Weg von US-amerikanischer Software: Die Fraktion BA-Grüne hätte auf den Computern der Stadt Freudenstadt lieber Open Source statt Microsoft. Doch ist eine Umstellung machbar?
Stadtrat Albrecht Ortmann zeichnete ein düsteres Bild: „Der amerikanische Geheimdienst kann alle Daten deutscher Behörden abgreifen, wenn es der Präsident so wünscht.“
Seine Fraktion BA-Grüne will weg von Software von Microsoft und hin zu Open-Source-Software wie Linux oder Libre Office. Damit werde nämlich schon seit vielen Jahren am Kepler-Gymnasium, wo Ortmann unterrichtet, erfolgreich gearbeitet und zugleich Geld für Lizenzen gespart.
Die Verwaltung hält den Antrag für den Haushalt 2026 allerdings für keine gute Idee. „Die Prüfung hat ergeben, dass eine Umstellung der genutzten Software auf Open-Source-Software unter den aktuellen technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht sinnvoll umsetzbar ist“, heißt es im Beschlussvorschlag.
Open Source könne lediglich „in bestimmten Bereichen“ als Hilfsinstrument oder Ergänzung genutzt werden, wenn sich die Möglichkeit ergebe, sagte Oberbürgermeister Adrian Sonder.
Ortmann und seiner Fraktion reicht das nicht. Er erinnerte daran, dass der Landesdatenschutzbeauftragte die Schulen in Baden-Württemberg bereits 2022 aufgefordert hatte, den Betrieb von Microsoft 365 zu beenden. Der Grund: Es wurde keine datenschutzkonforme Lösung zu gefunden.
Vorbild Schwäbisch Hall?
Ortmann plädierte für eine „behutsame“ Umstellung auf Open Source und rief die Stadt dazu auf, die Verwaltung in Schwäbisch Hall nach ihren Erfahrungen zu befragen. Diese gilt als Vorreiter in Sachen Open Source – und war daher laut eigenen Angaben nicht betroffen, als es 2024 weltweit zum wohl größten IT-Ausfall der Geschichte kam. „Ich kann Ihnen zusagen, dass wir uns mit Schwäbisch Hall noch mal in Verbindung setzen“, antwortete Sonder.
Doch Ortmann ließ nicht locker. Er bestand darauf, die Entscheidung zu vertagen – und das Thema erst noch einmal im zuständigen Ausschuss zu beraten. „Dann haben wir mehr Zeit.“ Diesen Antrag nahm der Gemeinderat mehrheitlich an. Das Thema werde es allerdings wohl nicht mehr vor der Sommerpause auf die Tagesordnung schaffen, sagte Sonder abschließend.