Nach der endlich erfolgten Wahl (von links): der neue Ortsvorsteher Unterbränds, Lutz Rademacher, mit Bürgermeister Micha Bächle und Rademachers Vorgänger Stephan Demattio. Die Wahl des neuen Ortsvorstehers war eine schwere Geburt. Foto: Dagobert Maier

So etwas gab es in Bräunlingen bislang noch nie: Der Gemeinderat war der Empfehlung des Unterbränder Ortschaftsrates nicht gefolgt und lehnte Lutz Rademacher im Juli ab. Jetzt wurde er doch gewählt. Am Ende war eine Stimme entscheidend.

Lutz Rademacher ist neuer Ortsvorsteher des Bräunlinger Stadtteils Unterbränd und damit Nachfolger von Stephan Demattio, der seit Juli als CDU-Stadtrat am Ratstisch sitzt. Allerdings hat es zwei Anläufe benötigt, bis Rademacher durch den Gemeinderat ins Amt gewählt war.

 

Bei der erneuten Ortsvorsteherwahl im Gemeinderat brachte das Ergebnis keinen deutlichen Unterschied zur ersten gescheiterten Wahl Ende Juli. Von den 21 Stimmberechtigten am Ratstisch erhielt Lutz Rademacher am Donnerstag elf Ja-Stimmen, neun Nein-Stimmen, und es gab eine Enthaltung. Somit hatte Rademacher ganz knapp die notwendige absolute Mehrheit erreicht, und Bürgermeister Micha Bächle konnte ihm zur Wahl zum Unterbränder Ortsvorsteher mit Handschlag gratulieren.

Dank an Demattio

Bächle dankte dem bisherigen Ortsvorsteher Stephan Demattio für sein großes Engagement für den Bräunlinger Stadtteil. Er hatte im Juni 2023 das Amt des verstorbenen langjährigen Ortsvorstehers Winfried Klötzer übernommen.

Lutz Rademacher nahm hernach seinen Platz am Ratstisch ein. Er ist fortan an Diskussionen und Beratungen in öffentlichen und nicht öffentlichen Sitzungen dabei, aber nicht stimmungsberechtigt.

Andere mit klarer Mehrheit

Die anderen Ortsvorsteher der Bräunlinger Stadtteile Horst Kritzer (Waldhausen), Georg Baum (Döggingen) und Michael Amann (Mistelbrunn) waren bereits Ende Juli mit klarer Mehrheit vom Gemeinderat gewählt worden. Das Gremium bestätigte die jeweiligen Wahlvorschläge der Ortschaftsräte.

Der zweite Wahlgang zur Ortsvorsteherwahl für Unterbränd erfolgte wiederum in geheimer Abstimmung mit Zettel. Auch diesmal war das Ja von mehr als der Hälfte der anwesenden Stimmberechtigten notwendig, um Unterbränder Ortsvorsteher zu werden.

Schon vorher war klar: Sollte keine absolute Mehrheit erreicht werden, kann der Gemeinderat mit Zweidrittelmehrheit beschließen, dass weitere Bewerber aus der Mitte des Ortschaftsrates in die Wahl einbezogen werden. Doch am Ende war das nicht notwendig.

Ein einmaliger Vorgang

Der Tagesordnungspunkt „Ortsvorsteherwahl Unterbränd II“ war am Donnerstag von besonderem Interesse, es war die erste Gemeinderatssitzung nach den Ferien. In der letzten Zusammenkunft vor den Ferien, es war wiederum die erste für das neue Gremium, hatte die bislang einmalige Geschichte ihren Lauf genommen.

Mit vier zu zwei Stimmen vorgeschlagen

Denn: Der Ortschaftsrat Unterbränd hatte Kandidat Lutz Rademacher mit vier zu zwei Stimmen für das Amt vorgeschlagen. In der Gemeinderatssitzung Ende Juli, in der die Mitglieder ihn wählen sollten, fand er zur Überraschung vieler Bräunlinger nicht die notwendige Mehrheit. Bei 21 Stimmberechtigten gab es nur zehn Ja-Stimmen, damit war die in geheimer Abstimmung durchgeführte Wahl gescheitert. Es musste also ein neuer Termin für eine zweite Wahl angesetzt werden.

