E-Book-Reader erfreuen sich bald auch in Neuweiler größerer Beliebtheit – die örtliche Bücherei bietet nämlich bald Online-Ausleihe an. Foto: Kalaene/dpa

Die Bücherei in Neuweiler war wegen der Corona-Pandemie eine ganze Weile geschlossen. Doch die Zeit hat man für umfangreiche Digitalisierungsarbeiten genutzt. Darüber gibt es aber hitzige Diskussionen in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Neuweiler - Die Bücherei in Neuweiler soll digitaler werden. Doch das kostet auch Geld: immerhin werden 90 Prozent der Kosten gefördert. Die Zuschusssumme beläuft sich auf 21 446 Euro, was einen ungefähren Eigenanteil für die Gemeinde in Höhe von knapp 2500 Euro entspricht. Außerdem, so verkündet es Neuweilers Bürgermeister Martin Buchwald, wird ein neuer digitaler Büchereiausweis eingeführt. Zehn Euro soll der für Erwachsene kosten, Kinder und Jugendliche müssen nur die Hälfte bezahlen. Damit ist dann auch die Online-Ausleihe möglich, da man die Corona-Zeit genutzt hat, um die Bücherei auf ein "modernes, computergestütztes Verleihsystem" umzustellen. Doch das hat seinen Preis. 3000 Euro im Jahr muss die Gemeinde für die Wartung und Betreuung der Software. "Da stellt es mir die Nackenhaare. Das ist für unsere kleine Bücherei zu teuer", echauffierte sich Gemeinderat Bernd Greule. Buchwald beschwichtigte und verwies auf die teuren Lizenzen für die sogenannten E-Books, also digital herunterladbare Bücher, die den Löwenanteil an diesem horrenden Preis ausmachen. Das stellte Greule nur in Teilen zufrieden: "Dafür können wir viele Bücher kaufen", befand er.

Prinzip Bücherei ist gefährdet

Auch seine Ratskollegin Doris Hammann war alles andere als begeistert von den Digitalisierungsplänen für die Bücherei. Die sei schließlich auch dafür da, dass zum Beispiel Kinder zum Schmökern hingingen und sich so in Ruhe Bücher aussuchen könnten. "Da verliert man doch das ganze Prinzip der Bücherei, wenn man nicht mehr zum Schmökern und Ausleihen da hin geht. Dann brauchen wir ja keine Bücherei mehr", klagte sie. "Das eine zu tun, heißt ja nicht, das andere zu lassen", hielt Buchwald ihr entgegen und versicherte, dass man natürlich neben der Online-Ausleihe auch noch vor Ort präsent bleibe. Außerdem gehe man ja schon davon aus, dass die neue digitale Möglichkeit auch genutzt und in Anspruch genommen werde. Des Weiteren sehe man ja im ersten Jahr, wie es laufe und könne im Zweifel reagieren, so Buchwald. "Das ist doch Augenwischerei", konterte Hammann entschlossen. Die Fördermittel seien abgegriffen und eingesetzt, da könne man doch nach einem Jahr nicht einfach sagen, das System schalte man ab. "Das kann man nichts zurückdrehen", war Hammann felsenfest überzeugt.

Erwachsene nutzen eher eBooks

Ratskollege Rainer Hanselmann wurde es dann irgendwann zu bunt. "In unserer Bücherei hat es doch nur was für Kleinkinder, da gehen doch keine Erwachsenen hin", wandte er sich direkt an Hammann und warb für die E-Ausleihe, die vor allem von Erwachsenen genutzt werde. "Da bekommt man viele aktuellere Bücher", zeigte er einen Vorteil auf. Gerade auch bei Flugreisen seien die digitalen Druckwerke hilfreich, führte Hanselmann weiter aus. "Oder nimmst du noch einen ganzen Stapel Bücher mit in den Urlaub?", fragte er Hammann. Sein Fazit: "E-Books gehören heute zu einer Bücherei dazu."

Rainer Dörich erkundigte sich anschließend noch nach den Öffnungszeiten der Bücherei. Die hat, so ist es auch in der neuen Büchereiverordnung zu finden, jeden Donnerstag von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Die Online-Ausleihe geht freilich zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die Bücher sind dann auf den E-Book-Readern zwei bis drei Wochen verfügbar. Das klappe im Übrigen hervorragend, berichtete Anton Lörcher von seinen Erfahrungen mit dem eigenen digitalen Gerät zu Hause. Am Ende beschloss der Gemeinderat die Digitalisierung der Bücherei sowie die neue Benutzungsordnung, die eben auch Gebühren für den Ausweis erhebt.