Der Gemeinderat Bad Dürrheim berät erneut über das historische Haus des Gastes. Finanzierung, Förderkulisse und nächste Schritte stehen dabei im Mittelpunkt.
Der Gemeinderat Bad Dürrheim hat bereits 2024 in einer Sitzung die Reaktivierung und Sanierung des denkmalgeschützten Haus des Gastes (HdG) zur Nutzung als Verwaltungsstandort beschlossen. Nun steht der Punkt erneut auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung.
Der Kauf des Haus des Gastes war im Haushalt 2025 aufgrund fehlender Mittel nicht mehr vorgesehen. Da es für die Sanierung des Gebäudes allerdings eine Verlängerung des Sanierungsgebiets über die Frist von April 2028 bedarf, muss diese beantragt werden, das geht aus den Unterlagen des Gemeinderats hervor.
Regierungspräsidium und Ministerium haben klargestellt, dass die weitere Fortführung der einmaligen Förderkulisse an die Realisierung des Projekts gekoppelt ist. Das bedeutet, dass deutlich nachweisbare und glaubwürdige Umsetzungsschritte gefordert sind – insbesondere der Ankauf des historischen Gebäudes – ansonsten besteht das Risiko, dass die Förderung nicht weiter verlängert wird und Förderungen von circa 50 Prozent verloren gehen.
Die Geschichte des Hauses des Gastes
Das Haus des Gastes sei ursprünglich ein Siederhaus gewesen, erläutert Sandra Feria Olid aus dem Fachbereich Digitalisierung – ein Ort der Arbeit, des Wandels, aber auch der Gemeinschaft. „Es war das Herz der Stadt“, berichtet sie und dazu soll es nun wieder werden.
Als erster Schritt sei der Ankauf des Haus des Gastes von der Kur und Bäder GmbH geplant – mit einer Summe von etwa einer halben Million Euro. Der Abschluss der Leistungsphase eins bis drei und die verpflichtende europaweite Ausschreibung der Planungsleistung erfolge im vierten Quartal 2026, erklärt Stadtbaumeisterin Petra Schmidtmann.
2027 gehe es an die Vorbereitung der Unterlagen zur Förderung für den Ausgleichsstock und Mitte 2028 folge der Baubeginn. 2030 soll das Haus des Gastes dann fertiggestellt sein.
Keine annehmbare Alternative zum Haus des Gastes
Die gesamten errechneten Sanierungskosten belaufen sich auf etwa 15 Millionen Euro, mit den angedachten Förderungen, kostet das die Stadt ohne Erwerbskosten 6,1 Millionen Euro, erläutert Schmidtmann.
Mit einem KI-generierten Bild des Haus des Gastes, das dessen möglichen Verfall zeigt, beendet Feria Olid den Vortrag – und erzielt beim Publikum einige geschockte Gesichter. Sie betont, dass niemand wolle, dass das Haus des Gastes zu einem „Lost Place“ – einem verlassenen Ort – verkomme.
Jonathan Berggötz fügt den Ausführungen noch hinzu, dass der Anbau des Rathauses aufgrund seines schlechten Zustandes keine annehmbare Alternative darstelle. Eine Sanierung oder ein Neubau wären nicht wirtschaftlich, erklärt er. Die Stadtverwaltung in das Haus des Gastes ziehen zu lassen, sei daher eine gute Lösung. Nun müsse dieses Projekt nur noch umgesetzt werden.
Gemeinderätin Karen Roeckl (LBU) meint dazu: „Es ist nicht nur eine Frage des Wollens, sondern auch des Könnens.“ Wichtig sei, dass man sich die Sanierung des historischen Gebäudes auch leisten könne. Barbara Fink von der CDU-Fraktion stimmt dem zu und gibt zu bedenken: „Unsere Aufgabe ist es, dass uns der Haushalt 2026 und die weiteren Haushalte genehmigt werden.“
Der Beschluss des Bad Dürrheimer Gemeinderats
Ein Lichtstrahl am Horizont für die Finanzierung sei die LuKIFG, die Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen von Ländern und Kommunen, erklärt Stadtkämmerer Stefan Milles. Hier können Gelder aus dem Sondervermögen der Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes zur Finanzierung des Projekts vorgezogen werden. So dass die Stadt weniger Zinsen durch nicht benötigte Kredite zu erwarten hätte.
Der Gemeinderat beschließt daraufhin einstimmig, dass das Haus des Gastes künftig als Verwaltungsgebäude genutzt wird. Die Verwaltung wird darüber hinaus damit beauftragt, die hierfür erforderlichen Maßnahmen zur Nutzung, Anpassung und Ausstattung des Gebäudes zu veranlassen und die notwendigen rechtlichen sowie baulichen Voraussetzungen zu prüfen beziehungsweise umzusetzen.
Maßnahmen unter anderem zur Nutzung und Einsparung im weiteren Verlauf des Projekts werden aufgrund eines Antrags der CDU in den Beschlussvorschlag mitaufgenommen.