Offenbar keine Absprachen

Es war das erste Mal, dass sich der Bräunlinger Gemeinderat bei der Wahl eines Ortsvorstehers gegen die Empfehlung des Dorfgremiums aussprach. Dass es im Gemeinderat im Juli keine Absprachen innerhalb der Fraktionen gegeben und jeder nach seiner eigenen Entscheidung abgestimmt habe, wurde mehrfach auf Nachfrage betont.

Michael Gut (CDU) meinte damals, dass der Gemeinderat nicht genug überzeugt worden wäre, Lutz Rademacher zu wählen, und Philipp Hofacker (Gruppe 84) bedauerte, dass der Gemeinderat der Entscheidung des Unterbränder Ortschaftsrates nicht gefolgt sei.

Hintergrund

Aus der Region
Im zweiten Wahlgang ist Lutz Rademacher zum Ortsvorsteher in Unterbränd gewählt worden. „Als Zugezogener bin ich im Ort gut aufgenommen worden und kann sicher in der neuen Position vieles wieder zurückgeben“, ist Lutz Rademacher überzeugt von seiner neuen Aufgabe. 1987 ist der 64-Jährige mit seiner Familie aus Obereschach nach Unterbränd gekommen. Beruflich ist er noch bei einer Dögginger Lackfirma in der Logistik tätig. In Döggingen ist er auch aufgewachsen.

Bald im Ruhestand
„Ab November 2025 gehe ich dann in Rente und kann mich noch mehr für Unterbränd einsetzen“, freut sich Rademacher schon heute. Durch die Wahl von Stephan Demattio als Stadtrat in den Bräunlinger Gemeinderat kann „sich Unterbränd gut dort aufstellen. Ein Gemeinderat mit Stimmberechtigung und ein Ortsvorsteher mit einer beratenden Stimme ist schon ein Gewicht im Rat“, erklärt Lutz Rademacher die Strategie.

Bereits im Ortschaftsrat
Da er seit 2009 schon im Ortschaftsrat von Unterbränd aktiv ist, hat er seiner Ansicht nach genug Erfahrung, um diesen auch zu führen. „Sowohl beruflich wie auch in der politischen Arbeit ist für mich eine kooperative Teamarbeit besonders wichtig“, hebt Lutz Rademacher hervor. Nur im Team ließen sich die anstehenden Aufgaben bewältigen. Hohe Prioriät hat für ihn die Weiterentwicklung des örtlichen Vereinslebens. Er selbst ist Mitglied im Radfahrverein und freut sich immer auf die wöchentlichen Ausfahrten in der großen Gruppe. „Wir haben eine tolle Dorfgemeinschaft in der jeder jeden unterstützt, und das wollen wir erhalten“, sagt Lutz Rademacher.

Verein wiederbelebt
Für dieses Ziel hat er mit anderen zusammen den Verkehrsverein Unterbränd reaktiviert. Dieser kümmert sich um einen guten Zustand der örtlichen Infrastruktur durch beispielsweise das Aufstellen von Sitzbänken, die Pflege öffentlicher Grünanlagen und von Wanderwegen. „Was für den Touristen gut ist, ist auch für uns Bewohner gut“, nennt Rademacher sein Credo. Für ihn und den Ortschaftsrat wird die weitere Erschließung des Baugebiets im Spitz eine zeitnahe Hauptaufgabe werden. „Dort muss es uns gelingen, junge Familien anzusiedeln, die für die Zukunft von Unterbränd das Fundament sind. Denn wie wollen wir das Vereinsleben fördern, wenn wir keinen Nachwuchs mehr haben? Über die Vereine erhalten wir unsere Identität“, stellt der Ortsvorsteher fest. „Wir haben auch schon zu viele Gebäude, die nur in der Sommersaison genutzt sind und sonst leer stehen. Das geht heutzutage vor allem auf Kosten junger Familien und ist für mich ein absolutes No Go", betont Lutz Rademacher.

Noch mehr Baustellen
Der Zustand mancher Straßen im Ort ist eine weitere Baustelle für den Ortschaftsrat, die dringend bewältigt werden muss. Jeder im Ortschaftsrat soll seine Ideen einbringen können und daraus wird eine Aufgabenliste entstehen, die gemeinsam abgearbeitet wird, so beschreibt Lutz Rademacher die Tätigkeiten und die Entstehung des Programms für diese Legislaturperiode. „Was wir für Unterbränd brauchen, ist die Ausgangsfrage der Aufgabenliste, die dann in kleinen, aber raschen Schritten oder in größeren, aber länger dauernden Schritten abgearbeitet werden soll“, hält Lutz Rademacher fest.