Die Abrissbrache der Tailfinger Lammerberg-Realschule – im Hintergrund sieht man das Progymnasium. Foto: Kistner

Zu früh gefreut: Die Kosten des Abbruchs der Lammerberg-Realschule erhöhen sich nachträglich beträchtlich. Unter anderem, weil der Planer sich verrechnet hat.

Als ob Sanierung und Neubau des Tailfinger Schulzentrums Lammerberg nicht schon genug Geld gekostet hätten – jetzt übersteigen auch die Kosten des Abbruchs der Realschule die Angebotssumme, zu der er vergeben worden war, um fast 300 000 Euro. Der Albstädter Gemeinderat hat die Nachtragszahlung an die Winterlinger Firma Libare Rückbau am Donnerstag bewilligt.

 

Die Gründe: Wie sich herausgestellt hat, ist dem Stuttgarter Architekturbüro Kilian & Partner bei der Berechnung der Kubatur der Lammerberg-Realschule zum Zwecke des Abbruchs ein Lapsus unterlaufen: Sie betrug nicht 16 100, sondern 19 800 Kubikmeter; entsprechend größer ist auch die Masse des Bauschutts, den es zu entsorgen gilt. Mehr Masse bedeutet: höhere Kosten.

Verunreinigung des Grundwassers möglich

Das ist noch nicht alles. Anders als der Abbruchschutt der Betonteile lassen sich die Überreste der zerschredderten Ziegel nicht wie anfangs geplant recyceln: Sie enthalten mehr Sulfate als ursprünglich angenommen; die Untere Naturschutzbehörde hält eine Verunreinigung des Grundwassers und der Schmiecha nicht für ausgeschlossen und wird der Wiederverwendung des Materials nicht zustimmen. Es muss deshalb abtransportiert und entsorgt werden. Auch das kostet zusätzliches Geld. Des weiteren konnte die Stützmauer der südlichen Baustellenzufahrt nicht wie ursprünglich vorgesehen aus Betonsystemblöcken, sogenannten „Betonlegosteinen“, errichtet werden: Sie hätten dem Gewicht der schweren Baulaster nicht standgehalten. An ihrer Stelle wurden L-Steine verwendet, und die kosten mehr.

Kosten betragen fast 600 000 Euro

Die Rampe der südlichen Baustellenzufahrt – links sieht man die L-Steine der Stützmauer. Foto: Kistner

Weiter oben am Hang, in direkter Nachbarschaft zum Progymnasium, bereitet eine andere Stützmauer Probleme. Sie war schon da und sollte entfernt werden; anders als angenommen wartete auf ihrer Rückseite aber nicht der Hang, sondern wabenähnliche betonierte Hohlräume. Das bedeutete zusätzlichen Aufwand und zusätzliche Kosten.

Wo diese garagenartigen Öffnungen sitzen, war Hang erwartet worden – billiger wird die Sache dadurch nicht. Foto: Kistner

Die Firma Libare hatte den Abbruchauftrag für ein Angebot von 306 697 Euro erhalten; das war ein Drittel der ursprünglich veranschlagten Kosten. Im Rathaus hat man sich zu früh gefreut: Durch die beschriebenen Betriebsunfälle ist der Abriss fast doppelt so teuer geworden; die Kostenprognose beträgt jetzt 590 000 Euro.

Wäre der höhere Aufwand zu vermeiden gewesen?

„Wenn ich Murks mache, hafte ich doch auch“

Muss die Stadt die Differenz bezahlen? WSA-Stadtrat Tobias Schlegel erkundigte sich hörbar erregt bei der Verwaltung, warum jetzt die Stadt zur Kasse gebeten werde und nicht der Verursacher des Malheurs. „Wenn ich etwas vermurkse, werde ich doch auch haftbar gemacht.“ Der Rechenfehler gehe ebenso wie die unzulängliche Erkundung zu Lasten des Architekturbüros, und was die Hohlräume hinter der Stützmauer angehe – auf die hätte man vorbereitet sein müssen, denn man habe zuvor bereits Ähnliches beim Progymnasium erlebt.

Ob die Verwaltung das nicht genauso sehe?

Für die Stadt noch nicht erledigt

Im Prinzip schon: Baubürgermeister Roland Schmidt versicherte Schlegel, dass die Angelegenheit für die Stadt noch nicht erledigt sei – man behalte sich angemessene Maßnahmen vor. Allerdings muss erst einmal nachgewiesen werden, dass der zusätzliche Kostenaufwand sich hätte vermeiden lassen, wenn man früher Bescheid gewusst hätte.