Der Dormettinger Gemeinderat hat eine Katzenschutzverordnung beschlossen. Halter von Freigänger-Katzen sind demnach verpflichtet, ihre Tiere zu kastrieren.
Gibt es im kleinen Dormettingen tatsächlich so viele Streuner, dass die Gemeinde dagegen vorgehen muss? In der Tat – laut Bürgermeister ist schon seit einem längeren Zeitraum ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.
„Dieses Jahr haben wir zwischen 35 und 40 Katzen eingefangen und kastriert“, informierte Horst Lehmann in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.
Claudia Göhring aus Schömberg berichtete, dass ihr Verein Pfötchenhilfe 13 Kitten aufgenommen habe, und Petra Stehle vom Verein „Lebenswert“ erinnerte an einen Einsatz auf dem Areal der Firma Wochner mit rund 40 Katzen.
Flavia Robanus vom Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises, die in der Sitzung ebenfalls anwesend war, machte sich für eine Verordnung stark. Laut ihr lebten 2023 insgesamt 15,7 Millionen Katzen in Privathaushalten, über ein Drittel mehr als vor zehn Jahren.
Jede zehnte gehaltene Katze sei nicht kastriert
Jede zehnte gehaltene Katze sei nicht kastriert, dazu kämen noch deutschlandweit 2 Millionen freilebende Katzen. Nach zehn Jahren könnten aus einer Katze 2 Millionen Nachkommen entstehen, rechnete Robanus vor. Außerdem würden Straßenkatzen ohne Fürsorge ernsthaft krank; die Sterberate von Kitten liege bei 75 Prozent.
Mit einer Verordnung, so die Fachfrau weiter, sei es möglich, die Population zu reduzieren. Straßenkatzen könne man damit gesund erhalten, unkastrierte Besitzerkatzen dürften dann keinen unkontrollierten Freigang mehr haben. Sie stellte aber auch klar, dass es viele Jahre brauche, um das „Katzenproblem“ in den Griff zu bekommen, bis die Nachkommen weniger würden.
Verordnung tritt in sechs Monaten in Kraft
Städte und Gemeinden hätten sich lange gegen eine Katzenschutzverordnung gewehrt, da sie diese als Aufgabe des Bundes ansahen, wusste Bürgermeister Lehmann. Er befürwortete den Erlass, wertete die Verordnung als Signal – für ein gutes Miteinander, aber auch für den Tierschutz. Die Gemeinderäte stimmten zu, was Kristina Stadler von der Tierschutzgruppe Bodelshausen/Hechingen und Umgebung freute: „Das ist eine sehr gute Sache.“ Sie war mit (veganen) „Plätzchen für Kätzchen“ – eine Aktion des Deutschen Tierschutzbundes – nach Dormettingen gekommen, um ebenfalls für eine Katzenschutzverordnung zu werben.
Die Verordnung tritt in sechs Monaten, also Mitte Juni 2026, in Kraft. Für eine Kätzin betragen die Kastrationskosten laut der Sitzungsvorlage rund 185 Euro, für einen Kater sind es rund 120 Euro. Rund 50 Euro werden für das Einsetzen eines Mikrochips verlangt.