Die Gemeinde Winterlingen bereitet den Weg für einen 8,3 Hektar großen Solarpark südlich von Blättringen vor.
Der erste Schritt ist getan: In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Winterlingen hat das Gremium bei zwei Gegenstimmen dafür gestimmt, einen Bebauungsplan für das Sondergebiet „Solarpark Lange Äcker“ zu erarbeiten. Damit seien „die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung einer Photovoltaik-Freiflächenanlage mit Batteriespeicher im Regelverfahren geschaffen.“
Als Baufläche ist ein rund 8,34 Hektar großer Bereich südlich des Ortsteils Blättringen geplant, rund 3,5 Kilometer vom südöstlichen Ortsrand der Gemeinde Winterlingen entfernt. Seit die Landesregierung 2017 die sogenannte Freiflächenöffnungs-Verordnung verabschiedet hat, dürfen Photovoltaikanlagen auch auf landwirtschaftlich benachteiligten Acker- und Grünflächen errichtet werden. Das Gebiet bei Blättringen entspreche dieser Beschreibung.
„Wir entziehen der Landwirtschaft keine Flächen.“
Bürgermeister Michael Maier betonte in der Sitzung: „Wir entziehen der Landwirtschaft keine Flächen.“ Die landwirtschaftlichen Wege bleiben erhalten und werden entsprechend ihrer Nutzung gesichert.
„Das tut einem schon im Herzen weh, dass die Flächen zugebaut werden“, sagte Gemeinderat Benjamin Blickle bedauernd. Er bemängelte, wie schwer es im Vergleich für Privatpersonen sei, eine PV-Anlage genehmigt zu bekommen. Auch Dirk Sieber äußerte Kritik. Aus Sicht der Landwirte sei der geplante Solarpark sehr ärgerlich. Maier hielt dagegen: „Im Regionalplan ist vorgesehen, dass man dort bauen kann.“
Das vorgesehene Gebiet für den Solarpark grenzt im Norden und Osten an landwirtschaftliche Flächen, im Süden befinden sich Waldflächen, „die weit außerhalb des erforderlichen Waldabstandes liegen“. Südwestlich verläuft die Bundesstraße B 463. Damit die Anlage das Landschaftsbild nicht zu stark beeinträchtigt, ist eine maximale Höhe der einzelnen Module festgelegt.
Der produzierte Strom der Photovoltaik-Anlage soll künftig in das öffentliche Stromnetz eingespeist und gespeichert werden. So könne ein wichtiger Beitrag zur allgemeinen Stromversorgung und Netzstabilität geleistet und Klimaschutzziele des Landes unterstützt werden. Den Antrag für den Bau eines Solarparks hat die Firma „ABO-Energy“ aus Wiesbaden gestellt. Sie verpflichtet sich, sämtliche Kosten der Planung sowie der naturschutzfachlichen und artenschutzfachlichen Gutachten und Auflagen zu übernehmen. Die Firma hatte sich und das Projekt im Januar in der Ortschaftsratsitzung von Benzingen präsentiert.
Inbetriebnahme 2028 geplant
Jonas Besseler, Projektleiter der Wiesbadener Firma, gab eine grobe Einschätzung zum zeitlichen Verlauf ab. Wenn der Aufstellungsbeschluss in der Gemeinderatssitzung im Februar genehmigt werde, könne man die weiteren Schritte einleiten und der Solarpark im Jahr 2028 in Betrieb gehen. Besseler stellte damals auch das Biodiversitätskonzept vor. Unter anderem sollen die Flächen von Schafen beweidet werden, bodenfreie Zäune Rückzugsräume für Kleintiere schaffen, und lokale Imker könnten feststehende Bienenstöcke aufstellen.
Wie geht es nun weiter? Nachdem der Gemeinderat für den Aufstellungsbeschluss gestimmt hat, wird der nächste Schritt sein, einen Vorentwurf des Bebauungsplans mit den rechtlichen Vorgaben und örtlichen Bauvorschriften zu erstellen. Die Unterlagen werden anschließend im Gemeinderat diskutiert und einen Monat lang für die Bürgerinnen und Bürger öffentlich ausgelegt. Nach dieser Phase werden die von Öffentlichkeit, Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange eingegangenen Stellungnahmen geprüft und behandelt.