Die Fraktionsvorsitzenden des Balinger Gemeinderats fordern die Verwaltung zum Handeln auf. Eine denkbare Lösung wäre ein Containerdorf, wie bisher für Flüchtlinge geplant war.
Ein starkes Unwetter wie jüngst in Bisingen, ein zerstörerischer Brand, eine plötzliche Trennung oder schlicht ein ausgelaufener Mietvertrag: Die Umstände, die dazu führen können, dass Menschen in eine Notsituation kommen und plötzlich ohne Dach über dem Kopf auf der Straße stehen, sind vielfältig und oft nicht beeinflussbar.
Eine Kommune ist verpflichtet Menschen, die in Not geraten sind, in solchen Fällen eine Notunterkunft zur Verfügung zu stellen.
In Balingen gibt es mehrere solcher Unterbringungen. Jedoch seien diese teilweise in schlechtem Zustand, wie aus einem gemeinsamen Antrag der Fraktionsvorsitzenden des Balinger Gemeinderats hervorgeht. Die städtischen Unterkünfte seien teilweise „menschenunwürdig“, berichten gleich mehrere Gemeinderäte.
Menschen aus allen Lebenslagen treffen dort aufeinander, teilen sich das Zimmer, die Küche und das Bad. „Es gibt keine Privatsphäre“, sagt Natalie Hahn (SPD) „und keine Möglichkeit, eine gewisse Hygiene aufrecht zu erhalten“, fügt Wolfgang Hallabrin (Freie Wähler) hinzu.
Menschen brauchen auch soziale Unterstützung
Einzelne Einrichtungen seien verdreckt, zugemüllt, die vorhandenen Gerätschaften und Möbel kaputt und unangenehme Gerüche – vermutlich eine Mischung aus Alkohol, Fäkalien und ähnlichem – hängen dauerhaft in der Luft. „In so einem Umfeld aus eigener Kraft wieder aus einer Notsituation herauszukommen, ist sehr schwierig“, weiß Natalie Hahn. „Diese Menschen brauchen auch soziale Unterstützung.“
Unterstützungsangebote müssen koordiniert werden
Zwar gebe es mit dem Caritasverband für das Dekanat Zollern, dem Freundeskreis für Wohnungslose im Zollernalbkreis und den „Kümmerern“ des Fördervereins Balinger Tafel bereits ein Netzwerk für wohnungslose Menschen. Jedoch fehle es hierbei noch an der Koordination. Daher beantragen die Fraktionen parallel zur Errichtung der Unterkünfte eine Konzeption zur Sozialbetreuung für Balingen zu erstellen.
700 000 Euro aus dem Haushalt
Die Umsetzung soll sehr zeitnaherfolgen, möglichst noch in diesem Jahr. Dafür sollen 700 000 Euro aus dem Haushalt 2024 zur Verfügung gestellt werden, die ursprünglich für den Bau von Containeranlagen für Geflüchtete vorgesehen waren. Diese werden nach Angaben des Landratsamts vorerst nicht benötigt, da die Zahl der Flüchtlinge derzeit zurückgeht. Zudem solle seitens der Verwaltung geprüft werden, welche Fördermittel für den Bau der Unterkünfte und die Sozialberatung beantragt werden können.
Geeigneter Standort für Neubau gesucht
Auch soll ein geeigneter Standort für einen modular gefertigten Bau von Notunterkünften vorgeschlagen werden, welcher außerdem Platz für eventuelle Erweiterungen bietet. Um den aktuellen Bedarf einschätzen zu können, fordern die Fraktionen außerdem Informationen zur Zahl der vorhandenen und der aktuell belegten Plätze in den Notunterkünften an.
Und es soll mitgeteilt werden wie oft im vergangenen Jahr Hotel- oder Pensionszimmer zur Bedarfsdeckung angemietet werden mussten und welche Kosten dadurch entstanden sind.