Mehrheitlich lehnte der Gemeinderat den Antrag der GLU zum Erlass einer Katzenschutzverordnung ab. „Mildere Maßnahmen“ sollen Vorrang haben.
Jene, die in der Frageviertelstunde um eine Katzenschutzverordnung gebeten haben, stimmte die ablehnende Haltung des Gemeinderats unzufrieden. Eine Frau hat bei der Sitzung von einem Katzenproblem in Oberweier gesprochen. Nicht kastrierte Kater markierten und verunreinigten Kinderwagen. Unterschriften wurden gar in der Nachbarschaft gesammelt. Martin Buttenmüller (BfS) erkennt in Schuttern mit dem Abriss der alten Weberei ein vermehrtes Aufkommen von Katzen in der Klosterstraße und der Straße „Im Oberdorf“. Aber nicht nur dort gebe es ein Katzenproblem. Martin Spirgatis, Vorsitzender des Tierschutzvereins Lahr, sprach von einem Katzenproblem in der Bahnhofstraße in Friesenheim. Nicht kastrierte und sterilisierte Katzen stellten ein Riesenproblem dar. Aktuell befänden sich zwei Katzen aus der Bahnhofstraße im Tierheim – beide sind trächtig. Von einem Katzenproblem wie es in der Frageviertelstunde aus Oberweier oder Schuttern berichtet wurde, hatte das Ordnungsamt am Montag zum ersten Mal gehört.
Gewünscht hätte sich Spirgatis sehr wohl eine Katzenschutzverordnung. Mit dem Vorrang milderer Maßnahmen, sei dennoch ein erster Schritt getan, räumte Spirgatis nach der öffentlichen Sitzung im Gespräch mit den Gästen draußen vor der Tür ein.
Das Erbgut der Wildkatzen in Gefahr
Dem Beschlussvorschlag der GLU wollte der Gemeinderat nicht folgen. Dieser hätte Halter von Katzen mit Zugang zum Freien zu einer Kennzeichnung und Registrierung der Katze durch Tattoo oder Mikrochip verpflichtet. Nicht kastrierte Katzen ließen sich dem Halter zuordnen. Außerdem ermöglichte eine Verordnung die Kastration von Fundtieren, die nicht zugeordnet werden können, binnen 48 Stunden durch den Tierschutzverein. Grundsätzlich gehe es darum, das Leid von freilebenden Katzen einzudämmen. Hingewiesen wurde auch auf eine Hybridisierung von Wildkatzen durch domestizierte Katzen. Eine Wildkatze lasse sich nicht an das Haus binden, was sie langfristig über die Vermehrung durch Hauskatzen zur Gefahr für die Tierwelt mache, erläutert Spirgatis. Das Wildtier setze sich durch. Mit der Verordnung hätte die GLU auch die Einsparung von Ressourcen und Kosten beim Tierheim verbunden.
Infokampagnen geplant
Mildere Maßnahmen, wie sie Sabrina Bühler vom Ordnungsamt vorgestellt hat, sehen Informations- und Sensibilisierungskampagnen über Aufklärung von Katzenhaltern hinsichtlich einer Kastration und Kennzeichnung des Tieres vor. Verstärkt sollte öffentlich auf die eigenverantwortliche Kastration hingewiesen werden. Überlegen ließe sich die Zahlung eines Zuschusses pro Kastration in Höhe von 40 Euro für Katzen und 20 Euro für Kater. Auch die milderen Maßnahmen führten innerhalb der Gemeinde zu finanziellen und personellen Belastungen. Bürgermeister Erik Weide erklärte: „Es gibt schon genug Dinge, die wir als Gemeinde tun sollten, wir aber keine Leute und kein Potenzial dafür haben.“ Im Grunde habe die EU am 27. April 2026 die Entscheidung über eine Registrierungspflicht von Katzen der Gemeinde abgenommen, erklärte Spirgatis. Laut EU müssten demnach alle Hunde und Katzen künftig registriert werden. Über eine Verwaltungsvorschrift über Tierschutzmaßnahmen könnten sich unter anderem Kommunen Gelder sichern, um präventive Maßnahmen zu finanzieren. Die Stadt Lahr habe sich auch vor der Einführung einer Katzenschutzverordnung die milderen Maßnahmen als ersten Schritt eingeleitet,so Spirgatis.
Gleich drei Abstimmungen
Drei Abstimmungen haben dem Gemeinderat zur Auswahl gestanden. So hat er abgestimmt: Abgelehnt wurde der Antrag zum Erlass einer Katzenschutzverordnung bei neun Gegenstimmen, sechs Ja und fünf Enthaltungen. In der zweiten Wahl hat sich der Gemeinderat bei 15 Ja-Stimmen und fünf Enthaltungen für das rechtlich gesicherte Verfahren der Einführung von milderen Maßnahmen gestellt. Diese sollen jetzt geprüft und anschließend dem Gemeinderat mitgeteilt werden. Dass nichts getan werden soll und alles so bleibt wie bisher, stand nicht mehr zur Debatte.
Erfolg durch Kastration
Wie erfolgreich Kastrationen zu einer Eindämmung von Katzen führen könnten, bestätigte Martin Spirgatis, Vorsitzender des Tierschutzvereins Lahr, am Beispiel des Baggersees von Schuttern. Vor zehn Jahren waren es dort noch 45, heute ist von 17 Katzen die Rede. „Aber einer müsse auch die Katzen einsammeln und sich kümmern. Eine Katze lässt sich nicht auf dem Amt abgeben“, warf Andreas Bix (FW) ein. Über den Fundtiervertrag lassen sich alle Fundtiere einer Gemeinde beim Tierheim abgeben, so Spirgatis.