Marktleute und Gewerbeverein sind sich einig: Die Hauptstraße ist der Platz, wo der Wochenmarkt hingehört – trotz aller Umstände durch die Sperrung. Foto: Lupfer

Aufgrund von Tunnelsperrungen musste der Wolfacher Wochenmarkt zweimal kurzfristig geräumt werden. Nun steht im Raum, ihn in den Schlosshof zu verlagern.

Zweimal wurde der Reutherbergtunnel in den vergangenen Monaten mittwochs kurzfristig gesperrt. Zweimal musste der Wochenmarkt eilig geräumt werden, um die Hauptstraße für den sich schnell stauenden Verkehr freizumachen.

 

Sollte der Markt da vielleicht grundsätzlich in den nahen Schlosshof weichen? Eine Idee, von der die Marktbeschicker so gar nichts halten.

„Für uns ist es äußerst wichtig, dass wir den Standort Hauptstraße behalten dürfen“, sagte Martin Zapf vom Geflügelhof Zapf stellvertretend für die vielen Beschicker, die am Mittwoch in den Gemeinderat gekommen waren (Hintergrund). Die Sicht der Marktleute sei im Rathaus bekannt, so Bürgermeister Thomas Geppert. „Wir haben trotzdem die Umfrage gemacht.“

Geteilte Meinungen zu Resultaten der Umfrage

668 Teilnehmer gaben darin ihre Sicht auf den Markt wieder. 305 sind sehr oder eher zufrieden mit dem aktuellen Standort, 259 sehr oder eher unzufrieden, die übrigen 104 sind neutral. Dennoch sehen 364 (54 Prozent) ein Standortproblem in der Hauptstraße, 304 (46 Prozent) nicht. Als bevorzugten Standort für den Wochenmarkt stimmten 385 (58 Prozent) für den Schlosshof, 283 (42 Prozent) für die Hauptstraße. „Die Umfrage zeigt’s eigentlich relativ eindeutig, was man machen sollte“, befand Henning Hermes (Grüne). Für die Umsatzeinbußen der Händler im Schlosshof während der Schlosstor-Sanierung 2024 machte Hermes die Baustelle verantwortlich, nicht den Standort. „Die wenigste Kundschaft ist die, die zufällig durch die Hauptstraße läuft.“ Doch selbst Spontankäufer könnten auf den Markt im Schlosshof hingewiesen werden.

Gemeinderat Pascal Schiefer (CDU) verwies darauf, dass man an der Umfrage mehrfach teilnehmen konnte. Man müsse die Umfrage daher zur Kenntnis nehmen. Sie habe „aber nicht die Qualität, um auf ihrer Basis Entscheidungen zu fällen“. Gleichwohl sei die Verkehrssituation bei den Sperrungen kritisch gewesen: „Der Stau war bis hinter Leipold.“ Als Vorsitzender des Gewerbevereins betonte Schiefer: „Der Gewerbeverein ist klar der Auffassung, dass der Wochenmarkt in der Hauptstraße bleiben sollte.“ Er regte aber Investitionen in automatisch auffahrbare Poller und digitale Verkehrsschilder an, um den dauerhaften Personalaufwand für den Bauhof zu reduzieren, sowie Gespräche mit den Marktbeschickern, um die Fahrbahn frei zu halten.

Standort im Schlosshof steht auch in der Kritik

„Der Markt ist wichtig für Wolfach. Den sollten wir nicht aufs Spiel setzen“, sagte Georg Schmieder (FWV). Er sei für eine Verlegung gewesen, habe sich aber umstimmen lassen. Die Tunnelsperrung sei eine Notsituation. „Dann bekommen wir den Markt geräumt.“ Die Argumente kenne man seit vielen Jahren, sagte Carsten Boser (Grüne). „Für mich ist das Hauptproblem: Warum machen wir eine Umfrage, wenn das Ergebnis am Schluss egal ist?“ Das sei ein schlechtes Zeichen an die Bürger. Zudem verwies er auf die enge Bergstraße, Ausweichroute während der Sperrung der Hauptstraße: „Das Problem wird immer wieder unterschätzt.“

Auch Ratsmitglied René Plaasch (SPD) fragte, warum man die Umfrage mache, „wenn das Ergebnis irrelevant ist“. Zudem unterstrich er als Anwohner die Situation in der Bergstraße: „Das ist ein Zustand, der meines Erachtens extrem gefährlich ist. Es wundert mich, warum das all die Jahre hingenommen wird, wenn wir doch eine gute Alternative für den Markt haben wie den Schlosshof.“ Dem schloss sich Inge Schoch (SPD) an. Man könne die 58 Prozent pro Schlosshof nicht ignorieren: „Ich bin der Meinung: Ein attraktiver Markt wird gefunden durch den Kunden, egal, wo er seinen Standort hat.

Finale Entscheidung 2026

„Der Wochenmarkt ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Bürgermeister Thomas Geppert. Auch die Sommerkonzerte sollen auf Wunsch der Musikvereine wieder aus dem Schlosshof vor das Rathaus verlegt werden, inklusive Straßensperrung: „Da tut sich jeder hier schwer zu sagen: Machen wir nicht. Ich hätte heute Abend keinen Schmerz damit gehabt zu sagen: Man lässt alles wie es ist. Wenn wir wissen: Die Marktbeschicker gehen nicht mit, ist’s auf badisch gesagt g’schwätzt.“ Dennoch schlug Geppert vor, dass Verwaltung und Beschicker noch einmal über Änderungen bei den Stellflächen nachdenken. Zwölf Räte stimmten zu. 2026 soll dann final über den Standort abgestimmt werden.

Beschicker fürchtet abnehmenden Zuspruch

Für Martin Zapf waren die 2024 gewonnenen Erkenntnisse eindeutig: „Deutliche Umsatzeinbußen seitens der Marktbeschicker. Der Schlosshof ist für uns nicht attraktiv, vom Ambiente her.“ Der Verkehr von der Hauptstraße halle in den Hof, es sei „relativ laut und ungemütlich“. Der Zapf-Stand sei früher auch schon in den Seitenstraßen gestanden. „Der Gamechanger war, dass der Markt in das Herz von Wolfach verlegt wurde.“ Es sei für den Markt „essenziell, dass er mittendrin ist, und nicht irgendwo am Rand.“„Wenn der Markt in den Schlosshof geht, stellt sich die Frage, ob wir den Markt weiterhin beschicken“, sagte Zapf. Man sei gesprächsbereit und wolle zu Lösungen beitragen. Die Händler seien aber klar für den Standort Hauptstraße. Der Schlosshof sei überdies auch zu klein, befand Martin Schmieder vom Brotstand. „Das funktioniert vielleicht noch im Winter.“ Spätestens im Frühjahr, mit der zunehmenden Auslage der Gärtner, aber nicht mehr. „Wenn das Resultat ist, dass einer nach dem anderen abspringt, dann lässt die Attraktivität nach – und zum Schluss ist gar nichts mehr.“