Ungerecht oder unvermeidbar? Der Balinger Gemeinderat hat über den Preis von Kita-Essen diskutiert – und eine Entscheidung getroffen.
Gerechtigkeit – um nichts geringeres ging es SPD-Stadträtin Annegret Lang in der jüngsten Sitzung des Balinger Gemeinderates. „Das Mensa-Essen der Schulen wird in Balingen seit Jahren bezuschusst“, sagt sie.
Das Kita-Essen ist hingegen deutlich teurer: Derzeit kostet ein Grundschulessen 4,20 Euro, das Essen für die Kindergartenkinder 4,60 Euro. Die Kosten tragen die Eltern mit einer monatlichen Pauschale von 79 Euro allein.
Das müsse sich ändern, finden die Sozialdemokraten in der Eyachstadt. Aus diesem Grund haben sie am 30. September einen Antrag auf Bezuschussung eingereicht. Kostenpunkt sind 28 000 Euro mehr pro Jahr für die Stadt. In Zeiten klammer Haushaltskassen sorgt das für Diskussionen.
Debatte unter den Freien Wählern
Ob die Elternschaft an die Partei herangetreten sei und den Wunsch geäußert habe, wollte Wolfgang Jetter von den Freien Wählern wissen; er steht den Mehrausgaben kritisch gegenüber.
Anders sieht das sein Fraktionskollege Christof Seisser: „Wir haben darüber intern sehr kontrovers diskutiert. Ich bin stark dafür.“ Wenn man ausschließlich die derzeitige Haushaltslage betrachte, sehe es vielleicht so aus, als sei der Antrag der SPD aus der Zeit gefallen.
Doch Balingen bezeichne sich selbst als familienfreundliche Stadt. Allein deshalb sei es wichtig, das Kita-Essen zu bezuschussen. Seisser selbst ist vierfacher Großvater. Zwei seiner Enkel sind im Kindergartenalter.
Reuß: „Das ist gut investiertes Geld“
Er hält ein Brötchen in die Höhe: „So einen Wecken essen die zu zweit und dann ist immer noch was übrig“, sagt er mit Nachdruck. Es sei nicht argumentierbar, dass das Essen für die Kleinen teurer ist als für Schulkinder.
Zustimmung für den Antrag gab es auch aus den Reihen der FDP. Stephan Reuß: „Das Mittagessen in der Kita ist für viele Kinder das einzige Mal am Tag, dass sie in einer Gruppe essen.“ Essen sei ein soziales Ereignis. „Das ist gut investiertes Geld!“
Ähnlich sieht das Balingens Oberbürgermeister Dirk Abel: Ja, die Haushaltslage sei angespannt, „aber das müssen und sollten wir uns leisten.“
72 statt 79 Euro monatlich
Die Stadtverwaltung geht nach aktuellen Berechnungen davon aus, dass die Pauschale pro Essen auf 4,20 Euro reduziert wird. Das entspricht künftig 72 Euro pro Monat. Laut Stand vom 1. März sind 329 Kinder in der Eyachstadt für das Mittagessen angemeldet. In den Kitas wie auch den Schulen übernimmt das Landratsamt die Verpflegungskosten für einkommensschwache Familien.
Die Ratsmitglieder stimmen dem Antrag der SPD bei je einer Gegenstimme und Erhaltung mehrheitlich zu. Ab dem Kindergartenjahr 2026/2027 wird die Stadt das Essen bezuschussen – und beendet damit die bisherige Ungleichbehandlung zwischen Kita- und Schulkindern.