Bauarbeiten im Oberen Brühl. (Archivfoto) Foto: tx-foto.com/Marc Eich

Geothermie oder jetzt doch was anderes? Die Frage der günstigsten Heizform im Oberen Brühl sorgte in der Sitzung des Technischen Ausschusses bei den Gemeinderäten für Verwirrung.

Ein urbanes Vorzeigewohngebiet sollte das geplante Verwaltungs- und Wohngebiet Oberer Brühl in Villingen werden. Jetzt zieht sich die Umsetzung aber so lange hin, dass sich nach Einschätzung der Stadtverwaltung die bisherigen Annahmen für eine nachhaltige Heizform geändert haben.

 

In der Sitzung des Technischen Ausschusses in der vergangenen Woche hatte man drei Heizvarianten gegenübergestellt: Geothermie für das Gesamtgebiet, Erdwärmekollektor zur Versorgung der städtischen Gebäude oder eine dezentrale Wärmeversorgung mit Luft-Wärmepumpen.

Komplexes Thema

Das Thema ist komplex und die Annahmen und Berechnungen der Verwaltung offenbar für so manchen nicht nachvollziehbar. Die Freien Wähler hatten einen umfangreichen Fragekatalog an die Verwaltung geschickt. Diese waren auch noch kurz vor der Sitzung des Fachausschusses beantwortet worden. Aber sowohl Fragen als auch Antworten hatten nicht mehr alle Mitglieder des Ausschusses erreicht.

Das sorgte für Unmut, weil nicht alle den gleichen Informationsstand hatten. „Bei uns sind ähnliche Fragen aufgetaucht wie bei den Freien Wählern“, sagte CDU-Fraktionssprecher Dirk Sautter.

Besser für Investor?

Oberbürgermeister Jürgen Roth wertet die Variante Luft-Wärmepumpe als die für Investoren und Mieter später günstigste Lösung. Weil es insgesamt schwierig sei, einen Investor für die Umsetzung des geplanten Wohngebietes zu finden, wolle man hier nicht mit zusätzlichen Kosten mögliche Interessenten abschrecken.

Zweifel gab es in den Reihen der Fraktionen an den Berechnungen der drei Varianten. Es war davon die Rede, dass Äpfel mit Birnen verglichen würden. So forderte beispielsweise Armin Schott (Grüne) einen „sauberen Vergleich“. Die Luft-Wärmepumpe verursache im Winter höhere Kosten und benötige Strom. Für die Geothermie spreche unter anderem, dass es sich um ein unabhängiges System handele, „und das wollten wir ja“. Schott sprach sich dafür aus, das Thema noch nicht in dieser Sitzungsrunde zu entscheiden, sondern erst in der nächsten im April.

Oberbürgermeister Jürgen Roth wiederum wollte eine Entscheidung spätestens in der Sitzung des Gemeinderates am heutigen Mittwoch, weil man zeitnah ausschreiben müsse. „Es fällt schwer, das zu verstehen, wenn man kein Ingenieur ist – für die FDP entscheidet sich das Thema an den Kosten“, sagte Michael Steiger. „Wir tun uns schwer, heute eine Entscheidung zu treffen. So wie es gerade läuft, ist es nicht förderlich für das Thema“, meinte Bernd Lohmiller (SPD).

Schon Geld ausgegeben

Große Enttäuschung kam im Beitrag von Ulrike Salat (Grüne) zum Ausdruck: „Wir wollten ein innovatives Wohnprojekt. Liest man die Vorlage, wird das alles vom Tisch gewischt. Warum haben wir uns dann vier Jahre mit dem Thema beschäftigt?“ Außerdem habe man bereits viel Geld für Probebohrungen in Sachen Geothermie ausgegeben. Vorausrechnungen von Kosten auf 20 beziehungsweise 40 Jahre seien exakt gar nicht zu treffen.

Wenn sich die Wirtschaftlichkeit verändere, sei es die Pflicht der Verwaltung, darauf hinzuweisen – um auch umsteuern zu können, so der OB. Inzwischen gebe es mehr Anbieter und bessere Technik, warb er für die Position der Verwaltung.

Schließlich kam man überein, dass der Technische Ausschuss aufgrund des umfangreichen Klärungsbedarfes keine Beschlussempfehlung für die Sitzung des Gemeinderates fasst. Einige Räte kündigten an, noch weitere Frage zur Beantwortung vor einer Entscheidung an die Verwaltung schicken zu wollen. Ob in der Sitzung am 19. März zu dieser Frage also soweit Klarheit hergestellt ist, dass das Gremium eine Entscheidung trifft, bleibt abzuwarten.