Im Rathaus Albstadt werden die Kompetenzen neu verteilt: Die Finanzen wechseln aus dem Dezernat zwei ins Dezernat eins; aus dem Finanzbürgermeister Steve Mall wird ein Sozialbürgermeister.
Das Geld wird in Zukunft Chefsache sein; die Kämmerei wird dem Oberbürgermeister direkt unterstellt – dass ist die gravierendste Änderung, die die Stadtverwaltung an ihrer eigenen Struktur vorgenommen und der Gemeinderat am Donnerstag mit 23 Ja- und zehn Nein-Stimmen abgesegnet hat. Die Reformer versprechen sich davon kürzere Entscheidungsprozesse und die vielberufenen Synergieeffekte, vor allem bei Haushalts-, Stellen- und Budgetplanung und beim Kostencontrolling.
Als „Entmachtung“ des bisherigen Finanzbürgermeisters Mall wollen weder er selbst noch Oberbürgermeister Roland Tralmer die Neuordnung verstanden wissen – vielmehr als Entlastung, die Kräfte für andere Aufgaben von wachsender Bedeutung freisetzt: Im Dezernat zwei soll man sich in Zukunft wesentlich intensiver als bisher um Bürgerservice, öffentliche Ordnung, das Vereinswesen und die in einem Amt vereinten Arbeitsfelder Familie, Bildung, Sport und Soziales kümmern können.
Das Schlüsselwort lautet Service
Das Schlüsselwort lautet Service: Durch Zusammenlegung von Einwohner- und Standesamt entsteht ein neues „Amt für Einwohnerservice“, in dem bisher getrennte städtische Dienstleistungen zusammengefasst werden. Davon soll nicht zuletzt der Bürger profitieren, dem vereinfachte Abläufe, verkürzte Verfahren, eine forcierte Digitalisierung und nicht zuletzt längere Behördenöffnungszeiten in Aussicht gestellt werden. Im Zuge seiner Verwandlung ins Amt für Einwohnerservice wächst das bisherige Einwohneramt um 4,05 Stellen, von denen 3,05 aus dem Standesamt und eine aus der Rathausinformation kommen – die Arbeitsplätze bleiben freilich fürs Erste, wo sie sind; Konzepte für Umzüge gibt es momentan nicht.
Die antiqierten Billett-Automaten sollen weg
Auch die Pläne, aus dem Rathausfoyer mit seinem antiquierten Billett-Automaten eine Heimstatt der Willkommenskultur zu machen, müssen noch warten. Nur das Glashaus neben dem Fahrstuhl soll verschwinden und an seiner Stelle eine Servicestelle für Unaufwendiges entstehen – wer nur seinen neuen Pass abholen will, soll keine Ewigkeiten warten müssen. Der Weg zu längeren Öffnungszeiten wird bereits am kommenden Dienstag beschritten: Das Einwohneramt schließt morgens bereits um 11.30 statt um 13 Uhr, ist dafür aber erstmals nachmittags geöffnet, von 14 bis 16 Uhr.
Bleibt noch das Dezernat drei. Hier tut sich nicht ganz so viel wie in den Dezernaten eins und zwei. Das Amt für Bauen und Service, dem in den vergangenen Jahren immer neue Aufgaben zugewachsen sind, wird von einigen entlastet, und zwar durch die Umwandlung der Abteilung Tiefbau in ein eigenständiges Amt – neuer Amtsleiter wird Volker Maute, der schon bisher für den Tiefbau zuständig war. Energiemanager Axel Marin, Klimaschutzmanager Simon Stüve und die GIS-Verantwortliche Karin Südmeyer wechseln ins Stadtplanungsamt – auch das soll Synergien bringen.
„Jeder Haushalt landet am Ende beim OB“
Nicht alle Stadträte waren einverstanden; die Freien Wähler und ein Teil der SPD stimmten gegen die Reform. Durch den Wechsel der Kämmerei ins Dezernat eins gehe eine Kontrollinstanz verloren, warnte Martin Frohme (SPD) – im Rathaus werde nicht nur dezernatübergreifend kontrolliert, hielt Tralmer entgegen, „und dann gibt es ja auch noch Sie.“ Dass er sich zuviel zumute, wies er von sich: „ Ich bin belastbar – und außerdem landet am Ende ja doch jeder Haushalt auf dem Tisch des OB.“
Blieb die Frage, was die Reform kostet. Die Stadt strebt an, sie kostenneutral zu verwirklichen; dass das funktioniert, können sich die Kritiker nicht vorstellen – allein die Aufwertung des Abteilungsleiters Tiefbau zum Amtsleiter verursache doch Zusatzkosten. Wie viel? Hauptamtsleiter Michael Glökler musste die Antwort vorerst schuldig bleiben – der neue Stellplan liegt noch nicht vor. „Kommt aber demnächst.“