Bei der Vorplanung zur Reaktivierung der Kandertalbahn will die Stadt Weil nicht mitmachen. Dafür gab es auch eine satte Mehrheit im Rat.
Obwohl sich ein Meinungsbild in den vergangenen Tagen und Wochen schon abgezeichnet hatte, tauschten die Weiler Gemeinderäte viele – auch neue – Argumente zum Thema Kandertalbahn aus.
Irmgard Lorenz (Grüne) störte sich an Ungereimtheiten des jüngsten Kreistagsbeschluss und der Beschlussvorlage im Rat.
Warum müssten die Gemeinden plötzlich 50 Prozent der Vorplanungskostenkosten aufbringen, wenn man doch andere große Infrastrukturprojekte solidarisch auf alle Schultern im Kreis verteilt?
Wie könne man bereits jetzt informiert sein, wenn die Grundlagenermittlung doch erst auf den Weg gebracht werden solle?
Lorenz zog auch einen Bogen zur Weltklimakonferenz in Brasilien: Die Reaktivierung der Kandertalbahn könnte ein Beitrag sein zu einer emissionsfreieren Zukunft.
Simone Brobeil (CDU) begründete die Zustimmung ihrer Fraktion zur Ablehnung unter anderem so: Die Kandertalbahn werde nicht reaktiviert, sondern komplett neu gebaut. Kein Stein bleibe auf dem anderen, keine Bahnschwelle werde wiederverwertet, Randstreifen müssten gerodet werden. „Wir können froh sein, wenn wir unsere Pflichten erfüllen und begonnene Projekte fortführen können“, sagt sie, verbunden mit dem Wunsch, keine neue Schulden zu machen.
Offen bis unlösbar sei für sie die Frage des neuen Haltinger Feuerwehrhauses, dass im Fall der Reaktivierung definitiv an der falschen Stelle stünde – nämlich jenseits der Bahngleise. Fraglich sei aber auch, wie eine S-Bahn auf dem Streckenabschnitt Haltingen bis Weil verkehren könne und wie sie dann weiter – durch das Basler „Nadelöhr“ bis zum Basler Bahnhof SBB gelangen könnte.
Lars Augustin (SPD) führte ins Feld, dass genau dann, wenn ein Projekt volkswirtschaftlich sinnvoll sei, betriebswirtschaftlich aber nicht unbedingt, die öffentliche Hand gefragt sei.
Im Hinblick auf die ungewisse Weiterfinanzierung des 55er-Busses, die OB Diana Stöcker ins Spiel gebracht hatte, bat er darum, die S-Bahn getrennt vom innerstädtischen Verkehr zu betrachten. „Busverbindungen sind nicht in Stein gemeißelt“, appellierte er ans Ratsrund, Verkehrsverbindungen völlig neu zu denken.