Am Ende ihrer jüngsten Zusammenkunft erhoben sich die Mitglieder des Altensteiger Gemeinderats geschlossen von ihren Stühlen, um Gerhard Feeß zu applaudieren, der soeben nach 33 Jahren im Amt seine letzte öffentliche Sitzung als Bürgermeister hinter sich gebracht hatte.
Gerhard Feeß hatte bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt, dass er sich nicht um eine dritte Amtszeit auf dem Chefsessel des Altensteiger Rathauses bewerben werde. Nun rückt das Ende näher: Die offizielle Verabschiedung findet am Samstag, 26. April, statt.
33 Jahre im Amt (knapp die Hälfte davon in Altensteig) – das entspräche rund 3000 Gemeinderats- und Ausschusssitzungen, hat der scheidende Schultes ausgerechnet. „Um meine geistige Gesundheit nicht zu gefährden, habe ich das nicht auch noch auf Stunden hochgerechnet“, fügte er hinzu. Sein Dank gelte allen, die „die vergangenen 16 Jahre mitgegangen sind“.
Keine Schleimspuren oder Honiggläser
Er sei nicht bekannt dafür, „Schleimspuren oder Honiggläser zu verteilen“, aber während seiner gesamten Amtszeit in Altensteig habe er sich stets auf einen „sehr guten Gemeinderat“ verlassen können, der zwar oft kontrovers, aber doch immer an der Sache orientiert diskutiert habe. In seinen Dank schloss er die Mitarbeiter der Verwaltung ausdrücklich mit ein.
„Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, sieht, was wir erreicht haben“, fuhr Feeß fort. Das Volumen der Haushaltspläne in dieser Zeit summiere sich auf mehr als 1,1 Milliarden Euro. Allerdings entfielen davon nur 206 Millionen Euro auf Investitionen – „der Rest waren Dienstleistungen“.
„Sie haben stets alle Diskussionen in Ruhe moderiert“
Was die Aufgabenerfüllung angeht, rangiere die Flößerstadt indes unter den besten zehn Prozent der Gemeinden in Baden-Württemberg. Vor diesem Hintergrund halte er auch den Schuldenstand von 23 Millionen Euro für vertretbar. Auf den Gemeinderat, so seine Prognose, kämen auch in Zukunft „sehr viel Beratung, sehr viele Diskussionen und sehr viel Verantwortung“ zu.
Feeß’ erster Stellvertreter, FWV-Stadtrat Michael Löb, erwiderte namens des Gemeinderats die Dankesworte. In der Vergangenheit habe man viel Augenmerk auf Bildungs- und Betreuungsangebote gelegt – „die Kinder sind unsere Zukunft und benötigen eine gute Infrastruktur“ –, aber auch viel Geld in den Tiefbausektor investiert. „Sie haben stets alle Diskussionen in Ruhe moderiert“, blickte Löb zurück, bevor er Feeß für sein Engagement und seinen Einsatz dankte.
Einen mit Osterglocken bepflanzten Fahrradhelm verschenkt
Abschließend versammelten sich die Fraktionssprecher und Gerhard Feeß vor der Verwaltungsbank. Dort überreichte FWV-Chef Berti Großmann im Namen des Gremiums dem Noch-Bürgermeister zum Abschied ein an dessen sportlicher Leidenschaft orientiertes Präsent: Einen mit Osterglocken bepflanzten Fahrradhelm nebst einem Gutschein für einen Aufenthalt im österreichischen Mountainbike- und Downhill-Eldorado Saalbach-Hinterglemm.
Danach mussten sich Gerhard Feeß und die Mitglieder des Gemeinderats allerdings noch einmal an die Arbeit machen: Eine nichtöffentliche Sitzung schloss sich an.