Der Errichtung einer Windkraftanlage in Niedereschach steht nichts mehr entgegen. Im Gemeinderat ist jedoch von Erpressung die Rede.
Bei einer Gegenstimme von Rüdiger Krachenfels stimmte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung dafür, dem Regionalverband das Areal auf dem Kappeler Berg vorzuschlagen. Standorte für Windkraftanlagen sind im Zuge der Regionalplanung festzusetzen.
Für die Gemeinde Niedereschach ist hierfür der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg verantwortlich. Sollte die Gesamtflächenausweisung bis Januar 2027 auf Landesebene nicht erfolgreich abgeschlossen sein, sei es nach aktueller Gesetzgebung grundsätzlich möglich, auch dort Windkraftanlagen zu planen, wo bisher keine zur Diskussion standen, erläuterte Hauptamtsleiter Jürgen Lauer.
Bürger-Energie interessiert
Die Bürger-Energie Niedereschach (BEN) sei nun an die Gemeinde herangetreten, da sie zunächst die Planung und im Erfolgsfall auch die Umsetzung einer Windkraftanlage eventuell mit zwei oder drei Windkrafträdern in Angriff nehmen möchte. Vorgesehener Standort sei das Gewann Kappeler Berg auf Gemarkung Kappel. Der Bereich wurde bereits früher als Standort für Windkraft geprüft. Dies sei besonders am Artenschutz, aber auch an der Windhöffigkeit gescheitert. Durch Gesetzesänderungen und technische Entwicklungen hätten sich neue Möglichkeiten ergeben, betonte Bürgermeister Martin Ragg.
Dies sorgte für etliche Verwunderung in der Ratsrunde. Während Walter Pankoke die Entwicklung nur befürworten konnte, wunderte sich Michael Asal über die Argumentation des Bürgermeisters: „Bedeutet dies, dass der Artenschutz jetzt ausgehebelt ist und plötzlich mehr Wind weht?“
„Für das kleinere Übel“
Windkraftanlagen würden inzwischen höher gebaut, was auch mehr Windhöffigkeit bedeute, und beim Artenschutz tue sich wirklich etwas, betonte Ragg, ohne jedoch konkret zu werden.
Rüdiger Krachenfels meinte, unter dem Aspekt, dass man im Ort das Heft des Handelns in der Hand behalten wolle, könne man sich der Sache eigentlich nicht verschließen, obwohl er ein absoluter Gegner dieses „Wahnsinns“ sei. Trotzdem werde er dagegen stimmen, weil er die Entwicklung prinzipiell für falsch halte.
Die geplante Ausweisung einer Windkraftanlage sei mehr oder weniger auf eine Erpressung der grünen Regierung zurückzuführen, meinte Michael Asal; diese Einschätzung war aus den Diskussionsbeiträgen der meisten Ratsmitglieder herauszuhören. So kam der Gemeinderatsbeschluss unter dem Credo zustande: „Wenn wir schon erpresst werden, dann entscheiden wir uns eben für das kleinere Übel und machen selbst etwas, ehe ein Externer dies tut.“
„Keine Bereicherung der Landschaft“
Armin Müller betonte, dass aus seiner Sicht Windkraftanlagen „keine Bereicherung für unsere Landschaft“ darstellen. Nichtsdestotrotz brauche man jedoch eine gewisse Unabhängigkeit. Louis Weißer verwies auf den Schallpegel von Windrädern und auf die negativen Auswirkungen auf die Tierwelt
„Verschandelung der Schwarzwaldhöhen“ ein Dorn im Auge
Markus Dietrich sagte, dass ihn als Physiker das Konzept noch nie überzeugt habe. Er befürchtet, dass die bewusst erzeugte Euphorie für die Windkraft für Niedereschach ein Flop werden könnte und riet der Bürger-Energie, sich „alles genau anzuschauen“.
Abhängigkeiten verringern
Siegfried Reich betonte, dass er gegen die Verschandelung der Schwarzwaldhöhen sei, schlucke aber „diese Kröte“, um beim Bau von Windkraftanlagen wenigstens einen „Fuß in der Türe“ zu haben.
Regina Rist plädierte dafür, das Thema anzugehen, um bestehende Abhängigkeiten vom Ausland zu verringern. Die BEN habe sich bereits intensiv damit auseinandergesetzt. Die Windkraft-Technologie sei nicht stehen geblieben. Peter Engesser verwies darauf, dass man nur mitmachen sollte, wenn es sich wirtschaftlich rechnet.