Der neue Trossinger Gemeinderat hat sich konstituiert. Gegenüber dem bisherigen Gremium kommt es zu elf Veränderungen. Foto: Markus Schmitz

In der letzten Sitzung vor der Sommerpause hat sich der neue Gemeinderat konstituiert. Die Veränderungen in der Zusammensetzung sind so groß wie schon lange nicht mehr.

Viele neue Gesichter im Gemeinderat: Zum letzten Mal vor den Ferien hatte sich der Rat zunächst in der alten Zusammensetzung getroffen, um anschließend in neuer Besetzung weiter zu tagen. Bürgermeisterin Susanne Irion würdigte die Arbeit der ausscheidenden Gemeinderäte und die „konstruktive Arbeit“ des Gremiums. Nach 20 Minuten setzte dann das große Stühlerücken ein. Die neuen Gemeinderäte, die zunächst im Zuschauerraum Platz genommen hatten, wechselten an den Ratstisch und wurden im Anschluss auf ihr Amt verpflichtet.

 

Frage zur Sitzordnung

Nicht jeder war mit dem neuen Sitzplatz zufrieden. So formulierte SPD-Neustadtrat Thomas Herrmann seinen Unmut über seine Position am Ratstisch. Ohne dies explizit zu nennen, dürfte ihm der Platz neben AfD-Gemeinderat Jörn Stürtze nicht gefallen haben. In vielen anderen Parlamenten werde das Rechts-Links-Schema des Parteienspektrums als Grundlage für die Sitzordnung herangezogen, was in Trossingen nicht so sei, wunderte sich Herrmann. „Das ist historisch so gewachsen“, sagte Bürgermeisterin Susanne Irion. Tatsächlich sitzt die FDP seit vielen Jahrzehnten im Dreiviertelkreis rechts der Bürgermeisterin, es folgt die CDU, die Freien Wähler, die Offene Grüne Liste, die SPD und dann die AfD.

So wird ein Vertreter der Rechtspopulisten im Trossinger Gremium faktisch zum „Linksaußen“. Sollte der Gemeinderat dem Bau eines neuen Rathaus-Anbaus zustimmen, dann könne in einem neuen Sitzungssaal womöglich auch die Sitzordnung geändert werden, stellte die Bürgermeisterin in Aussicht. Im übrigen habe sie das Recht, die Sitzordnung festzulegen.

Wie bei konstituierenden Sitzungen üblich, galt es, viele Formalien abzuarbeiten. So wurde Gustav Betzler (Freie Wähler) erneut zum ersten Bürgermeisterstellvertreter gewählt. Weitere Vertreter der Bürgermeisterin sind CDU-Gemeinderat Jürgen Vosseler und FDP-Rätin Antje Spehn.

Leer ging AfD-Gemeinderat Jörn Stürtze aus, der bei der Kommunalwahl nach „Stimmenkönig“ Gustav Betzler immerhin die zweitmeisten Stimmen geholt hatte. Dieses Vorgehen wiederum kann nicht als gezielter Schachzug gegen die oft ungeliebte Rechtsaußen-Partei gewertet werden, denn schon immer wird in Trossingen die Fraktionsstärke als entscheidendes Kriterium für die Besetzung der Stellvertreterposten herangezogen.

23 Ausschüsse und Beiräte

In der Folge benannten die Fraktionen und Gruppierungen ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die einzelnen Ausschüsse, Aufsichtsräte, Vorstände, Komitees und Verbände. Davon gibt es in Trossingen exakt genauso viele wie Gemeinderäte: 23(!).

Die Veränderungen im neuen Gemeinderat ergeben sich hauptsächlich dadurch, dass viele der bisherigen Stadträte zur Wahl am 9. Juni nicht mehr angetreten waren. Das sind Markus Santo (Freie Wähler), Wolfgang Schoch (CDU), Dr. Hilmar Fleischer, Willi Link und Anika Neipp (alle FDP), Sigrun Kramer und Dr. Wolfgang Steuer (beide OGL) sowie Thomas Schulz (AfD). Dieter Görlich, Simon Mayer (beide SPD) und Heidi Witteriede (CDU) waren nicht mehr gewählt worden. Dem neuen Gemeinderat gehören an: Freie Wähler: Gustav Betzler, Hermann Maier, Robert Benzing, Werner Dressler, Artur Repp, Amelie Fehrenbach und Ingo Hohner; CDU: Jürgen Vosseler, Petra Hermann, Klaus Butschle, Simon Kapp, Daniel Link und Raimund Kornacker; FDP: Antje Spehn, Dr. Andreas Anton und Thomas Springer; OGL: Gerhard Brummer, Annika Lenz und Martin Häffner; SPD: Vatche Kayfedjian, Thomas Herrmann und Jonas Keller; AfD: Jörn Stürtze.