagement im Gemeindewald werde fortgeschrieben und lasse sich mit dem Biotopverbund und der Aufwertung für Ökopunkte verbinden. „Es hängt alles miteinander zusammen“, betonte er und will die Verbundplanung im engen Austausch mit den Kinzigtalgemeinden angehen.
Zahlreiche Arten sind laut Lydia Lehmann in Gefahr
„Eine der aktuell größten Herausforderungen ist die Gefährdung vieler Arten und ihrer Lebensräume“, erklärte Lydia Lehmann. Gründe seien unter anderem die Zerschneidung der Landschaft, ein Schwund bedeutender Flächen durch Überbauung sowie die Auswirkungen des Klimawandels. Bis 2030 solle auf 15 Prozent der Landesfläche ein Biotopverbund entstehen. Dafür wäre ein Fachkonzept für Kernflächen, Suchräume und Trittsteine erstellt worden.
Die Gemeinderätin Silke Moschberger (FWV) erkundigte sich nach den Kerngebieten. „Das sind Flächen, die sowieso schon mit Auflagen belegt sind“, betonte Lehmann und führte Mähwiesen oder FFH-Flächen an. Klaus Schöner (CDU) hatte Bedenken, dass neue Flächen kartiert werden könnten. Das wies Lehmann zurück: „Es findet eine Begehung, aber keine aktive Kartierung oder Biotopausweisung statt.“
Xaver Rockenstein (FWV) erkundigte sich nach den Kosten für die Planung, die Lehmann auf etwa 90 000 Euro schätzte – beim möglichen Zusammenschluss mehrerer Kommunen auf bis zu 160 000 Euro. Günter Schmidt (FWV) erkundigte sich nach Konsequenzen, wenn die Biotopverbundplanung bis 2030 nicht vollzogen sein werde. Das konnte Lydia Lehmann nicht beantworten und verwies auf Aussagen des Regierungspräsidiums, wo es immer heiße, man sei auf einem guten Weg.
„Mit der Biotopverbund-Planung entsteht am Ende keine Verpflichtung, Maßnahmen umzusetzen, wenn diese festgelegt wurden“, betonte Lehmann. Es gehe in erster Linie darum, von den Kernflächen der bestehenden Biotope ausgehend Verbindungen zu anderen Biotopen über sogenannte Trittsteine zu schaffen.
Hartmut Schwendemann (Grüne) fragte nach dem größten Potenzial, das sie für Steinach sehe. Lehmann führte Grünland, Streuobstwiesen und Trockenmauern an. In Steinach werde es in erster Linie darum gehen, den Bestand zu erhalten.
Es müsse auch keine lineare Verbindung entstehen, sondern könne beispielsweise durch eine Ackerbrache gewährleistet werden, die schon vorhanden sei. „Das Kinzigtal hält sich noch sehr in Grenzen“, erklärte Lehmann auf Nachfrage aus dem Gremium. In Gengenbach sei der Prozess gerade gestartet worden, für Berghaupten gebe es bereits eine Planung – sonst gebe es noch nichts im Tal. Bisher seien die Planungen mit 90 Prozent durch das Land gefördert worden, ob das so bleibe, sei noch ungewiss.
Verbundthematik ist keine neue Thematik
„Das Thema ist nicht neu“, verwies Lehmann auf das Bundesnaturschutz-Gesetz, in dem bereits 2003 der Biotopverbund festgeschrieben wurde. Auch in der Baden-Württembergischen Version von 2015 sei festgeschrieben: „Alle öffentlichen Planungsträger haben bei ihren Planungen und Maßnahmen die Belange des Biotopverbunds zu berücksichtigen“. Mit dem Volksbegehren 2019 „Pro Biene“ wurde das Thema wieder aktuell und ein Eckpunkteplan entwickelt.