Ein Blick durch den Zaun auf den rückwärtigen Teil des Rotholzgeländes, wo noch einige Grundmauern zu erkennen sind. Wie die Spitze eines Eisbergs ragen weiße Schüttgutbehälter (sogenannte „Big Packs“) mit unbekanntem Inhalt in die Höhe. Foto: Fahrland

Da alle Fundamente am Rotholzgelände mit asbesthaltigem Material angefüllt sind, steigt die Menge des zu entsorgenden Materials auf 462 Tonnen.  Die  Kosten steigen somit ebenfalls um 171 000 Euro.  Bürgermeister Stefan Hammer  räumt ein: Der Informationsfluss sei „nicht ganz optimal“ gewesen.

Ende Juni hatte der Gemeinderat die Auftragsvergabe zur Altlastenentfernung aus dem Untergrund nach dem Abbruch des alten Gipswerks im Rotholzweg 8 vertagt.

 

Vereinzelt wurde sogar ein Aufschub bis zur Erschließung des Gewerbegebiets in Betracht gezogen. Nach einem Ortstermin stand das Thema erneut auf der Tagesordnung.

Fundamente mit Asbest gefüllt

„Im Rahmen der laufenden Abbruchmaßnahme wurde auf dem Rotholzgelände weiterer Handlungsbedarf zur Erzielung des von der Gemeinde gewünschten Rückbauumfangs aufgedeckt“, hieß es in der aktualisierten Sitzungsvorlage.

Alle Fundamente seien mit asbesthaltigem Material angefüllt worden, teilte Bürgermeister Stefan Hammer mit. Er räumte ein, der Informationsfluss der Verwaltung sei „nicht ganz optimal“ gewesen aufgrund der Eile, eine Winterbaustelle verhindern zu wollen.

Zusatzkosten von 171 000 Euro

In der ersten Sitzung sei es zu Unterstellungen gegenüber der ausführenden Firma und der Äußerung von Einzelmeinungen gekommen, die nicht der Meinung der Verwaltung entsprochen hätten.

Seit der ersten Kostenschätzung in Höhe von 149 000 Euro wurden inzwischen auch in weiteren Randbereichen asbestbelastete Materialien vorgefunden. Die zu entsorgende Menge musste von 400 auf 462 Tonnen angepasst werden. Die Kostenschätzung der Zusatzkosten stieg auf 171 000 Euro.

Ausgaben sind noch im Rahmen

Hinzu kommt der Hauptauftrag von knapp 214 000 Euro, was Gesamtkosten von voraussichtlich 385 000 Euro ergibt.

Das übersteigt zwar die für den Rückbau ursprünglich vorgesehenen 300 000 Euro, liegt aber noch innerhalb des Haushaltsansatzes von 650 000 Euro zur „Schaffung neuer Wohn- und Gewerbeflächen“, selbst nach Berücksichtigung der Vergabesumme von 184 000 Euro für die Erschließung der Bochinger Straße 15.

Ausnahmegenehmigung für Talheim

Preisrelevant ist unter anderem, auf welcher Deponie die Materialien angeliefert werden dürfen und in welcher Form, also lose abgedeckt oder verpackt in sogenannten „Big Packs“.

Die ausführende Firma Schlösser Grund- und Tiefbau hatte inzwischen eine Ausnahmegenehmigung erwirkt, das Material auf die Deponie in Talheim verbringen zu dürfen.

Ein wichtige Besichtigung

Damit sich der Gemeinderat selbst vor Ort ein Bild machen und sämtliche Fragen stellen konnte, fand am 10. Juli ein nichtöffentlicher Besichtigungstermin statt. Beteiligte waren Vertreter der Abbruchfirma Schlösser Grund- und Tiefbau, des Planungsbüros, des Untersuchungslabors und der Gemeindeverwaltung, die das Gremium über die Baustelle führten und über Hergang, Ablauf und die weiteren Maßnahmen informierten.

In der nächsten öffentlichen Sitzung äußerten sich die Gemeinderäte erneut. Andreas Haberer (FWV) bestätigte, die Besichtigung sei sehr aufschlussreich gewesen und die Gemeinde zur Entfernung der Asbest-Altlasten verpflichtet.

Nur wenige „Asbest-Genehmigungen“

Norbert Burkhardt (CDU) sah die Entwicklung der Gewerbefläche als dringend an, plädierte allerdings zeitnah für einen neuen Ansatz und die Überlegung zur Neuausschreibung.

Angelika Stierle (FWV) sprach sich hingegen für die Vergabe an Firma Schlösser aus und sah deren erwirkte Sondergenehmigung zur Deponierung in Talheim positiv.

Martin Lupold (FWV) gab zu bedenken, der Auftrag sei kaum noch zu trennen. Nur wenige Tiefbauunternehmen hätten eine „Asbest-Genehmigung“ und ob über eine Neuvergabe eine maßgebliche Ersparnis erzielt werden würde, sei ungewiss.

Problem nicht aufschieben

Stefan Hammer pflichtete bei und warnte vor Zusatzkosten bei der erneuten Baustelleneinrichtung durch einen Zweitunternehmer. Er mahnte auch, mit Vorwürfen vorsichtig zu sein. Das eingebaute Material sei zum damaligen Zeitpunkt noch nicht verboten gewesen und daher nicht in einer Altlastenkartierung erfasst.

Kämmerin Melanie Hägele informierte über die Stellungnahme des Landratsamts, wonach ein umwelttechnisches Problem nicht aufgeschoben werden dürfe, bis die Bebauungsplan-Änderung abgeschlossen sei und die Erschließung ausgeschrieben werden könne.

Votum ist fast einstimmig

„Wir müssen in den sauren Apfel beißen“, folgerte Thomas Schäfer (FBV). Man habe die „überkochende Stimmung“ überwunden und könne inzwischen beruhigt zur Abstimmung schreiten, meinte Axel Plocher (FWV).

Martin Lupold forderte Stefan Hammer auf, bei der nächsten Entscheidung von ähnlichem finanziellen Ausmaß gleich einen Fachmann in die Sitzung einzuladen, der den Sachverhalt erläutert.

Fast einstimmig, mit nur einer Gegenstimme von Nobert Burkhardt, beschloss der Gemeinderat, den Zusatzauftrag für 171 000 Euro an die Firma Schlösser zu vergeben.