Noch mehr Grün als ursprünglich geplant sieht die neue Gestaltung des St. Georgener Marktplatzes vor, welcher der Gemeinderat in jüngster Sitzung zustimmte. (Visualisierung) Foto: faktorgruen | Landschaftsarchitekten bdla Beratende Ingenieure Partnerschaftsgesellschaft mbB

Die Monate des Aufschubs sind vorbei: Mit der Beauftragung der europaweiten Ausschreibung durch den St. Georgener Gemeinderat ist die Innenstadtsanierung einen Schritt näher gerückt. So lauten die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

St. Georgen - Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – unter dieses Motto könnte man aktuell wohl die geplante Innenstadtsanierung in St. Georgen stellen. Nachdem Verwaltung und Gemeinderat im Frühjahr auf die Bremse gedrückt und die europaweite Ausschreibung verschoben hatten, treten die Beteiligten jetzt aufs Gaspedal. Die Unterlagen sind bereit für die Ausschreibung. Und für die gab der Gemeinderat am Mittwochabend in seiner jüngsten Sitzung mit einem einstimmigen Votum den Startschuss.

Wieso wurde die Maßnahme eigentlich verschoben?

Bevor der Blick in die Zukunft folgen könnte – darauf, wie der Marktplatz in wenigen Jahren aussehen soll und auf den Weg dorthin – nahmen Bürgermeister Michael Rieger und Bauamtsleiter Alexander Töndle die Räte zunächst mit auf eine gedankliche Zeitreise in die Vergangenheit. Genauer gesagt in den Mai, denn in seiner damaligen Sitzung hatte das Gremium auf Anraten der Verwaltung sein Einverständnis zur Verschiebung der Ausschreibung in den Herbst gegeben.

Damals sei man in einer Situation gewesen, erläuterte Tröndle, in der die Stoffpreisgleitklausel das Projekt unvorbereitet getroffen hatte, "die Preise jeden Tag gestiegen sind und man nicht wusste, wie es weitergeht" und man in Bezug auf den Start der Maßnahme "direkt den Winter vor der Nase hatte".

Und jetzt? Hat sich an der Situation mittlerweile etwas geändert?

"Wir hatten gehofft, dass die Preise vielleicht wieder runtergehen", meinte Michael Rieger. Das sei bislang aber nicht passiert. "Das Baugewerbe hat sich sicherlich nicht abgekühlt", pflichtete ihm Tröndle bei. "Aber wir sind jetzt zumindest in einer Stagnation", in der man auf Ausschreibungen hin wieder mit Angeboten rechnen könne – auch wenn das Preisniveau nach wie vor hoch sei.

Zusätzlich gebe es mittlerweile schon Unternehmen, die für das kommende Jahr noch gar keine Aufträge hätten, schilderte Bürgermeister Rieger. "Das ist auch nicht normal." Ob dieses momentane Auftragsvakuum zu Preissenkungen führe, sei aber noch nicht absehbar, "denn die brauchen ja dann auch Material" – und eben da versteckt sich der Kostenfaktor.

"Es ist der Blick in die Glaskugel", fasste Rieger zusammen. Trotzdem wolle man jetzt definitiv in die Sanierung von Tiefgarage und Marktplatz einsteigen. "Länger können wir nicht mehr warten." Nicht nur, dass die St. Georgener Bevölkerung einen baldigen Startschuss erwarte – besonders bei der Tiefgarage sei die Sanierung nicht mehr aufschiebbar, betonte Rieger mit Blick darauf, dass ein Teil der Rathaus-Tiefgarage derzeit wegen statischer Bedenken gesperrt ist.

Wie sieht es auf der Kostenseite aus?

Ein Restrisiko bleibe, wenn man eine solche Großmaßnahme in einer Zeit wie dieser angehen wolle, merkte Rieger zum Schluss an. "Das ist mir klar." Ebenfalls zu erwarten ist, dass die Innenstadtsanierung trotz der Verschiebung teurer wird als ursprünglich geplant. Bei ähnlichen Ausschreibungen, erklärte Jürgen Pfaff vom Büro Faktorgrün, mache man gerade die Erfahrung, "dass wir 15 bis 25 Prozent über der Kostenberechnung liegen". Das könnte ein Anhaltspunkt dafür sein, worauf man sich in St. Georgen einstellen wird. Mit den bepreisten Leistungsverzeichnissen liege man aktuell rund 600 000 Euro über Plan. Letztlich kann aber erst das Ergebnis der europaweiten Ausschriebung näheren Aufschluss darüber geben, wie sich die Kosten bei der Innenstadtsanierung entwickeln.

Was hat sich an der Gestaltung des Marktplatzes geändert?

Bevor das Gremium die europaweite Ausschreibung beauftragte, hatte der Gemeinderat noch eine gestalterische Anpassung des Markplatzes aus dem Schreibtisch. Diese stellte Pfaff den Räten vor. Notwendig wurde die Umplanung, weil der Eigentümer des Gebäudes Am Markt 3 die drei großen Bäume auf seinem Grundstück nicht duldete. "Die fehlen einfach an der Stelle und reißen ein Loch in die Gestaltung", führte Pfaff aus. Daher hatte das Landschaftsarchitekturbüro einen neuen Gestaltungsvorschlag gemacht, den die Räte einstimmig genehmigten. Mehr Grün in Form von Bäumen, waren sich Verwaltung, Planer und Gemeinderat einig, und damit mehr Schatten sei nie ein Fehler.

Wie geht es nun weiter?

Ende Oktober soll Pfaff zufolge die Vorankündigung für die europaweite Ausschreibung erfolgen. Dann sind die Unternehmen schon einmal vorgewarnt, wenn sie Anfang Dezember die Ausschreibungsunterlagen erhalten. Ende Januar ist Submission – ein Zeitraum, der – das sagte Pfaff auf die Nachfrage von Rat Peter Fichter (SPD) – trotz Weihnachten und dem Jahreswechsel ausreichend sein sollte.

Ende Februar 2023 soll der Gemeinderat dann die Arbeiten vergeben. Diese könnten Pfaffs Plan zufolge, nachdem die nötigen Vorarbeiten erfolgt sind, im März oder April des kommenden Jahres beginnen. Zwischen Ausschreibung, Vergabe und Ausführung der Bauarbeiten wolle man möglichst wenig Zeit verlieren, erklärte Pfaff den Räten, "damit die Preise möglichst konstant bleiben". Trotzdem wird die Großmaßnahme einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Fertigstellung soll zwischen Ende 2024 und Mitte 2025 erfolgen.

Kommentar: Harte Zeiten

Von Helen Moser

Die St. Georgener Innenstadtsanierung ist ein Mammutprojekt, das einem schon in normalen Zeiten Respekt einflößen kann. Aber aktuell? Da ist die Unsicherheit ungleich größer. Jeder Schritt will doppelt gut überlegt sein. Umso besser, dass der Gemeinderat mit seinem Votum ein eindeutiges Zeichen gesetzt hat: Das Gremium steht geschlossen hinter der Sanierung – auch in der aktuellen Situation, auch mit den anderen Großprojekten in der Stadt und auch nach der Verschiebung im Mai. Mit letzterer hat man sich immerhin ein Mindestmaß an Sicherheit hinsichtlich der Preisentwicklung zurückerobert. Ob das ausreicht? Es wird sich zeigen. Sicher ist, dass die kommenden Jahre nicht leicht werden. Doch die Sanierung will man durchziehen – und zwar bald. Verständlicherweise. Denn aktuell hat St. Georgens Zentrum eine optische Frischekur bitter nötig.