Bis 2027 will Netze BW Hunderttausende Euro ins Gechinger Stromnetz investieren.
Netzdialog Strom stand auf der Tagesordnung der jüngsten Gechinger Gemeinderatssitzung. Neval Aras, Regionalmanager Verteilnetz, informierte den Gemeinderat dabei über Grundsätzliches zur Netze BW sowie Spezielles zu den knapp 83 Kilometern Gechinger Stromnetz.
Die 17,4 Kilometer langen Leitungen für die Mittelspannung liegen bereits mit 15 Kilometern als Kabel im Erdreich, nur noch 2,4 Kilometer waren im vergangenen Jahr Freileitungen.
Fast 91 Prozent der Niederspannung (NS) wurde 2024 kabelgebunden an 1064 Hausanschlüsse geliefert, 202 Hausanschlüsse bezogen ihren NS-Strom noch über Freileitungen.
Von 2020 bis 2024 wurden im Gechinger Netz Investitionen von etwas mehr als 1,5 Millionen Euro umgesetzt. Das waren beispielsweise Erneuerungen bei den Kabeln oder der Umspannstation in der Kirchstraße sowie die Erschließung des Baugebiets Furt.
Größte Investition im Gebiet Bergwald
Aras sprach über die geplanten Investitionen der Netze BW in den Jahren 2025 bis 2027, die in Gechingen bereits laufen und noch anstehen. Die größte Investition mit 530 000 Euro wird im Gebiet Bergwald sein. Dort wird eine neue Umspannstation installiert und es werden alte Mittelspannungskabel getauscht sowie neue Niederspannungskabel verlegt.
Mit 200 000 bis 300 000 Euro veranschlagt Aras die Verkabelung der Freileitung in der Mörikestraße in den Jahren 2026/2027 und die neue Umspannstation in dem Gebiet.
Die Komplexität im Verteilnetz steigt, sprach der Netzmanager über Grundsätzliches. Immer mehr dezentrale Stromerzeugung wie Photovoltaik (PV) und mehr Verbraucher wie Wärmepumpen und Elektromobilität veränderten die Gegebenheiten im Mittel- und Niederspannungsnetz. Das bedeute auch, dass in Landgemeinden wie Gechingen in den kommenden 20 Jahren durchschnittliche Investitionen von bis zu 40 Millionen Euro notwendig werden können.
2024 waren in Gechingen 367 PV-Anlagen mit einer Leistung von 4,86 Megawatt installiert, die 2881 Megawattstunden (MWh) eingespeist haben.
Zur Elektromobilität im Netze BW-Gebiet wusste Aras zu berichten, dass aktuell 84 400 Ladestellen gemeldet sind, davon sind knapp 63 200 private und rund 21 200 öffentliche oder gewerbliche Ladestationen.
In Gechingen sind 116 Ladestationen mit 128 Ladepunkten gemeldet, es gibt 144 Elektroautos und 51 Plug in-Hybrid-Fahrzeuge in der Gäugemeinde, Stand Juli 2025. Im vergangenen Jahr wurden 98 Prozent der 2066 Zählerablesungen in Gechingen digital an den Netzbetreiber Netze BW übermittelt, freute sich Aras über die hohe Quote.
Diskussion um dieHöhe der Kosten
Gut war, dass die beiden Netze BW-Vertreter Aras und Harald Müller (zuständig für die Kommunalen Beziehungen in der GmbH) auch beim folgenden Tagesordnungspunkt noch anwesend waren. Im Zuge der Kabelverlegungen durch Netze BW im Gebiet Bergwald will die Gemeinde Microrohre für die spätere Glasfaserversorgung auf einer Strecke von circa 350 Metern mitverlegen lassen. Die Netze BW hat angeboten, diese Arbeiten für 28 029 Euro brutto auszuführen. Alexander Zell (GFW) fand das für die 350 Meter „sehr teuer, wenn die Trasse eh offen ist“. Müller argumentierte, dass es einen breiteren Graben und einen breiteren Bagger dafür brauche, im Angebot sei der Aufwand zu zwei Dritteln Netze BW und zu einem Drittel für die Gemeinde gewichtet worden.
Heike Pfeifle (SPD) machte Müller darauf aufmerksam, dass in Diagrammen, in denen Netze BW ihre eigenen Kabelverlegungen darstelle, ein solcher breiterer Graben schon drin sei und es dann für die Gemeinde doch keine diesbezüglichen Mehrkosten geben könne.
Bürgermeister Jens Häußler gab Frank Riedel, in der Verwaltung zuständig für den Tiefbau, den Auftrag, noch mal nachzuhaken. Und Harald Müller versprach selbiges für die Netze BW. Wenn das geklärt ist, wird die Mitverlegung der Microrohre beauftragt, so der einstimmige Beschluss des Gremiums.