Nusplingen hat noch eine Betreuungslücke, die ab dem Schuljahr 2026/2027 geschlossen sein muss. Wie das Problem der Finanzierung gelöst wird.
In diesem Jahr tritt in Deutschland der gesetzliche Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung in Kraft. Ab dem Schuljahr 2026/2027 müssen die Gemeinden diese stufenweise einrichten, beginnend bei Klassenstufe 1. „Wir stehen in Nusplingen schon sehr gut da“, betonte Bürgermeister Jörg Alisch in der vergangenen Gemeinderatssitzung.
Ein Punkt auf der Tagesordnung war der Haushalt für 2026. Dieser stehe im Großen und Ganzen bereits fest, erklärte Kämmerer Thomas Kech. Die Gemeinderäte hatten sich in den vergangenen Wochen schon mit dem ein oder anderen Posten befasst, der dieses Jahr ansteht. Blieben noch die großen Punkte zu klären, darunter die Ganztagesbetreuung in Nusplingen.
Eine Lücke gibt es noch
Von Montag bis Freitagvormittag kann die Gemeinde die vorgeschriebene Betreuungszeit von acht Stunden bereits erfüllen – zu moderaten Preisen, wie der Bürgermeister betonte: „Wir haben unsere Betreuungskosten seit 13 Jahren nicht erhöht.“
Bleiben noch offene Betreuungslücken am Freitagnachmittag und in den Ferien. Dafür muss die Gemeinde nun nach einer Arbeitskraft suchen, die Zeit hat, an den Freitagnachmittagen die Betreuungszeit zu übernehmen. Das könne nicht irgendwer sein, die Person sollte pädagogische Fachkenntnisse haben, sagte Alisch. „Die betroffenen Kinder können ja nichts dafür. Sie sollen sich in der Betreuung wohl fühlen.“
Ferienbetreuung ist noch nicht berücksichtigt
Die Ferienbetreuung ist in diesen Überlegungen bislang noch gar nicht berücksichtigt. Ob nicht Kooperationen mit ortsansässigen Firmen möglich wären, kam der Vorschlag von Gemeinderat Philipp Storz – etwa ein Besuch in der Schreinerei? Die Betriebe könnten sich die Betreuungstage in der Ferienzeit untereinander aufteilen. „Dennoch braucht es eine Aufsichtsperson, die mitgeht“, gab Alisch zu bedenken.
Das alles kostet Geld. Und wenn sich eine Information deutlich durch die Sitzung zog, dann diese: Das Geld fehlt. Der Bürgermeister fand klare Worte zum neu in Kraft tretenden Rechtsanspruch: „Die staatlichen Leistungsversprechen sind an einem Punkt angekommen, die nicht mehr seriös sind“, sagte er. „Da wird vom Gesetzgeber ein Versprechen aus der Luft gegriffen und an die Gemeinden weitergegeben.“
Wäre die finanzielle Situation der Gemeinde seine private, würde er spätestens jetzt auf die Bremse treten. Weil das für Nusplingen in diesem Fall jedoch keine Option ist, muss ein Kompromiss her.
Elternabend im Februar
„Wir werden erstmal eine Bedarfsabfrage unter den Eltern machen“, erklärte Alisch das Vorgehen. Dafür sollen die betroffenen Eltern im Februar zu einem Elternabend in die Kallenbergschule eingeladen werden. „Wir gehen nicht davon aus, dass es eine große Nachfrage für die erweiterte Betreuung an den Freitagnachmittagen geben wird.“
Eltern, die dieses zusätzliche Angebot dennoch in Anspruch nehmen wollen, sollen die entstehenden Kosten künftig selbst tragen: „Wir sind nicht die Betreuungsbehörde. Wenn der Gesetzgeber das so will und nicht finanziert, geben wir das an die Eltern weiter“, sagte der Bürgermeister, räumte jedoch ein: „Wenn Not herrschen sollte, beispielsweise bei einer alleinerziehenden Mutter, kann man immer noch mal reden.“ Erstmal werde aber nicht davon ausgegangen, dass die erweiterte Betreuung benötigt wird.
Einstimmig beschlossen
Eine verzwickte Entscheidung, das war den Gemeinderäten deutlich anzusehen. „Wir müssen das auf jeden Fall gut kommunizieren“, betonte Sarah Reger. Die Eltern sollten nicht das Gefühl haben, die Gemeinde wälze die Kosten ohne Grund auf die Familien ab. Andere Gemeinden wollen das ebenfalls auf diese Weise handhaben, erklärte Alisch – das habe er bei einer Bürgermeisterbesprechung erfahren.
Blieb noch eine Frage zu klären: Ist das überhaupt erlaubt? „Ja“, lautete die Antwort des Bürgermeisters. „Rechtlich ist es zulässig, die Kosten eins zu eins weiterzugeben.“ Konkrete Zahlen konnten in der Gemeinderatssitzung noch keine genannt werden. Alisch sprach von einem groben Schätzwert zwischen 50 bis 70 Euro pro Tag.
Der Gemeinderat stimmte dem Vorschlag, die Kosten auf die Eltern umzulegen, einstimmig zu. Der nächste Schritt wird nun also sein, den Betreuungsbedarf der Eltern abzufragen und gegebenenfalls nach Personal zu suchen, um die Betreuungslücken zu schließen.