Einige neue Gesichter ziehen in Nagolds Gemeinderat ein. Doch bei allem Stühlerücken, der ganz große Umbruch bleibt aus. Freie Wähler und CDU bleiben die großen, bestimmenden Fraktionen. Fast schon erwartungsgemäß hoch fiel der Zuwachs bei der AfD aus.
26 Sitze galt es in Nagold zu vergeben. Da lag Spannung in der Luft – und das bis zum Schluss der Auszählung. Erst am frühen Abend gegen 17.40 Uhr stand das Ergebnis endlich fest: Deutlich später als vor fünf Jahren, als schon kurz nach 14.30 Uhr die Ratswahl ausgezählt war. Vielleicht lag’s an der Wahlbeteiligung, die mit 57,4 Prozent etwas höher lag als 2019 (53,7)
Diesmal mussten sich die Kandidaten also länger in Geduld üben – und mitfiebern, ob sie es nun ins Gremium geschafft haben, oder nicht. Klar war von vornherein, dass es einige Sitze neu zu besetzten gibt: Urgesteine wie Hans Stollsteimer, Wolfgang Schäfer, Helmut Raaf und Brigitte Loyal traten nicht mehr an.
Zwangsläufig also kommt frisches Blut ins Gremium. Neun neue Gemeinderäte wird OB Jürgen Großmann vereidigen können. Und neben den oben genannten aber auch weitere Räte verabschieden müssen. Denn nicht alle haben es geschafft, ihr Mandat zu verteidigen. Mindersbachs Ortsvorsteherin Heiderose Rück zum Beispiel. Und die SPD muss künftig auf Anna Ohnweiler und Wolfgang Schleehauf verzichten. Bei den Grünen scheiden Rose Hauenstein und Johannes Brenner aus.
Die Ergebnisse
AfD, CDU und FWV sind die Gewinner der Wahl. Dabei haben sich die Machtverhältnisse aber im Grunde weniger verändert als mancher im Vorfeld dachte: Die FWV holt 28,5 Prozent der Stimmen (Plus 1,1) und kann damit ihre sieben Sitze halten. Einen Sitz mehr hat die CDU erobert mit 25,3 Prozent der Stimmen (+1,8). Am drittstärksten schnitt die SPD ab – holte aber mit 16,1 Prozent (-1,5) nur noch vier statt der bisherigen fünf Sitze. Die AfD verdoppelte die Zahl der Sitze und stellt künftig mit 14,4 Prozent auch vier Räte. Sie legte mit 7,6 Prozent auch am meisten von allen zu. Die Grünen dagegen verloren massiv (-6,5 Prozent) und bringen es mit 8,9 Prozent nur noch auf zwei Ratssitze. Ebenfalls zwei Sitze hat weiterhin die FDP (5,9/-2,0 Prozent). Der Einzelkandidat von Jung.Progressiv.Korrektiv Florian Bitzer, zieht mit knapp einem Prozent nicht ins Gremium ein.
FWV
Bei den Freien Wählern kehrt mit Ulrich Hamann (3287 Stimmen) ein halb-neuer Kandidat wieder in den Gemeinderat zurück. Hamann hatte wegen eines Umzugs das Gremium verlassen müssen, lebt aber mittlerweile wieder in Nagold. Mit 4209 Stimmen schaffte es auch Markus Stollsteimer neu ins Gremium. Die FWV stellt zudem auch weiterhin den Stimmenkönig: Eberhard Haizmann holte 7632 Stimmen. Zudem sitzen künftig für die FWV im Gemeinderat: Siegrid Plaschke (4289), Ralf Benz (3561), Esther Betz-Börries (3303) und Matthias Flury (3059).
CDU
Gleich drei neue Stadträte ziehen für die CDU ein: der Chef der Urschelstiftung Thomas Eisseler (2825), Jens Müssigmann (2383) und – vielleicht die größte Wahlüberraschung – die Juristin Sandra Klumpp (2267). Mit dem Allgemeinmediziner Oliver Mayer (6272) hat die CDU auch den Kandidaten mit den zweitmeisten Stimmen in ihren Reihen. Weitere CDU-Räte sind: Monika Wehrstein (4596), Kurt Brei (3996) und Fraktionschef Carl Christian Hirsch (3746).
SPD
Auch bei der SPD zieht eine Frau neu ins Gremium ein: Daniela Steinrode (2846). Und da auch Fraktionschef Daniel Steinrode (5174) wieder im Rat sitzt, wird es also auch künftig ein Polit-Ehepaar im Rat geben. Marco Ackermann (2721) und Wolfgang Henne (1963) verteidigten ihre Sitze.
AfD
Die AfD hat nicht nur ihre Sitzezahl verdoppelt, mit vier Räten hat sie künftig auch Fraktionsstatus. Günther Schöttle als bekanntestes Gesicht der AfD fuhr mit 6057 Stimmen das drittbeste Ergebnis aller 26 Räte ein. Neu für die AfD rücken in den Gemeinderat: Michael Wolff (4503) und Frank Brückner (4430). Zudem ist Joachim Mehles (4507) weiterhin Stadtrat in Nagold.
Grüne
Gleich zwei Sitze verloren haben die Grünen. Annegreth Fezer-Brenner bleibt mit 1962 Stimmen im Gremium vertreten. An ihrer Seite sitzt mit Martin Stottele (1641) ein neuer Rat.
FDP
Am wenigsten Bewegung gibt es bei der FDP. Mit Märbel Reichert-Fehrenbach (3619) und Jürgen Gutekunst (2734) sind die bisherigen Vertreter auch die künftigen Stadträte.