Ein Vermächtnis über 80 000 Euro soll den Fortbestand der Musik- und Kunstschule sichern. Der Gemeinderat von Freudenstadt hat dies auf den Vorschlag der Stadtspitze hin entschieden.
Mit dem Gemeinderatsbeschluss nach kontroverser Diskussion – dieser sind viele Gespräche vorausgegangen – hat der Gemeinderat ein klares Zeichen für die Musik- und Kunstschule gesetzt. Vertreter des Träger- und des Fördervereins der Schule hatten die Diskussion mit großem Interesse verfolgt. Ihre Erleichterung nach der Entscheidung war groß, für den Vorsitzenden Christof Ruetz war es das vielleicht schönste Geburtstagsgeschenk an diesem Tag.
Oberbürgermeister Adrian Sonder hatte zuvor die Gelegenheit genutzt, in einem längeren Statement für die von ihm vorgeschlagene Unterstützung in Form des Vermächtnisses zu werben. Die Stadt Freudenstadt hatte dieses Vermächtnis in Höhe von ursprünglich 100 000 Euro im Jahr 2015 erhalten, eine Zweckbindung dafür gab es nicht.
Ändern müsse sich nicht nur die aktuell unzureichende Finanzierung, sondern, auch die Organisation und Struktur der Schule insgesamt, meinte Sonder.
Wiederholt für Zuschüsse geworben
Zum Hintergrund: Das „Herrenberg-Urteil“ zwingt Musikschulen dazu, ihre Honorarkräfte künftig fest anzustellen. Den finanziellen Mehraufwand kann die Einrichtung unter den aktuellen Rahmenbedingungen aber nicht stemmen. Der Gemeinderat hat deshalb bereits beschlossen, die bisherige Bezuschussung von 43 000 Euro auf 76 220 Euro für das Jahr 2024 zu erhöhen und die Kaltmiete weiterhin zu erlassen. Das reicht aber nicht.
Die bisherige Musikschulleiterin hatte darum in den umliegenden Kommunen, die von der Schule profitieren, bereits wiederholt um Zuschüsse geworben. Dies aber nur teilweise mit Erfolg. Inzwischen hat Katharina Pschorr gekündigt. Sie wechselt zu einer städtischen Musikschule, deren Finanzierung gesichert ist.
Das Vermächtnis sei nicht die finale Lösung, stellte Sonder klar. Es sei aber der notwendige Auftakt für ihren Erhalt. Er hob die Bedeutung dieser „Bildungseinrichtung“ nicht nur für aktuelle und künftige Generationen hervor, sondern auch im Hinblick auf den Rechtsanspruch der Ganztagesbetreuung ab 2026.
Sonder hofft, dass das positive Votum auch Nachbarkommunen dazu bewegt, den Geldbeutel für die Einrichtung zu öffnen. Darüber hinaus werde man künftig andere „anstrengende und auch steinige“ Wege beschreiten müssen, um den Erhalt solcher Einrichtungen zu sichern.
Hütte auf dem Weihnachtsmarkt für die Schule
Carola Broermann (CDU) war überzeugt, dass der Einsatz des Vermächtnisses dem Willen des ihrer Familie gut bekannten Vermächtnisgebers entspricht. Anita Zirz (SPD) hegte namens ihrer Fraktion zwar gewisse Zweifel, dass das jetzt gesicherte Überbrückungsjahr für den erforderlichen Umstrukturierungsprozess reicht, signalisierte aber Zustimmung.
Hermann John (FW) schlug vor, nur 40 000 Euro aus dem Vermächtnis direkt einzusetzen und die weiteren 40 000 mit in den Haushalt aufzunehmen und die bereits zugesagte Förderung für 2025 entsprechend zu erhöhen. „Ein Vermächtnis einmalig für einen Liquiditätsengpass zu verwenden, ist nicht zielführend“, so John. Er schlug weiter vor, der Schule eine Hütte auf dem Weihnachtsmarkt zu überlassen, um sich vorzustellen. Das sorge vielleicht für dauerhafte Unterstützer.
Johns Fraktionskollegin Beate Gernsheimer gab zu bedenken, dass das Geld aus dem Vermächtnis verloren geht, wenn es am Ende für die Rettung doch nicht reicht. „Wir hätten die Investition in ein Gebäude wie einen Schulerweiterungsbau deshalb besser gefunden“, sagte Gernsheimer, stimmte am Ende aber trotzdem zu. Wichtig sei es, Bildungseinrichtungen so aufzustellen, dass sie selbst in der Lage seien, Defizite auszugleichen.
Klaus Fellermann (BA) war der Meinung, dass das Vermächtnis auch für den potenziellen Nachfolger Pschorrs ein wichtiges Zeichen sei. Seine Fraktion stimme deshalb zu. Elisabeth Gebele (BA) hofft, im Zuge des Anspruchs auf Ganztagesbetreuung künftig vielleicht auch Fördergelder vom Land zu generieren. Bei einer Enthaltung (Hermann John) wurde der Einsatz des Vermächtnisses ohne Gegenstimme befürwortet. Zudem werden Mittel in der Größenordnung von 76 220 Euro im Haushalt für das Jahr 2025 eingeplant.