Das Wunsch-Projekt für Jugendliche wackelt: Die Verwaltung empfiehlt dem Gemeinderat, das Konzept zu stoppen und Alternativen zu prüfen.
Es sollte ein Ort für die Jugend werden, initiiert auf Wunsch der Jugend: Nachdem der frühere Skatepark neben der Eichenbach-Halle beim Neubau des Haslacher Stadions hatte weichen müssen, verfolgte die Stadtverwaltung Haslach seit bald fünf Jahren den Plan, an der gleichen Stelle einen neuen zu errichten. Doch jetzt steht das Vorhaben auf der Kippe: Bei seiner Sitzung am Montag, 15. Dezember, wird der Gemeinderat über das weitere Vorgehen abstimmen.
Die Verwaltung empfiehlt, das bisher geplante Konzept nicht weiter zu verfolgen. Die Gründe: die angespannte Haushaltslage und, wie es in der Beschlussvorlage heißt, „Bedenken, dass sich der Park vermehrt zu einem Treffpunkt für unerwünschte Aktivitäten entwickelt“.
Konkret sei damit gemeint, dass „gerade in den letzten Jahren des Skatepark mehr konsumiert als geskatet wurde“, wie Bürgermeister Armin Hansmann auf Anfrage unserer Redaktion erklärt. Außerdem hätten sich auf dem vorgesehenen Areal einige planerische Schwierigkeiten ergeben, wie der Beschlussvorlage zu entnehmen ist. Diese umfassen zum Beispiel, dass laut Planern das bisher angedachte Konzept nicht dem aktuellen Stand der Technik entspreche. Auch die Entwässerung werde wahrscheinlich komplexer als anfangs angenommen. Auf dem Platz befinden sich außerdem eine Revisionsöffnung des Verbandskanal sowie eine Grundwassermessstelle, die nicht überbaut werden dürfen.
„Über allem steht aber das finanzielle Engagement“, betont Hansmann. Knapp 300 000 Euro würde das Projekt kosten, eine Leaderförderung würde den Eigenanteil der Stadt auf 142 000 Euro reduzieren. „Und das ist nur das Bauen, nicht der Unterhalt“, erklärt der Bürgermeister. In Anbetracht der angespannten Haushaltslage fast aller Kommunen des Kinzigtals, inklusive Haslach, sowie der mittlerweile überschaubaren Skater-Community fände er es „wesentlich sinnvoller, eine Anlage zu schaffen in Form eines Fun-Parks mit Skate-Anlage, Fußball und Basketball.“ Die Kosten dafür wären vergleichbar, würden aber einen größeren Nutzerkreis ansprechen.
„Fun-Park“ mit einem größeren Nutzerkreis
Alles in allem ginge es nicht nur darum, das vormals angedachte Konzept zu überdenken, sondern auch dessen Wirkungsort. Wegen der genannten planerischen Schwierigkeiten, die der Standort neben der Eichenbachhalle ergibt, sei dieser unvorteilhaft. Die Verwaltung schlägt dem Rat aus diesem Grund desweiteren vor, auch einen alternativen Ort für das Vorhaben zu finden.
Hansmann betont, dass er dem Projekt keine grundsätzliche Absage erteilen will. „Die, die sagen, dass es in Haslach zu wenig Angebote für Jugendliche gibt, haben vollkommen Recht. Ich stehe hinter meiner Aussage im Wahlkampf, dass mehr für sie getan werden muss“, betont er. Der Skatepark in seiner ursprünglich angedachten Form sei vor einer komplett anderen Haushaltslage beschlossen worden und müsse unter anderem deswegen kritisch hinterfragt werden.
Ganz anders sieht das die Partei Liste Haslach Lebenswert (LHL) um Gemeinderat Yannick Hinzmann. Diese schreibt in einer Pressemitteilung, dass sie es für falsch halte, den Rotstift beim Skatepark anzusetzen – nicht nur, weil sie den Park „für unsere junge Generation in Haslach als notwendig“ ansehen. „Wir sagen auch, dass wir uns als politische Vertretung mehr als unglaubwürdig gegenüber all jenen machen, die an einer von der Stadt demokratisch einberufenen Abstimmung teilgenommen haben“.
Für die Finanzierung des Skateparks will die LHL die Einführung einer Bettensteuer von zwei Euro umsetzen. Die Einnahmen seien nicht zweckgebunden und könnten dementsprechend für das Projekt genutzt werden – ein Vorschlag, den Hansmann sehr kritisch sieht. „Wir sind froh, dass wir mittlerweile mehr Übernachtungsgäste haben und eine Bettensteuer könnte sich dämpfend auf den gerade steigenden Markt auswirken“, meint er. Zwar seien zwei Euro nicht viel, aber er fürchtet sowohl die Signalwirkung als auch die Auswirkungen auf kleine, private Anbieter im Tourismus, deren magerer Gewinnfluss weiter gestört werden könnte – zumal es in den Nachbargemeinden dann Anbieter gebe, die keine Bettenpauschale verlangen. „Würde sie raumschaftsmäßig eingeführt, könnte man darüber reden“, findet er.
Bürgermeister sieht Bettenpauschale kritisch
Den Vorschlag der LHL, ein Stück Fläche neben den Tennisplätzen als Alternativareal zu nutzen, will Hansmann prüfen lassen, wenn der Gemeinderat über das weitere Vorgehen abgestimmt und sich für die Suche nach einer Alternative ausgesprochen hat. „Ich weiß, dass ein paar kleinere Stücke dort in städtischem Besitz sind. Wir würden dann eruieren, um welche genau es sich handelt.“ Für den Skatepark wurde inzwischen eine Petition gestartet. Sie hat mittlerweile 40 Unterstützer.
Beginn des Vorhabens
Das Vorhaben gründete sich auf einer Umfrage, bei der im Juli 2021 alle Jugendlichen online und vor Ort ihre Ideen mitteilen konnten, was mit dem Areal des ehemaligen Skateparks geschehen sollte. Das Ergebnis: Die Teenager wünschten sich eine neue Anlage. Bei einem Treffen im November 2022 besprach der damalige Bürgermeister Philipp Saar mit Skatern ein mögliches Konzept. Die Pläne nahmen Form an: Im Mai 2024 lud die Verwaltung zu einem Austausch ein, bei dem sie vorgestellt wurden. Zu diesem Zeitpunkt wurde auf Grundlage der vorliegenden Entwurfsplanungen noch mit Kosten in Höhe von circa 115 000 Euro, gerechnet. Der Haushaltsansatz 2024 lag bei 100 000 Euro. Die Verwaltung wurde mit den Vorbereitungen der Vergabe der erforderlichen Leistungen beauftragt.