Der Gemeinderat Bisingen legt der Glaubensgemeinschaft der „Nazarener“ keine Steine in den Weg. Diese will den Festsaal Julius im Gewerbegebiet Nord in ihre neue Heimat verwandeln.
Bei der Gemeindeverwaltung ging im April eine Bauvoranfrage der Gemeinschaft der evangelischen Taufgesinnten, die sich „Nazarener“ nennen, ein. Ihr Anliegen: Sie möchten eine Nutzungsänderung des Festsaals Julius im Gewerbegebiet „Bisingen Nord“ vornehmen, bei welcher der Festsaal in einen Saal für kirchlich-religiöse Zwecke und die dortige Betriebsleiterwohnung in eine Hausmeisterwohnung umgewandelt wird.
Die „Nazarener“ haben ihren Sitz derzeit in Balingen. Die Gruppe hat 85 Mitglieder, wie deren Vorsitzender Helmuth Haas den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung mitteilte. Die religiöse Gemeinschaft treffe sich immer mittwochs, samstags und sonntags – unter anderem zu Chorproben. Zu den Treffen kommen laut Haas in der Regel 130 Personen.
„Wir sind auf der Suche nach einer neuen Heimat, die Kapazität unserer aktuellen Räumlichkeit reicht nicht mehr aus“, erläutert der Vorsitzende des Vereins die Hintergründe der Anfrage. Der Festsaal Julius in Bisingen sei optimal, da auch barrierefrei. Viele Anhänger der Glaubensgemeinschaft wären im fortgeschrittenen Alter.
Doch: In den Unterlagen für die Gemeinderatssitzung positionierte sich die Bisinger Verwaltung kritisch zu den Plänen der „Nazarener“. Einerseits gehe durch die Umnutzung der industrielle Charakter im Gewerbegebiet noch weiter verloren, dazu prognostizierte die Gemeinde ein Parkplatzproblem. 46 Stellplätze für Autos stehen auf dem Areal zur Verfügung; bei einer möglichen Maximalauslastung von Essenssaal und Kirchenbereich mit 456 Personen gebe es daher deutlich zu wenig Parkplätze. Dazu komme die Lärmbelästigung durch die Industriebetriebe.
„Lärm sind wir gewohnt“
Für Helmuth Haas ist insbesondere letzteres Argument kein Problem. „Unser bisherige Räumlichkeit liegt direkt an einer Hauptstraße. Lärm sind wir gewohnt.“ Auch zur von der Gemeinde prognostizierte Maximalauslastung werde es nicht kommen. Für die Bisinger Bürger sei es zudem angenehmer, wenn nicht irgendwo im Ortskern die Straßen für die Treffen der „Nazarener“ zugeparkt werden.
Und auch die Gemeinderäte sahen in der Nutzungsänderung des Festsaals mehrheitlich kein Problem. Christoph Michailidis, Gemeinderat der Freien Wähler, betonte, dass das Parkplatzproblem auch bei der derzeitigen Nutzung bestehe. „Das ist nichts Neues.“ Über das Wochenende sei bei den Betrieben im Gewerbegebiet aber ohnehin wenig los.
Betreiber wollen verkaufen
Gisela Birr (SPD) und Dieter Fecker (CDU) erklärten, dass sie der Glaubensgemeinschaft ebenfalls keine Steine in den Weg legen wollen. Auch, weil das Interesse der „Nazarener“ für das bisherige Betreiber-Ehepaar Polovoj des Festsaals Julius wie gerufen kam. Denn: Die Eigentümer wollen verkaufen.
Eine Ausnahme war Dieter Fecker aber wichtig: Die Umwidmung der Betriebsleiterwohnung in eine Hausmeistermeisterwohnung sei mit ihm nicht zu machen. „Das war damals für den Festsaalbetrieb eine Ausnahme, die wir zugelassen haben“, betont Fecker. Für den Betrieb, den die „Nazarener“ vorsehen, sei ein Übernachtungsbedarf nicht nötig.
Ausnahme für Hausmeisterwohnung
Folglich wurde das städtebauliche Einvernehmen – im Gegensatz zum Vorschlag der Verwaltung – vom Gemeinderat erteilt. Aber eben mit der Ausnahme der Hausmeisterwohnung. Bürgermeister Roman Waizenegger betonte trotzdem: „Für mich gehört eine Glaubensgemeinschaft in die Ortsmitte.“ Eine Hürde müssen die „Nazarener“ indes noch nehmen. Denn das letzte Wort hat die untere Baurechtsbehörde des Landkreises.