Dass im Gemeinderat Tränen fließen, gibt es – glücklicherweise – selten. Beim Abschied von Gabriele Schneider allerdings wurde es emotional.
Nach sechs Jahren am Ratstisch hatte Gabriele Schneider ihr Ausscheiden beantragt. Familiäre Gründe zwingen sie dazu, in ihrem kommunalpolitischen Engagement kürzerzutreten.
Dass man sie gerne noch länger im Gremium gesehen hätte, das machte Oberbürgermeister Christian Ruf deutlich. Aber: „ Politik ist wichtig. Aber das Leben ist größer. Und manchmal führt es uns auf Wege, die andere Prioritäten verlangen“, so der OB.
Gabriele Schneider sei 2019 ins Gremium gewählt worden – „mit einem klaren Wertekompass und mit dem erklärten Willen, Verantwortung zu übernehmen“. Genau dies habe sie eindrucksvoll getan. Denn wer sich auf Kommunalpolitik einlasse, der entscheide sich nicht unbedingt für die große Bühne, aber für das Bohren dicker Bretter – und unter anderem für Haushaltspläne mit dreistelliger Seitenzahl.
Die Stadt mitgeprägt
Die Grünen-Stadträtin habe die Stadt mit großem Einsatz ein Stück weit mitgeprägt. „Das war kein Mandat, das Sie einfach verwaltet haben. Sie haben es gelebt“, so Ruf. Gabriele Schneider habe bei allen Überzeugungen immer eine Offenheit für Argumente gezeigt. Bei ihren Themen wie Umwelt- und Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit oder nachhaltige Stadtentwicklung sei sie fordernd, „aber niemals dogmatisch, sondern immer pragmatisch“ gewesen.
Dank für Arbeit und Geduld
Und mit Ruhe, Souveränität und Einfühlungsvermögen habe sie auch noch Verantwortung als vierte ehrenamtliche Stellvertretende des OB übernommen. Ruf dankte ihr für ihre Arbeit, ihre Geduld und wünschte ihr nun mehr Zeit für das, was im Moment zählt.
Auch Grünen-Sprecherin Ingeborg Gekle-Maier würdigte in innigen Worten und mit einem Geschenk Gabriele Schneiders großen Einsatz, ihre Persönlichkeit, ihr Durchhaltevermögen in 2250 Tagen im Gemeinderat sowie ihren Idealismus. Sie sei geschockt über das Ausscheiden ihrer Mitstreiterin gewesen, so Gekle-Maier. Aber die Entscheidung sei nachvollziehbar.
Verbundenheit bei der FDP
Mit den Tränen kämpfte dann auch Elke Reichenbach von der Fraktion SPD+FFR. Man sei zwar nicht immer, aber oft einer Meinung gewesen. Und Gabriele Schneider habe es mit Ruhe geschafft, „auch Verzwicktes auseinander zu klamüsern“. Dass man sich ihr „sehr verbunden fühle“ betonte auch Harald Sailer von der FDP. Und das, „obwohl wir wohl politisch nicht weiter auseinander sein könnten.“
Wie sehr Gabriele Schneider selbst der Abschied schwer fällt, war ihr deutlich anzumerken. Und sie sprach – mit ausdrücklichem Einverständnis ihres Mannes – offen darüber, dass er sie wegen seiner fortschreitenden Erkrankung jetzt brauche. Gerne hätte sie die Zukunft der Stadt weiter mitgestaltet, betonte sie. Und sie gab ihren Ratskollegen mit auf den Weg, dass sie sich in den vergangenen Jahren häufiger ein „wir gemeinsam für Rottweil“ statt parteipolitische Debatten gewünscht hätte.
Damit gab sie den Staffelstab weiter an Nachrücker Jörg Hügel, der auch gleich noch ihre grüne Laptoptasche erbte. Nach Hügels Verpflichtung durch OB Ruf nahm er am Ratstisch Platz, und Gabriele Schneider konnte an diesem Mittwochabend zum ersten Mal sehr früh nach Hause eilen.