Fünf Jahre war Dormettingen eine sogenannte ELR-Schwerpunktgemeinde. Die Bilanz, vorgestellt in der jüngsten Gemeinderatssitzung, kann sich sehen lassen.
Ein amtierender und ein ehemaliger Schultes zusammen am Ratstisch – das gibt es wohl selten. In Dormettingen war dies bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates der Fall. Horst Lehmann hatte seinen Vorgänger Anton Müller eingeladen.
Und Müller stellte den von der Tübinger Behörde in Auftrag gegebenen Evaluierungsbericht vor. Knapp über 3,4 Millionen Euro steckte die Gemeinde am Ende seiner zweiten Amtszeit in die Verschönerung und Belebung des historischen Ortskerns.
Der erste Streich war der Dorfplatz
Begonnen hat die Erfolgsgeschichte mit dem Umzug des Bauhofs ins Gewerbegebiet. Der Weg für die Neugestaltung der Äußeren Dorfstraße und der Brunnenstraße war geebnet. Gegenüber dem Rathaus entstand der Dorfplatz – der erste Streich sozusagen.
Auf der früheren Wiese wird mittlerweile geparkt, gefeiert und an der Fasnet Polonaise getanzt. Den zwischenzeitlich noch angelegten Naschgarten besuchen vor allem die kleinen Dormettinger, denn der Kindergarten liegt nur einen Steinwurf entfernt.
Das „Rössle“ harrt noch seines Abrisses
Geschichte ist die Dreschhalle: Auf die freigewordene Fläche, die mit viel Grün, Bänken und Parkflächen aufgewertet wurde, kommen zusätzlich zwei Mehrfamilienhäuser; die Straße selbst ist keine Buckelpiste mehr.
Eigentlich sollte auch das benachbarte „Rössle“ schon der Spitzhacke zum Opfer gefallen sein. „Doch leider kreuzte die Pandemie die Planungen“, bedauert Müller. Aktuell wird das Gebäude entkernt. Ist es dann endgültig von der Bildfläche verschwunden, entsteht auch hier neues Bauland. Müller rechnet mit Platz für bis zu 50 Personen.
Fokus auf das Mühle-Areal statt Wasenstraße
Ebenfalls mit Geld aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) wurde das Kaffeebühl quasi auf links gedreht. Entstanden sind unweit der Kirche vier Mehrfamilienhäuser mit 16 Wohneinheiten. „Die ersten Eigentümer und Mieter wohnen schon darin“, freut sich der Ex-Schultes. Acht Wohnungen wurden mittlerweile verkauft.
Ein drittes Innenentwicklungskonzept in der Wasenstraße kommt, auch wegen der angespannten Finanzlage, vorerst nicht. Müller geht von einer Fokussierung auf das frühere Mühle-Areal aus.
Dort habe man schon Flächen und Gebäude gekauft. Auch rechnet er damit, dass in nicht allzu ferner Zeit ein Baugebiet für Senioren entsteht. Aktuell befinde sich die Verwaltung, wie er gehört habe, in „intensiven Gesprächen“ mit einem Investor.
Nur wenige Anträge von Privatleuten
Im Evaluierungsbericht finden auch das soziale Netzwerk „Sonne“ und die Pflegeaktionen im „Riedbachtal“ Erwähnung, aber auch das schnelle Internet und die Pläne für einen Batteriespeicherpark.
Als zentrale Zukunftsaufgabe nennt Anton Müller in dem mehrseitigen Schreiben die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt, nachdem die Pläne für eine Umgehung ad acta gelegt worden sind. Allerdings: Zu Müllers Bedauern gingen von Privatleuten nur wenige Anträge ein.
Sein Fazit ist trotzdem rundweg positiv: „Der Innerortsbereich entwickelt sich positiv und bietet wertvollen barrierefreien Wohnraum. Insgesamt wurde die Attraktivität der Gemeinde erheblich gesteigert und das Bewusstsein für den Naturschutz geschärft.“
Horst Lehmann betonte, dass Dormettingen vom ELR-Programm noch lange zehren werde und man an den angestoßenen Projekten weiter intensiv arbeiten wolle. Müller hält sich zurück, will die Gemeinde aber trotzdem nicht aus den Augen verlieren. „Ich beobachte aus der Ferne“, scherzte er.