Um die nächtlichen Glockenschläge von St. Johannes in Dörlinbach tobt seit längerem ein Streit. Zwischenzeitlich wurde der Kirchturm isoliert, die Glocken schlagen jetzt im erlaubten Lärmbereich. Nun muss der Gemeinderat entscheiden. Foto: Baublies

Gemeinderat: Bürgermeister schlägt Kirchen-Nachbarn und Dörlinbachern Lösung vor

Dörlinbach/Lahr - Die Kirchenglocken der Johannes-Kirche in Dörlinbach sorgen im Dorf für erheblich Unruhe. Der Zank um den nächtlichen Glockenschlag bewegt Bürger, Nachbarn, Kirche und den Bürgermeister. Nun ist ein Kompromiss im Glockenstreit in Sicht.

Kaum ein Dorf in der Region kann auf eine nachweislich ältere Kirchengeschichte zurückblicken als Dörlinbach im Schuttertal. 1132, also vor fast 900 Jahren, wurde eine Kapelle in Dörlinbach geweiht, die 1922 abgerissen und mit der heutigen St. Johannes-Kirche ersetzt wurde. Seit 62 Jahren ragt der Kirchturm mit seinem Geläut hoch über den Ort – und schlägt den Dörlinbachern die Stunde. Und die Viertelstunde, die halbe Stunde und die Dreiviertelstunde.

Zu laut! So protestierten Ende 2019 Anwohner von St. Johannes beim damaligen Bürgermeister Carsten Gabbert. Sie forderten, die Kirchenglocken von 22 bis 7 Uhr zu stoppen, um endlich wieder schlafen zu können.

Streit um die Glocken tobte

Kirche und Gemeinde suchten das Gespräch mit den genervten Nachbarn. Dabei kam heraus, dass die Glocken tatsächlich nach geltenden Lärmrichtlinien für die direkten Anlieger zu laut seien, hätten Messungen ergeben. Kirche und Gemeinde mussten handeln. Anfang 2020 wurden die Glockenschläge zwischen 22 und 6.59 Uhr gestoppt. Außerdem gab die Kirche die Reparatur der Glocken und "Schallschluck-Bretter" sowie weitere Messungen in Auftrag.

Die Glocke blieb nachts stumm. Doch der Protest dagegen im Dorf war schnell fast genau so laut. 175 Bürger forderten bei Bürgermeister Gabbert, die Glockenschläge nachts sofort wieder einzuführen, "aufgrund der Tradition und des Kulturgutes, als auch in Funktion als Zeitgeber".

Der Streit um die Glocken tobte, die Handwerker werkelten im Dachstuhl, dämmten das Innere und siehe da: neue Messungen ergaben anschließend, dass sowohl der lange 12-Uhr-Glockenschlag als auch das kirchliche "Vollgeläut", das zum Kirchgang ruft, die Grenzwerte tagsüber einhielten. Nur nachts eben nicht. Also wurden erneut Experten einbestellt und der Glockenschlag lärmtechnisch gesenkt. Zwischenzeitlich würden nun auch die Nacht-Werte für Lärm problemlos eingehalten.

Kompromiss: Glocke schlägt nur zur vollen Stunde

Doch nun einfach alle Zeit-Schläge rund um die Uhr wieder zulassen? Alle 15 Minuten, einen, zwei, drei oder mehr Glockenschläge? Bürgermeister Matthias Littest zögert. "Wir schlagen jetzt einen salomonischen Kompromiss vor, mit dem alle Seiten doch leben können sollten", sagt er. Seine Idee: Ab 22 und bis 5.59 Uhr schlägt die Glocke nur alle volle Stunde die jeweilige Stundenzahl. Ohne alle Viertel-, Halb- und Dreiviertelstundenschläge.

Kommenden Dienstag liegt es nun am Gemeinderat, diesem Kompromiss zuzustimmen. Wie das Gremium entscheidet? Litterst schwant, dass die Emotionen im Dorf noch immer nicht ganz beruhigt sind, hofft aber "auf Einsicht auf beiden Seiten".

Der Stundenschlag der Kirchturmglocke liegt in Händen der Gemeindeverwaltung. Deshalb entscheidet der Gemeinderat. Dekan Johannes Mette von der Seelsorgeeinheit hält sich deshalb zurück. Er findet allerdings, dass man in dieser Diskussion einen Kompromiss finden müsse, "damit keiner komplett verliert". Ähnlichen Ärger wegen Kirchenglocken gebe es im Raum Lahr nicht, erklärt er.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: