Riesige Müllberge vor seiner Tür in der Ebinger Bahnhofstraße müssen die Verantwortlichen des Kauf-Wasch-Cafés auf eigene Kosten entsorgen. Foto: Patricia Seibert-Klöck

Zum wohl ersten Mal fließt Geld aus dem Sondervermögen Roll als Zuschuss zu Müllgebühren. Der Grund ist ein Aufreger.

Müll vor der Tür – das erleben die Betreiber des Kauf-Wasch-Cafés in der Bahnhofstraße immer wieder. „Die Leute stellen einfach Sachen ab und lassen sie stehen“, hat Micha Haasis, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Balingen, bei deren 80-Jahr-Jubiläum berichtet. „Für uns ist das ein riesiges finanzielles Problem.“ Denn die Müllgebühren trägt die soziale Einrichtung, die aufgrund sinkender Kirchensteuereinnahmen und steigender Kosten mit immer spitzerem Bleistift rechnen muss.

 

Hinzu kommen die Entsorgungskosten für Kleidung, denn „an wertiger Kleidung bekommen wir immer weniger“, sagt Haasis mit Blick auf das Kauf-Wasch-Café, wo zwar Second-Hand-Kleidung verkauft wird, aber eben nur solche, die noch gut tragbar ist – kein Ramsch.

Die Konfirmanden und Ehrenamtlichen sind die Tragenden

Um den Müll und Sperrmüll, den manche einfach vor der Tür der sozialen Einrichtung abladen, zu entsorgen, hatte die Diakonische Bezirksstelle einen Aufräumtag veranstaltet, an dem die Konfirmanden aus Tailfingen, Pfeffingen und Ebingen anderthalb Container, weitere Ehrenamtliche ebenfalls anderthalb Container füllten.

Weil die Träger des Kauf-Wasch-Cafés, die Diakonie und die evangelische Kirchengemeinde Ebingen, die Müllgebühren – 1800 Euro fallen jährlich an – nicht mehr alleine stemmen können und es „trotz aller Bemühungen“ nicht gelungen sei, sie zu reduzieren, wie es in der Sitzungsvorlage heißt, hat der Gemeinderat nun zugestimmt, 1000 Euro Zuschuss zu den Müllgebühren aus dem Sondervermögen Roll zu bewilligen. Der 2005 verstorbene Bildhauermeister Georg Roll hatte sein Vermögen der Stadt vererbt, die aus der „Stiftung Georg Roll“, wie dieser es testamentarisch verfügt hatte, soziale Zwecke sowie „hilfsbedürftige Einwohner der Stadt Albstadt in besonderen Notlagen“ unterstützt.

Wichtig für bedürftige Menschen

Weil das Kauf-Wasch-Café bedürftigen Menschen zu Gute kommt – auch als Wärmestube mit der Möglichkeit, Kleidung zu waschen, sahen die Gemeinderäte den Stiftungszweck als erfüllt an und votierten einstimmig für den Zuschuss.

Peter Demmer (SPD) wies zudem darauf hin, dass im Kauf-Wasch-Café 2800 ehrenamtliche Stunden jährlich geleistet würden. Oberbürgermeister Roland Tralmer kommentierte, dass der Sozialdezernent des Landratsamts bisher „wenig freigiebig“ bei der Unterstützung der Müllgebühren gewesen sei, dass Landrat Günther-Martin Pauli aber nun Abhilfe zugesagt habe, um die Einrichtung künftig nicht damit im Regen stehen zu lassen. Dass Geld aus der Stiftung Roll soll den Trägern noch in diesem Jahr überwiesen werden.