Soll weg: das leerstehende Einkaufszentrum s’Rössle in Schwenningen. Foto: Daniela Schneider

In rasantem Galopp beschloss der Gemeinderat am Mittwochabend eine neue Zukunft für Schwenningen – ohne das ’s Rössle in seiner jetzigen Form. Denn das, da waren sich alle einig, „muss weg“.

„Mir ist wichtig, dass wir das Rössle nicht isoliert betrachten“, so Oberbürgermeister Jürgen Roth, sondern ein Szenario für die komplette Innenstadt ins Auge gefasst werde.

 

Kirsten Hellstern, die Leiterin des Stadtplanungsamts, ließ sich das nicht zweimal sagen und skizzierte in ihrer Einführung die großen Herausforderungen für die Mitte Schwenningens von Museum über Galerie, Stadtbücherei bis hin zur Kita, der VHS und auch mit dem Blick auf die Bestandsgebäude für die einzelnen Bereiche.

Umbauen und den Bestand nutzen oder Abreißen und neu bauen, diese zwei Rössle-Szenarien lagen, ganz grob gesagt, auf dem Gemeinderatstisch am Mittwochabend. Variante eins, der Erhalt, sähe den Kauf des Rössles mit späterem Umbau für die Unterbringung der Stadtverwaltung (Winkelstraße 9), Stadtbibliothek und VHS vor – Kostenschätzung 73 Millionen Euro.

In der zweiten Variante, dem Abbruch, würde die Stadt das Rössle ebenfalls kaufen, dann aber abreißen zugunsten eines Neubaus für die Verwendung für die Stadtverwaltung, die Stadtbibliothek und die VHS – Kostenschätzung: 59 Millionen Euro.

In beiden Fällen geht man von maximal zehn Millionen Euro Fördergeld aus. Gemeinsam haben beide Konzepte den Verkauf der VHS-Bestandsimmobilie und der Janusz-Korczak-Schule sowie die Entwicklung der Fläche im Bereich Alter Angel, die südlich des Rössles liegt.

Spräche sich der Gemeinderat gegen den Kauf des Rössles aus, wäre dessen Sanierung allerdings unumgänglich, so Hellstern, Kostenpunkt: 26,9 Millionen Euro.

Beide Szenarien haben ihren Reiz, auch das wurde deutlich. Aus den Wortmeldungen der Stadträte ging aber alsbald ein glasklarer Favorit hervor.

Das sagen die Stadträte

Dirk Sautter, CDU, findet, „es ging jetzt sehr lange, aber ich denke, mit der Variante zwei, dem Abriss, hätten wir etwas, das wir in Zukunft optimal nutzen könnten, und es würde maximale Flexibilität mit sich bringen.“ Die CDU unterstütze auf jeden Fall Variante zwei. Sie wollen, dass gegebenenfalls die Abrissarbeiten noch in diesem Jahr beginnen. Und auch an den Verkäufer HBB, der schon vieles versprochen hat, hat er eine klare Botschaft: „Wir sind nicht zu jedem schmutzigen Preis bereit, es muss für uns auch verträglich sein.“

Andreas Flöß, Freie Wähler, glaubt, mit Variante zwei werde man „frei“ und könnte man selbst etwas entwickeln. Im Kostenrahmen von 59 Millionen sei wirklich alles aufgeführt. „Wir brauchen eine Initialzündung für den Stadtteil Schwenningen“, da es kein anderer mache, müsse VS selbst aktiv werden. „Im Grunde ist das ein unglaublich guter Tag für Schwenningen“, letztlich stoße man hier jetzt eine Investition von 80 Millionen Euro in den Stadtbezirk an. Das müsse nun Investoren anlocken, die beispielsweise Wohnungen bauen. „Wir brauchen eine Aufbruchstimmung, es muss jetzt einfach zünden.“ Und auch er blickt nun erwartungsvoll in Richtung HBB, wenn er sagt: „Wir machen keine preisliche Sauerei mit!“

Ulrike Salat von den Grünen sprach sich ebenso für Variante zwei aus und hofft auf den „richtigen Preis“ .

Olaf Barth von der AfD sagte zu, auch seine Fraktion werde zumindest mehrheitlich der Variante zwei zustimmen. „Ich freue mich schon darauf, das fertige Projekt dann mal zu sehen.“

Nicola Schurr, SPD, sieht das „Herzstück von Schwenningen“ mit der zweiten Variante vor neuen Möglichkeiten, „Historisches mit Neuem zu verbinden“, und freut sich – „faire Verhandlungen“ vorausgesetzt – auf ein gutes Konzept.

Frank Bonath, FDP, wollte das „alte, hässliche Ding“ noch nie erhalten und befürwortet den Abriss seit jeher. Faktisch könne sich VS das Projekt jedoch nicht leisten. Eine Obergrenze von 175 Millionen Euro an Schulden für die Stadt, die sich der Gemeinderat vorgenommen habe, setze Fragezeichen hinter die Finanzierbarkeit, von der er dennoch hoffe, dass das gelingt.

Ein wenig optimistischer blickte OB Roth auf genau diesen Punkt: Im Haushaltsplan seien schon einige Summen enthalten, man starte also haushalterisch nicht bei Null.

Das wurde beschlossen

Die Beschlussfassung war nach diesen Wortmeldungen am Mittwochabend eine reine Formalie. Die Stadträte sprachen sich klar, einstimmig, für die zweite Variante aus und beauftragten die Stadtverwaltung mit den Kaufverhandlungen. Bei 25 Ja-Stimmen, zwei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen fiel ebenfalls ein Votum dafür, die Abbrucharbeiten voranzutreiben und ein Konzept vorzulegen, möglichst bis gegen Jahresende.