Nordwestlich von Neudingen soll eigentlich eine PV-Anlage entstehen. Doch der Gemeinderat hat nun anders entschieden. Foto: Denise Kley

Nach zweijähriger Planung stimmt das Donaueschinger Gremium überraschend gegen eine großflächige Photovoltaik-Anlage. Was steckt dahinter?

Die Firma Enerparc AG aus Hamburg plant, auf einer Fläche von rund 13 Hektar einen Solarpark zu errichten. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 11. November über die Einleitung des Verfahrens sowie die Billigung des aktuellen Planungsstands und der Bauvorschriften entschieden.

 

Für die Planung ist die Firma Gfrörer Ingenieure mit Projektentwickler Andreas Gorgol zuständig, der gemeinsam mit Jann Uphoff von der SolarWind Projekt GmbH dem Gremium den Planungsstand vorstellte. Die Photovoltaikanlage soll voraussichtlich 13 Megawatt-Peak (MWp) erreichen und etwa 15 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Damit könnten rechnerisch jährlich rund 4100 Privathaushalte mit Strom versorgt werden.

Neudingens Ortsvorsteher Jochen Preis erläutert folgend, wie der Beschluss im Ortschaftsrat zustande kam: „Dem Projekt wurde 2022 mit einer Mehrheit zugestimmt. In der Zwischenzeit wurde die Fläche von den Projektentwicklern verdoppelt – dies wurde vom Ortschaftsrat aber abgelehnt. Es sollte bei den 13 Hektar bleiben.“

„Zuerst sollten Dächer mit PV ausgestattet werden“, sagt Jens Reinbolz von der SPD. Foto: Roland Sigwart

Bei den Gemeinderäten löste das Projekt Stirnrunzeln aus. Uwe Münzer (FDP/FW) ist selbst Landwirt und aus Neudingen. „Was mich ärgert: Wir bauen einen Solarpark neben dem anderen und winken alles durch. Was wir nicht vergessen dürfen: Zusätzlich müssen 5,9 Hektar Ausgleichsfläche abgetreten werden, die als landwirtschaftliche Nutzfläche verloren gehen.“

„Macht keinen Sinn“

Marcus Greiner, CDU-Fraktionssprecher, war wenig begeistert darüber, dass das Gremium erst im November 2025, also drei Jahre nach Projektstart, über das Vorhaben informiert wurde. Da landwirtschaftliche Fläche verloren gehe, mache das Projekt für die CDU keinen Sinn. „Es wäre weitaus sinniger, die Fläche der bald stillgelegten und direkt daneben liegenden Erdaushubdeponie zu verwenden.“

„Das Grün wird zunehmend eingegrenzt“

Michael Blaurock, Fraktionssprecher der Grünen, äußerte: „Ich, als Grüner, kann mich mit diesem Projekt nicht anfreunden. Die Landschaft rund um Donaueschingen wird industrialisiert. Das Grün wird zunehmend eingegrenzt von PV-Anlagen.“ Der Eindruck der Landschaft werde nachhaltig verändert, zumal dadurch lebensmittelproduzierende Flächen verloren gehen würden, so Blaurock. Seine Fraktion werde nicht geschlossen abstimmen.

Marcus Milbradt (GUB) hat ähnliche Bedenken: „Wir opfern zu viele Flächen für großflächige PV-Anlagen.“ Er fordert von der Stadtverwaltung, dass ein Gesamtplan aller PV-Anlagen auf dem Stadtgebiet erstellt werde und dass grundsätzlich diskutiert werden solle, wie viele Flächen man künftig für Solarparks abtreten wolle. Auch Jens Reinbolz, Fraktionssprecher der SPD, äußerte Kritik: „Zuerst sollten Dächer mit PV ausgestattet werden, bevor landwirtschaftliche Flächen dafür genutzt werden.“ Hier seien es jedoch überwiegend Grünlandflächen, die derzeit nicht landwirtschaftlich genutzt werden. „In diesem Fall könnten wir uns dazu durchringen, dem zuzustimmen.“ Jedoch spricht sich auch Reinbolz im Namen seiner Fraktion für eine Obergrenze von Solarparks aus.

Bei vier Enthaltungen, acht Ja- und 20 Gegenstimmen wurde die Fortführung der Solarpark-Pläne abgelehnt.

Ausgleichsflächen

Ökologische Kompensation
Ausgleichsflächen sind Flächen, die dazu dienen, die negativen Auswirkungen von Bauprojekten auf Natur und Landschaft auszugleichen. Sie werden durch die Schaffung neuer oder die ökologische Aufwertung bestehender Lebensräume kompensiert, um die Umwelt zu schützen und das durch Eingriffe entstandene Defizit zu minimieren. Die gesetzliche Grundlage hierfür bietet das Bundesnaturschutzgesetz.