Einen Stellplatz zur Ferienwohnung ausweisen zu müssen – das könnte angesichts des hohen Parkdrucks in Triberg ein Regulativ sein und Bauherren davon abhalten, Ferienwohnungen zu planen. Denn auch Stellplätze sind schließlich überall da teuer, wo der Andrang so groß ist. Foto: Erika Rapthel-Kieser

Fünf Ferienwohnungen durchwinken in einer einzigen Sitzung? Im Triberger Gemeinderat regte sich Widerstand. Das Argument: Dass „Einheimische bald gar keinen Wohnraum mehr finden“.

Der Triberger Bürgermeister Sven Ketterer, als ehemaliger Bauamtsleiter der so hoch frequentierten und beliebten Wasserfallstadt mit allen Wassern des Baurechts gewaschen, hat dazu anscheinend schon einige Ideen entwickelt. Öffentlich hinausposaunen wollte er freilich noch nichts. Schließlich waren die regionale Presse und einige wenige Zuhörer in der Sitzung. Und wilden Spekulationen sollten gewitzte Stadtchefs immer vorbeugen.

 

„Ich werde nachher in der nichtöffentlichen Sitzung etwas dazu sagen“, verriet er und setzte die Räte und die Zuhörer aber schon mal auf eine wichtige Spur. „Es gibt auch die Möglichkeit der Bebauungsplanänderung“, ließ er verlauten.

Die Quadratur des Kreises

Tatsächlich, in einer Stadt, die von ihrem Tourismus lebt, mutet das Problem wie die Quadratur des Kreises an. Denn Hotels, Gastronomie, Geschäfte und Souvenirshops sorgen einerseits für Arbeitsplätze, aber andererseits wollen eben jene Geschäftsinhaber, Mitarbeiter und Angestellten und die gebürtigen Triberger ja auch noch ortsnah wohnen.

Immer mehr Hotels geraten in Schieflage, weil gewitzte Privatleute mal schnell die noch schnellere Mark machen können, indem sie einzelne Zimmer oder ganze Appartements an Gäste vermieten. Da entsteht dem Hotelgewerbe große Konkurrenz. Der Wohnraum wird von Menschen belegt, die nur wenige Tage bleiben, aber eben auch mitten in der schönen Altstadt oder zumindest zentrumsnah wohnen wollen. Auch das ist eine weniger schöne Seite der gleichen Tourismusmedaille.

Triberg ist in bester Gesellschaft

Triberg reiht sich da in den bekannten Reigen großer und noch viel berühmterer Städte ein. Florenz, Barcelona oder Marseille und in Deutschland zum Beispiel Berlin oder München haben längst schon zu den unterschiedlichsten und teilweise sogar rigorosen Maßnahmen gegriffen, um die Flut der Ferienwohnungen einzudämmen und Einheimischen wieder mehr und damit auch erschwinglichen Wohnraum zu geben.

Das Handelsblatt widmete dem vor Kurzem erst einen langen Artikel und zählte eine Reihe solcher Möglichkeiten auf. Es nannte auch Zahlen, die die Europäische Union zu dem Thema ermittelt und publiziert hat. Die EU weist darauf hin, dass sich ganze Stadtviertel verändern und auch, dass sich das Problem durch die sogenannten Digitalnomaden noch verschärft habe.

Die Stellplätze werden zum Regulativ

Dass Triberg zu richtig harten Sanktionen greift, ist kaum vorstellbar, und Sven Ketterer weiß sehr genau, dass die Änderung eines Bebauungsplanes Jahre in Anspruch nehmen kann. Zu einem Mittel griffen die Räte aber sofort: Sie forderten von einem Bauherren den Nachweis von Stellplätzen. Die sind auch in Triberg teuer, weil großer Parkdruck herrscht und die Stadt in der gleichen Sitzung ein noch ausgetüftelteres System für den ruhenden Verkehr anging.

Und wer seinen Gästen Stellplätze anbieten muss, muss dafür ja auch tief in die Tasche greifen, um diese Flächen von der Stadt anzumieten, die dann wieder etwas davon hat. Geld, das sie vielleicht sogar in sozialen Wohnungsbau fließen lassen kann.