Es war eine Entscheidung, wie sie in den meisten Gemeinderäten der Region niemals gefällt werden könnte: Die Stadt schichtet einen Teil ihrer Millionen um und investiert.
Wie wichtig es ist, dass die Energiewende vorangetrieben wird, ist den Stadträten auf dem hoch gelegenen und gewöhnlich nicht so hitzigen Heuberg in ihrer jüngsten Sitzung klar geworden: Die Sonne schien mit Macht in den Sitzungssaal, und alle schwitzten.
Ob es daran lag, dass die Stadträte einstimmig einer Maßnahme zugestimmt haben, die nicht nur in Meßstetten Auswirkungen hat? Vermutlich kaum, denn für die Stadt springt dabei selbst etwas heraus – finanziell gesehen.
Worum geht’s? Der Energieversorger EnBW, von dem die Stadt Meßstetten bereits 320 001 Aktien besitzt – 311 821 hält sie im Haushalt des Eigenbetriebs Wasserversorgung, 8180 Aktien im Kernhaushalt, will weiteres Kapital locker machen, um in die Energiewende investieren zu können. Das Geld will sie sich einerseits von Aktionären holen, andererseits auf dem Kapitalmarkt. Der Clou dabei: Je mehr die Aktionäre investieren, desto kreditwürdiger ist der Energieversorger.
Die Rendite würde sinken – das lässt sich so verhindern
Gelänge es ihr nicht, mehr in die Energiewende zu investieren, und müsste sie sich folglich auf ihre Pflichtaufgaben konzentrieren, könnte sie nur geringe Renditen erwirtschaften, erklärte Stadtkämmerer Daniel Bayer in der Sitzung. Dann erhielte auch die Stadt Meßstetten weniger Rendite für ihre bisherigen Aktien.
Wenn die Stadt also nun die Kapitalerhöhung der EnBW mitträgt, profitiert sie doppelt, wie Bayer deutlich machte: Zum einen trägt sie dazu bei, dass die Renditen hoch bleiben. Und zum anderen besitzt sie dann mehr Aktien, für die sie Rendite kassiert. Noch nicht fest steht bisher der Wert, den die neuen Aktien haben werden, der sogenannte Bezugspreis.
Die EnBW bleibt in kommunaler Hand
Einen weiteren wichtigen Vorteil schilderte Bürgermeister Frank Schroft den Stadträten: Je stärker sich die Kommunen an der Kapitalerhöhung beteiligen, desto sicherer bleibt die Mehrheit des Energieversorgers in kommunaler Hand – so hätten die Städte und Gemeinden auch weiterhin das entscheidende Mitspracherecht bei den Entscheidungen über die künftigen Investitionen der EnBW.
Das Geld, das die Stadt Meßstetten nach dem Beschluss der Stadträte nun in weitere Aktien der EnBW investieren wird, kommt gewissermaßen sogar von dort: 2002 hatten die Meßstetter einen Teil ihrer EnBW-Aktien verkauft und das Geld dafür in Fonds angelegt – den bilanziellen Wert bezifferte Daniel Bayer am Freitag auf 9,5 Millionen Euro. Der aktuelle Rücknahmepreis pro Fondsanteil im „Unterdepot 00“ liegt mit insgesamt 3,741 Millionen Euro um 674 000 Euro über dem Bilanzwert – den Überschuss kann die Stadt somit verwenden, um ihren Haushalt auszugleichen.
Der Stadtkämmerer darf einkaufen
So viele Vorteile überzeugten das Gremium, und die Stadträte ermächtigten ihren Stadtkämmerer einstimmig, auf Einkaufstour zu gehen und weitere Aktien der EnBW zu erwerben. Somit fließt künftig noch mehr Rendite in den städtischen Haushalt der Meßstetter – Geld, das auch in der schuldenfreien Heubergmetropole dringend gebraucht wird, wie Schroft und Bayer in den zurückliegenden Monaten immer wieder deutlich gemacht hatten.
Schließlich muss die Stadt über den Kreishaushalt Großprojekte wie den Bau eines Zentralklinikums zwischen Albstadt und Balingen mitfinanzieren.