Die Grosselfinger Kläranlage beziehungsweise deren Anschluss nach Haigerloch hat für Bürgermeister Friedbert Dieringer Priorität. Foto: Sabine Hegele

Wünschenswerte, aber nicht zwingend nötige Vorhaben kann sich die Gemeinde angesichts ihrer Finanzsituation derzeit nicht leisten.

Einen „erfreulichen Ausreißer“ nannte Kämmerer Dieter Noll im Grosselfinger Gemeinderat die Gewerbesteuer: Diese hat der Kommune im Jahresabschluss 2024 einen Überschuss von mehr als 500 000 Euro in der Kasse beschert.​

 

Die deutschlandweit schwächelnde Konjunktur hatte den Mann für die Grosselfinger Finanzen äußerst vorsichtig planen lassen. Daraus resultierend hatte er das ordentliche Ergebnis in der Jahresrechnung 2024 mit 10 000 Euro in sehr überschaubarer Höhe veranschlagt.

554 000 Euro Plus

Doch es sollte anders kommen – zum Glück für die Gemeinde: Statt der angenommenen Summe stand in der Ergebnisrechnung zum Jahresende ein Betrag von 554 000 Euro.

Gewerbesteuer sprudelt

Im Wesentlichen ist das den höheren Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von netto 512 000 Euro geschuldet. Und, prognostizierte Noll, Auch das Rechnungsergebnis für das laufende Jahr werde sich „positiver darstellen als bei der Planaufstellung befürchtet“: Man werde auf ein positives Ergebnis mit 400 000 bis 500 000 Euro kommen.

Nicht zu viel wollen

Bei all der Freude darüber bleibt sich Noll treu: Es sei und bleibe wichtig, „die Struktur zu behalten“. Die Kommune müsse auch zukünftig Prioritäten setzen, also nicht zu viel auf einmal wollen.

Nur weil es Grosselfingen in der Vergangenheit genau so gehandhabt habe, stünden der Ort und sein Haushalt aktuell „so gut da“, pflichtete Bürgermeister Friedbert Dieringer bei.

Derzeit schuldenfrei

Grosselfingen ist schuldenfrei. Für seine Projekte im laufenden Jahr brauchte es keine Kreditaufnahme.

Ebenso wenig mussten Schulden getilgt werden. Zuletzt verfügte die Gemeinde über liquide Mittel in einer Größenordnung von circa zwei Millionen Euro.

Wünsche nur auf Kredit

Gemeinderat Elmar Kleinmann gab zu bedenken: „Auch wenn sich die Zahlen toll lesen: Wenn wir absehbar all unsere Projekte realisieren wollen, wird es nicht ohne Schulden gehen.“

Dieringer und Noll wissen sehr wohl, dass es abzuwägen gilt, und bleiben dabei: Die Pflichtaufgaben zuerst. Der Bürgermeister nennt an erster Stelle den Kläranlagenanschluss nach Haigerloch.

Gleichauf stehe, hatte er vor ein paar Wochen deutlich gemacht, im Rahmen der Kanalsanierung der letzte von fünf Bauabschnitten. Dann nämlich ist Grosselfingen „durch“ mit der Eigenkontrollverordnung.

Gesund wachsen

Wünschenswertes wie die Turnhalle oder der Marktplatz seien für die Gemeinde nicht „gerade mal so leistbar“. Der Bürgermeister hat das verinnerlicht und sagt: „Ich lebe lieber, wie wir leben, als mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1500 Euro.“ Vor allem sei ihm wichtig, dass die Gemeinde „gesund wächst“.

Das will der Gemeinderat auch. Dennoch machte Elmar Kleinmann deutlich: Zwischen einer Verschuldung von 1500 Euro oder null Euro pro Kopf „ist viel Platz“.