Die Gemeinde Nusplingen will sich Fördergelder sichern, um damit den Wald gegen den Klimawandel zu wappnen. Foto: Eyrich

Einstimmig hat der Nusplinger Gemeinderat beschlossen, sich ums Aufnahme ins Bundesförderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ zu bewerben. Laut Förster Franz Maier erfüllt die Gemeinde die Bedingungen – doch Eile ist geboten.

Die Zuschüsse des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aus dem Programm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ sollen Waldbesitzern dabei helfen, ihre Wälder klimaresistenter zu machen. Franz Maier und sein Kollege Klaus Richert vom Forstamt stellten die Förderung, die Ende vergangenen Jahres auf den Weg gebracht worden war, im Gemeinderat vor. Ihr Zweck seien Entwicklung, Erhalt und Bewirtschaftung von Wäldern, die an den Klimawandel angepasst seien, erklärte Maier. Nur diese könnten dauerhaft CO₂ binden und ihre Aufgaben als Ökosystem erfüllen, zum Beispiel den Schutz der Biodiversität.

 

Schon seit den 90er-Jahren verzichtet die Gemeinde auf Pflanzenschutzmittel

Die Förderung ist auf 20 Jahre ausgelegt; zwölf Kriterien gilt es einzuhalten. Bei den ersten elf hat Maier keine Bedenken, die könne Nusplingen zum größten Teil problemlos erfüllen – oder tue es bereits. „Was die Anreicherung und Erhöhung der Diversität an Totholz angeht, befinden wir uns auf der Zielgeraden“, stellte Maier fest. Die Forderung der Naturverjüngung sei bereits „voll erfüllt“, desgleichen die nach dem Verzicht auf Kahlschlag und auf Pflanzenschutzmittel – „den praktizieren wir schon seit den 90er-Jahren.“

Sorgen bereitet Maier allerdings das zwölfte Kriterium: Ist ein Wald über 100 Hektar groß, müssen fünf Prozent der Fläche für die Dauer von mindestens 20 Jahre stillgelegt werden. Das heißt: „Es darf nichts darin gemacht werden“, sagt Maier. Der Nusplinger Gemeindewaldist etwa 800 Hektar groß – rund 40 müssten demnach stillgelegt werden. Ausnahmen sind notwendige Maßnahme, zum Beispiel zur Verkehrssicherung – wobei das Holz dann aber liegenbleiben muss.

In den 20 Jahren Laufzeit könnte Nusplingen rund 756 000 Euro erhalten

Klaus Richert gab sich zuversichtlich: „Die fünf Prozent kriegen wir zusammen.“ Bis zu 70 Hektar könne man bei Bedarf stilllegen. „Da kommt es uns zugute, dass wir so viele Steilwälder und schwer zugängliche Flächen haben“, pflichtete Bürgermeister Jörg Alisch bei. Allerdings, räumte Maier ein, müsse man prüfen, ob für diese nicht bereits Fördermittel beantragt wurden. „Doppelt fördern geht nicht.“

Für die ersten 500 Hektar gibt es eine jährliche Förderung von 100 Euro pro Hektar; darüber hinaus 80 Euro pro Hektar pro Jahr. Nach Abzug der Ökokontoflächen – etwa 30 Hektar – bleiben laut Maier etwa 770 Hektar an zuwendungsfähiger Waldfläche.

Rund 71 600 Euro pro Jahr könnte Nusplingen an Fördermitteln für die ersten zehn Jahre erhalten; für die zweite Hälfte rund 4000 Euro pro Jahr für die stillgelegten Flächen. Über die Dauer von 20 Jahren hinweg könnten Nusplingen rund 756 000 Euro an Fördermitteln zuteil werden – vorausgesetzt, sie stehen zur Verfügung.

Ein Fördertopf für dieganze Republik: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Zwar stehen laut Franz Maier insgesamt 200 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung – diese aber bundesweit. „Wenn die Fördermittel zur Neige gehen, ist erst mal Schluss.“ Bürgermeister Alisch ist sich sicher: „Da wird sich jeder drauf stürzen wollen.“ Davon waren auch die Ratsmitglieder überzeugt und beschlossen einstimmig, den Antrag beizeiten zu stellen.

Dieser müsse laut Maier jedes Jahr in zwei Tranchen gestellt werden. Zuerst online unter https://www.klimaanpassung-wald.de/online-antrag – danach müssen per Einschreiben die geforderten Nachweise und das Zertifikat über den Nachweis des klimaangepassten Waldmanagements nachgereicht werden. „Unbürokratisch“, kommentierte ein Ratsmitglied ironisch. Die Zertifizierung koste etwa 2420 Euro pro Jahr