In einer solchen Schutzausrüstung muss bei asbestbelasteten Gebäuden gearbeitet werden. Foto: Bernard MAURIN - stock.adobe.com

Belastetes Material würde bei einer Sanierung des Lehrschwimmbeckens und der Eutinger Turn- und Festhalle Probleme bereiten.

Daher können die Vereine nicht bei den Abbrucharbeiten mithelfen, wenn es dann bei der geplanten Sanierung soweit ist. Dies erklärte Architekt und Planer Peter Koczor vom Rottweiler Ingenieurbüro KTL bei der Vorstellung der Pläne zur Sanierung der in die Jahre gekommenen Turn- und Festhalle.

 

Die alte Dame ist schon was älter und besticht mit morbidem Charme, der jedoch seine Tücken und Nachteile hat. So ist der Zugang zum Lehrschwimmbecken und auch zur Halle derzeit nicht barrierefrei, was Nachteile für die Nutzung des Gebäudekomplexes mit sich bringt.

Diplom Ingenieur Koczor teilte auf Nachfrage mit, dass der Mörtel der Wandfliesen im Schwimmbadbereich sowie die Dichtbahnen in den Umkleidekabinen der Mädchen und auch die Dichtbahnen in den Sanitärräumen asbestbelastet seien. Auch gebe es mit WHO-Fasern belastetes Material, das bei einer Sanierung Probleme bereiten wird, so Koczor.

„Da wird dann mit Schutzanzügen gearbeitet“

Sehr gerne würde Bürgermeister Markus Tidemann die Vereine bereits bei den Abbrucharbeiten mit ins Boot holen – doch dies muss eine Spezialfirma übernehmen. Die Entsorgungsprofis wissen, wie man mit WHO-Faser-belastetem Abbruchmaterial und auch mit Asbest umgehen muss. „Solange man nichts macht und alles so belässt, bereiten Asbest und WHO-Fasern keine Probleme“, sagt Planer Peter Koczor. „Da gebe ich Entwarnung. Sobald man aber saniert und die Materialien quasi in der Hand hält, muss dies eine Spezialfirma machen. Da wird dann mit Schutzanzügen gearbeitet.“

Besonders bei Altbauten treten Probleme mit Asbest und WHO-Fasern auf – heute sind diese Baustoffe verboten. WHO-Fasern sind spezifische Arten von Asbestfasern, die aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellen. Beim Einatmen der winzigen Partikel gelangen diese in die Lunge – Asbest und auch WHO-Fasern sind hochgefährlich.

Der Gemeinderat diskutiert, wie es bei der Turn- und Festhalle weitergeht. Foto: Angela Baum

Was derzeit ebenfalls auf den Nägeln brennt ist eine Reparatur der Lüftungsanlage der Turn- und Festhalle – dies hatte der TÜV bemängelt. „Die Lüftungsanlage muss man vor der Sanierung des Lehrschwimmbeckens und der Halle in Ordnung bringen“, schärfte Planer Koczor den Ratsmitgliedern auch bei seinen Ausführungen in der Gemeinderatssitzung ein.

Den Verfahrensstand zur geplanten Hallensanierung nahm das Gremium zur Kenntnis – Lehrschwimmbecken und auch Hallensanierung sollen in einer umgeplanten und reduzierten Sanierungsvariante realisiert werden. Aber nur, wenn es die Haushaltslage zulässt.

Zunächst war mit Vereinsvertretern und der Schulleitung eine umfassende Sanierungsvariante erarbeitet worden, die neben der Behebung von einzelnen Missständen auch dem Wunsch nach zusätzlichen Lagerflächen und einer größeren Küche im Erdgeschoss Rechnung tragen würde. In einer abgespeckten Version würden die Sanierungskosten für die Halle 6,19 Millionen Euro betragen; hinzukämen 1 606 728 Euro für die Sanierung des Schwimmbads.

Eine reine Sanierung ohne Anbau käme auf 6 Millionen Euro. Man könnte auch zunächst nur die Halle sanieren und die Sanierung des Lehrschwimmbeckens in späteren Jahren nachholen, erklärte Planer Koczor. Bürgermeister Markus Tidemann führte aus, dass für die Sanierung des Lehrschwimmbeckens und der Mehrzweckhalle ein Antrag für den Ausgleichsstock gestellt werden kann – der Fördersatz würde 13 Prozent jener Kosten betragen, die nicht durch anderweitige Förderprogramme gedeckt sind. Zudem kann das Lehrschwimmbecken durch die Sportstättenförderung mit einem Fördersatz von 30 Prozent bezuschusst werden. Darüber hinaus hat die Landesregierung in ihrem Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2025 und 2026 erstmalig bis zu 30 Millionen für die Sanierung von Schwimmbädern, die auch von Schulen genutzt werden, im Haushalt eingestellt. Unklar ist aber bislang, ob aus diesem Fördertopf auch das Eutinger Lehrschwimmbeckens bezuschusst werden würde.

Gemeinderat warnt vor Luxusvariante

Unter Umständen können darüber hinaus für einzelne Gewerke Fördermittel in Anspruch genommen werden. Tidemann: „Eine Bewilligung der Zuschüsse kann aber nicht garantiert werden.“ Gemeinderatsmitglied Gsell bot an, dass die Vereine sich bei der Sanierung einbringen, was Planer Koczor zumindest bei den Asbestsanierungen und auch bei Abbrucharbeiten ausschloss. Ratsmitglied Kramer warnte, dass eine Luxusvariante realisiert wird - „ich wäre am ehesten für eine reine Sanierung.“

Bürgermeister Markus Tidemann sagte, dass man bis Ende November dieses Jahres Anregungen sammeln werde – man fände dann sicherlich eine optimierte Version. „Unsere Halle ist keine heilige Kuh.“ Auch müsse abgewogen werden, was dem Gemeinderat wichtiger ist: Eine neue Halle oder ein neues Feuerwehrhaus.