Sehr gut besucht ist der Neujahrsempfang im Kirchensaal der Herrnhuter Brüdergemeinde in Königsfeld. Foto: Stephan Hübner

Das 50-jährige Bestehen der Gesamtgemeinde Königsfeld, das in laufenden Jahr groß gefeiert werden soll, und die Besonderheiten des Orts waren ein Thema beim Neujahrsempfang im Kirchensaal der Herrnhuter Brüdergemeinde in Königsfeld.

Bürgermeister Fritz Link lud unter dem Motto „Vielfalt in der Einheit“ Bürger ein, auf den gemeinsamen Weg zurückzublicken und einen Ausblick in die Zukunft zu wagen.

 

Die Teilnahme am Empfang zeige die Bereitschaft, Mitverantwortung zu übernehmen. Dies entspreche der Philosophie, wonach Gemeinden Menschen den Geist der Freiheit zugänglich machten.

Professionalisierung der Leistungsfähigkeit

Link lobte die „Weitsicht und diplomatische, vertrauensbildende Überzeugungskunst“ Horst Zieglers beim Zusammenschluss der Ortsteile im Interesse einer Steigerung und Professionalisierung der Leistungsfähigkeit. Die Gesamtgemeinde präge eine breite, demokratische Vielfalt, Bürger würden in alle Entscheidungen einbezogen. Die Heterogenität der Ortsteile sei die Chance zur Bewahrung von Individualität und arbeitsteiliger Aufgabenerfüllung.

Unterdurchschnittliche Finanzkraft

Trotz unterdurchschnittlicher Finanzkraft sei es in fünf Jahrzehnten mit Investitionen von 132 Millionen Euro gelungen, Aufgaben der Daseinsvorsorge erfolgreich zu erfüllen. Königsfeld setze sich kontinuierlich und glaubwürdig für Umweltschutz ein, habe die Gewerbesteuerkraft erhöht und durch großflächigen Lebensmittelhandel den Einkaufsstandort gesichert. Es gelte aber, Hotelbetten im gehobenen Segment zu akquirieren, so Link mit Verweis auf die Königshöhe.

Bürgermeister Fritz Link spricht Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte und kommende Herausforderungen an. Foto: Stephan Hübner

Man dürfe darauf vertrauen, dass die Gemeinde auch künftig ihre Aufgaben bewältigen könne. Diese dürfe aber nicht überfordert werden. Die Politik habe immer neue Leistungs- und Rechtsansprüche ohne angemessene Finanzausstattung geschaffen, Kostensteigerungen führten zu dramatischen Entwicklungen.

Klare Prioritätensetzung ist notwendig

Im Ergebnishaushalt 2025 könne man wohl keine freie Spitze für Investitionen erwirtschaften. Klare Prioritätensetzung sei nötig. Link nannte dabei Breitband, die Zentralisierung der Wasserversorgung oder den Neubau eines Gerätehauses für mehrere Feuerwehren. Es brauche Reduzierung von Bürokratie und konsequente Beteiligung von Kommunen an sie betreffenden Gesetzgebungsverfahren.

Angesichts des Wunsches der Bürger nach weniger Staat und mehr Gemeinschaft müsse man sich die Stärken des Orts bewusst machen. Das schaffe Werte, Orientierung und gemeinsame Identität.

Bläsertreffen der Brüdergemeine

Link erinnerte an Aktivitäten rund ums Jubiläum wie ein zweitägiges Fest und das internationale Bläsertreffen der Brüdergemeine.

Die Stimme Albert Schweitzers gegen Nationalsozialismus und Massenvernichtungswaffen sei aktueller denn je. Link rief zur Teilnahme an einer Spendenaktion für das Urwaldspital auf.

Die Zusammenführung der katholischen Ortsteile und der Gründung der Herrnhuter Brüdergemeine sei vielleicht nicht so einfach gewesen, so Bundestagsabgeordneter Thorsten Frei. Die eigentümliche Geschichte mache das besondere Gepräge Königsfelds aus. 75 Prozent der öffentlichen Investitionen gingen von Städten und Gemeinden aus, die entschieden ganz wesentlich darüber, ob sich Menschen wohlfühlen. Das Jubiläum sei zu nutzen, um Identifikation weiter zu stärken.

Königsfeld sei ein Vorbild für Zusammenhalt, stehe für das Beste, was eine Gemeinde ausmachen könne, eine starke Verbindung von Vergangenheit und Zukunft, so Bundestagsabgeordnete Derya Türk-Nachbaur.

Landrat Sven Hinterseh lobt die gute Diskussionskultur, die in Königsfeld herrscht. Foto: Stephan Hübner

Gemeinschaft lebe von jedem Einzelnen, so Landtagsmitglied Martina Braun. Königsfeld habe viele Dinge, von denen sich andere Gemeinden etwas abschauen könnten, erklärte sie mit Verweis auf Naturwaldgemeinde, Kunst und Kultur oder den neugestalteten Zinzendorfplatz.

Ganz besonderer Ort mit guter Diskussionskultur

Landrat Sven Hinterseh lobte einen „ganz besonderen Ort mit ganz besonderen Bürgern und einer guten Diskussionskultur“. Demokratie lebe vom Mitmachen, es liege an Demokraten, diese auszufüllen und mitzugestalten. Land, Bund und Europa müssten Gemeinden aber Freiraum lassen, um Entscheiden zu können.

Umrahmt wurde der Empfang von einem Streichquartett der Jugendmusikschule.