Unter Wasser stand am 2. Mai auch die Zufahrt zum Sportplatz in Steinhofen. Foto: Kauffmann

Die Helfer der Rettungsdienste haben während des Hochwassers in Bisingen teils bis zur Erschöpfung gearbeitet. Inzwischen geht es darum, das Ereignis aufzuarbeiten und aus den Erfahrungen zu lernen.

„Es war anfangs wie immer“, berichtet Jonas Ruff, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Bisingen. Nur 20 Minuten später lagen schon 40 bis 50 Meldungen vor. Ruff: „Von da an hat sich die Situation nochmal zugespitzt“, erinnert er sich am Dienstag bei der Gemeinderatssitzung im Saal des Feuerwehrhauses.

 

Personen gerettet

Alarmierungen über Personen, die in Gebäuden oder Autos eingeschlossen waren, sind schnell nacheinander eingetroffen. „Wir sind von einer Ecke in die andere geschossen“, meint Ruff rückblickend über diese Phase: Gott sei dank habe man alle Betroffenen herausholen können. Ruff: „Das ist mir persönlich am meisten Wert.“ Der stellvertretende Kommandant erinnert sich an einen „sehr belastenden“ Einsatz, denn die Feuerwehr war tagelang bis in die Nacht im Dienst.

Zahlreiche Einsatzstunden

Das unterlegte Bürgermeister Roman Waizenegger mit Zahlen. Die Bisinger Feuerwehr leistete demnach Tausende Einsatzstunden aus Anlass des Hochwassers, hinzu kommen die Einsatzstunden der Überlandhilfen benachbarter Feuerwehren. Insgesamt kommen so rund 2700 Einsatzstunden zusammen. Wirklich beziffern lässt sich das Engagement jedoch nicht, denn hinzu kommen die Einsätze weiterer Rettungsdienste wie DRK, DLRG und THW, sodass die Zahl eigentlich noch spürbar höher ist.

Kosten bisher

Schon genauer beziffern lassen sich dagegen die Kosten. Die unbürokratische Nutzung des Abfallwirtschaftszentrums kostet demnach rund 50 300 Euro. Für das THW werden 13 000 Euro abgerechnet; die Überlandhilfe der benachbarten Feuerwehren und der Einsatz von Saug- und Spülfahrzeugen summiert sich auf weitere 53 400 Euro; 29 600 Euro gehen an die Feuerwehr Bisingen – was auf das Mitglied heruntergebrochen ein kleiner Anerkennungsbetrag darstellt. Bürgermeister Roman Waizenegger nutzte die Gemeinderatssitzung deshalb nicht zuletzt, um den Mitgliedern der Rettungsdienste nochmal für ihren engagieren Einsatz zu danken.

Bis in die Nacht im Einsatz

Davon erzählt Jonas Ruff weiter: Bis in die Nacht waren er und seine Kameraden unter anderem am Marktplatz bei Aufräumarbeiten im Einsatz, und das bis in die frühen Morgenstunden. Gegen drei, halb vier, „waren wir mit den Kräften am Ende“. Ruff: „Am Freitagmorgen haben wir weitergemacht und ein Gebäude nach dem anderen leergepumpt“. Zudem hat die Feuerwehr natürlich auch den Keller ihres eigenen Feuerwehrhauses, der ebenfalls unter Wasser stand, bis Samstagabend leergeräumt. „Hoffen wir, dass das so schnell nicht mehr sein wird“, äußert sich der Stellvertretende Kommandant zum Hochwasser.

Vom Hochwasser lernen

Was unter anderem vom Hochwasser bleibt, ist, Lerneffekte aus den gemachten Erfahrungen für künftige Katastrophenlagen zu nutzen. Waizenegger: „Wir müssen schauen, wie und wie schnell man die Bevölkerung warnen kann.“ Eine Nachbesprechung der „Führungsgruppe Feuerwehr“, an der auch der Kreisbrandmeister teilnehmen wird, soll noch in diesem Monat stattfinden.

Maßnahmen ergreifen

Darüber hinaus soll das Starkregenrisikomanagement vorangetrieben werden. Dieses liegt für Zimmern, Wessingen und Thanheim schon vor, für Bisingen und Steinhofen gibt es einen Entwurf. Haken am Risikomanagement: Es basiert auf Berechnungen. Das Hochwasser vom 2. Mai hat bereits gezeigt, dass die Berechnungen der Realität nicht an jeder Stelle standhalten. Wie Waizenegger berichtet, sei Bisingen eine der ersten Kommunen im Landkreis gewesen, die ins Starkregenrisikomanagent eingestiegen seien, aber natürlich sei es bedauerlich, dass es für Bisingen und Steinhofen noch nicht abgeschlossen ist.

Dieses Gutachten mündet in konkrete Maßnahmen, die – so betont Waizenegger – ein Hochwasser „lenken und puffern“ kann, denn „aufhalten kann man solche Wassermassen nicht“.