Balingen und Albstadt hat Hechingen weit abgehängt, fast wäre noch Tübingen überholt worden. Durch die unechte Teilortswahl schwillt der Hechinger Gemeinderat auf 37 Sitze an. Dabei sind nur 26 vorgesehen.
Zum Vergleich: Der Balinger Gemeinderat zählt 32 Mitglieder, Albstadt mit seinen mehr als doppelt so vielen Einwohnern als Hechingen hat ebenfalls 32. Tübingen hat 39 Gemeinderäte, dafür aber auch fast 93 000 Einwohner. Und grundsätzlich sind in Hechingen laut Satzung nur mindestens 26 Räte zu wählen. Allerdings gilt in der Zollernstadt die sogenannte Unechte Teilortswahl.
Sie garantiert, dass alle Teilorte Vertreter im Gemeinderat haben. Gleichzeitig muss sich aber auch das Stimmverhältnis der Wahllisten in der Gesamtstadt im Gemeinderat abbilden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:
Wieso bläht die Unechte Teilortswahl den Gemeinderat auf?
Dass dies zum Problem werden könnte, liegt an der Stärke der CDU in den Stadtteilen. In sechs davon haben CDU-Kandidaten die meisten Stimmen geholt. Und damit sind sieben CDU-Räte (Stetten hat zwei Direktmandate) fix im Gemeinderat.
Es sind dies in Bechtoldsweiler Bernd Zimmermann, in Schlatt Jürgen Schuler, in Sickingen Andreas Bogenschütz, in Stein Christian Oesterle, in Stetten Stefan Hipp und Adrien Nangoum-Fosso und in Weilheim Ingried Riester. Dazu kommen drei CDU-Kandidaten aus der Kernstadt: Lorenz Welte, Michael Hegele und Michael Mößner.
Wieso gibt es Ausgleichsmandate?
Insgesamt haben CDU-Kandidaten in der Stadt 26 Prozent der Stimmen geholt, das würde ungefähr sechs von 26 Sitzen entsprechen. Nun aber sind zehn CDU-Kandidaten gewählt.
Damit das Verhältnis zu den anderen Listen wieder stimmt, werden bei diesen so viele Kandidaten, die nicht zu den 26 mit den besten Ergebnissen zählen, dazugeholt, so dass das Verhältnis zwischen den Listen wieder stimmt. Dafür mussten diesmal elf Ausgleichsmandate vergeben werden.
Ist das Ergebnis gerecht?
Da kommt es auf die Prioritäten an. Wem wichtig ist, dass jeder Stadtteil im Gemeinderat vertreten ist, wird das bejahen. Wer meint, dass jede Hechinger Stimme gleich viel zählen soll, wird das anders sehen.
Ein Beispiel: Jürgen Schuler aus Schlatt hat 1029 Stimmen geholt. Das ist einerseits das beste Ergebnis unter Schlattemer Kandidaten und bedeutet damit ein Gemeinderatsmandat. Gäbe es aber keine Unechte Teilortswahl, hätte dieses Ergebnis nicht gereicht. Jad Anter von der Bunten Liste erhielt 1532 Stimmen und ist dennoch nicht gewählt, weil er in der Kernstadt wohnt. Der Wohnort des Kandidaten kann also darüber bestimmen, wie viel eine Stimme für ihn zählt.
Haben die vielen Räte überhaupt Platz im Ratssaal?
Schon 33 Gemeinderäte saßen eng aufeinander im historischen Ratssaal. Jetzt kommen nochmal vier dazu. Was tun? Thomas Jauch, Pressesprecher der Stadt, meinte auf Nachfrage unserer Redaktion kurz und knapp: „Das wird sich zu gegebener Zeit finden.“
Die gleiche Antwort gab es auf die Frage, wo die auf sechs Räte angewachsene AfD Platz nehmen darf. Bislang war sie hinten an einem Ende der Hufeisen-Tischformation platziert. Als drittstärkste Fraktion wird sie nun nach vorne rücken dürfen.