Der Rangendinger Gemeinderat kann den bei Bietenhausen geplanten Funkturm nicht verhindern, übermittelt aber ein „politisches Signal“ gegen den geplanten Standort in Ortsnähe.
Der Ortschaftsrat Bietenhausen lehnte den Bau eines Funkturms in direkter Nähe zur Wohnbebauung ab. Die Bürger sind gegen den Standort (die HZ berichtete). Am Mittwochabend hat sich der Rangendinger Gemeinderat solidarisch gezeigt: Das Gremium hat ebenfalls gegen die Stahlgitterkonstruktion votiert. Aufhalten lassen wird sich das Projekt damit voraussichtlich nicht. Aber den Gemeinderäten war wichtig, mit der Abstimmung ein politisches Signal zu senden. Stein des Anstoßes ist dabei nicht der Ausbau des Mobilfunks an sich, sondern die Auswahl des Standorts.
Petition: 205 Unterschriften
Bürger aus Bietenhausen hatten deshalb eigens eine Online-Petition gestartet, die 205 Personen signierten (die aber nicht alle aus Bietenhausen kommen). Die Höhe der Stahlkonstruktion und die Nähe zum Ort beeinträchtigen die Silhouette Bietenhausens nachhaltig und verändern das Landschafts- und Ortsbild zum Negativen, so die Befürchtung. Bürgermeister Manfred Haug hat dem Gemeinderat den Petitionstext in voller Länge vorgelesen.
Auf Unverständnis stößt derweil, dass alternative Standorte im Gespräch waren, diese aber nicht weiterverfolgt wurden. Ein Bürger, der sich während der öffentlichen Sitzung, zu Wort meldete, drückte sich so aus: „200 Meter weiter würden keine Rolle spielen.“ Diese Fläche mit Sitzbank befindet sich im Besitz der Gemeinde. Der Bürger war während seines Berufslebens Elektrotechniker und hatte mit autonomen Maschinen zu tun. Er ist einer, der sich auskennt.
Hirrlingen und Höfendorf liegen 1,95 Kilometer und 953 Meter Luftlinie entfernt, erklärt er auf Nachfrage. Wenn die Technik so weit sendet, würde die Verlegung des Standorts um 200 Meter (im Vergleich zum bisherigen Standort) doch keinen Unterschied machen, so sein Argument.
Auch in funktechnischer Hinsicht sieht er den vorgesehenen Standort bei Bietenhausen nicht als erste Wahl, denn man sendet den Hang hinab. Wäre es deshalb nicht geschickter gewesen, von vornherein den Funkmast auf dem gegenüberliegenden Hügel (Bibis) zu errichten?
Gemeinde ohne Einfluss
Allerdings ist es nicht die Gemeinde, die die letzte Entscheidung trifft. Die Abstimmungen in Ortschaftsrat und Gemeinderat sind vielmehr als Willensbekundungen zu verstehen, die keinen Einfluss auf das Bauprojekt haben. Der Ausbau des Mobilfunks ist in Deutschland mit Vorschriften reguliert, auf die die kommunale Ebene keinen Zugriff hat. Aufgrund der Relevanz für die Bürger suchte die Gemeinde dennoch den Kontakt mit der Telekom, in deren Auftrag das Unternehmen „Deutsche Funkturm“ die Konstruktion errichten wird. Darüber berichtete Haug in der Sitzung des Gemeinderats detailliert.
Enger Suchkreis
Demnach erklärte die Telekom, dass die Suchkreise für Standorte von der „Bundesnetzagentur und von der Funknetzplanung der Deutschen Telekom fest vorgegeben“ sind. Die Grenze dieses Suchkreises verläuft recht nah um die Wohnbebauung Bietenhausens. Dies engt die Standortsuche von vornherein ein.
Alternative Standorte – von denen 13 geprüft wurden – konnten nicht weiterverfolgt werden. Haug fasst die Rückmeldung der Telekom so zusammen: „Teilweise waren Standorte baulich nicht geeignet, teilweise topografisch oder funktechnisch ungünstig. In anderen Fällen gab es keine Rückmeldung, eine Absage oder kein Interesse an einer Vermietung.“ Der jetzt vorgesehene Standort sei laut Telekom „der tragfähigste Standort, um Bietenhausen und die umliegenden Bereiche zuverlässig zu versorgen“.
Telekom prüft andere Standorte
Standorte mit größerem Abstand zur Wohnbebauung wurden geprüft, aber: „Diese konnten die erforderliche Versorgung jedoch nicht in gleicher Weise sicherstellen oder waren aus anderen Gründen nicht realisierbar. Ein Standort am Waldrand oder deutlich weiter außerhalb klingt zunächst nachvollziehbar, hätte aber funktechnisch eine andere Wirkung. Ziel ist nicht nur eine Versorgung am Ortsrand, sondern eine stabile Versorgung für Bietenhausen und die angrenzenden Bereiche.“
Kein Mast in Höfendorf
In Betracht gezogen hat die Telekom übrigens auch einen Standort mitten in Bietenhausen, allerdings hatte der betroffene Grundstückseigentümer nicht zugestimmt.
Laut Telekom müsse die Sendetechnik für die bestmögliche Funktion nahe an der Bebauung platziert werden. Es gehe bei der Standortentscheidung auch um die Interaktion mit den benachbarten Funktürmen in Rangendingen, Wachendorf, Hirrlingen und (bald) in Hart. Die Standorte dürfen nicht zu nahe beieinander liegen. Mit dem aktuellen Standort können laut Telekom ganz Bietenhausen, Teile von Höfendorf aber auch Teile von Hirrlingen abgedeckt werden. Höfendorf soll künftig über die beiden Funkmasten in Hart und Bietenhausen versorgt werden. Durch die Wahl dieses Standorts in Bietenhausen könne auf einen ursprünglich geplanten, zusätzlichen Standort in Höfendorf verzichtet werden, so die Telekom laut Haug.