Im Ortsteil Kappel wurde erst vor wenigen Wochen die erste barrierefreie Busbucht fertiggestellt. Aktuell laufen dort noch letzte Beschilderungsmaßnahmen, aber im Grunde ist alles fertig berichtete Ortsbaumeister Hartmut Stern im Gemeinderat. Foto: Albert Bantle

Mit einer Überraschung wartete Bürgermeister Martin Ragg in der Sitzung des Gemeinderates bei den Haushaltsberatungen auf. Er ließ den Behindertenbeauftragten Walter Kubas berichten, warum Busbuchten umgebaut werden sollen.

Gemeinderat Markus Dietrich brachte im Verlauf der Spardiskussion den mit 185 000 Euro veranschlagten Bau einer Busbucht in der Rottweiler Straße ins Gespräch.

 

Diese Maßnahme sei mit Blick auf diskutierte Kleinmaßnahmen, wie eine neue Möblierung für die Grundschule in Kappel oder die zu verbessernden Elektroanlagen beim Streichelzoopavillon, „völlig aus der Zeit gefallen“.

Er regte an, diese Maßnahme zu streichen. Dann reagierte der Bürgermeister umgehend: „Sie haben diese Maßnahme schon mehrfach in Frage gestellt. Wir haben hier in Niedereschach ja einen Behindertenbeauftragten und den bitte ich nun einmal nach vorne, damit er erklären kann, worum es bei der Maßnahme geht“, so Ragg und bat den unter den Zuhörern der Sitzung weilenden Niedereschacher Behindertenbeauftragten Walter Kubas nach vorne.

Es geht um Barrierefreiheit

„Es geht bei den Busbuchten um Barrierefreiheit. Ich rede hier für eine Minderheit, für Menschen mit Handicap“, so Kubas. Er verwies darauf, dass barrierefreie Bushaltestellen das Leben von Menschen mit Handicap erleichtern.

Andere Gemeinden seien da schon weiter als Niedereschach. Zudem erhalte die Gemeinde aktuell auch noch stattliche Zuschüsse für den Bau der Busbuchten.

Für die Rottweiler Straße liege der Gemeinde sogar bereits der Bewilligungsbescheid vor. Wie lange es die Zuschüsse noch gebe, wisse niemand, und irgendwann werde der Bau von barrierefreien Busbuchten zur Pflicht, und die Gemeinde müsste dann ohne Zuschüsse bauen.

„Wie kommen die Leute heute in den Bus?“, wollte Dietrich von Kubas wissen. „Teilweise fahren die gar nicht“, wusste Kubas aus Erfahrung zu berichten.

Moderne Busse absenkbar

Von Busunternehmer Dieter Petrolli habe er erfahren, dass moderne Busse absenkbar seien, was den Einstieg erleichtere, entgegnete Dietrich.

„Ich finde es trotzdem notwendig, dass man die Maßnahme umsetzt“, brach Kubas eine Lanze für Menschen mit Handicap. Und nachdem auch der Bürgermeister und Rechnungsamtsleiterin Melanie Cziep mit Blick auf den bereits vorliegenden Zuschussbescheid dafür warben, die Maßnahme umzusetzen und im Haushalt zu belassen, war man sich am Ende einig, die Maßnahme nicht zu streichen.