Die neueste Anschaffung der Gemeindebücherei Winterlingen ist ein „Riesen-Hit“ bei ihren jüngsten Besuchern: Die Vorlese-Station mit der kleinen Eule „Luka“. Sie soll Kinder zum Lesen motivieren – ersetzt aber nicht das „richtige“ Vorlesen, betont Stefan Bihler.
„Hallo? Bist du da?“, ruft eine Kinderstimme. „Ich will lesen!“ Wer sich aber in der Gemeindebücherei Winterlingen umsieht, wird kein Kind entdecken, das da ruft – sondern „Luka – der Vorlesefreund für Kinder“, eine etwa DIN A5-Block großes Gerät in Form einer Eule von der Essener Firma ITR Industry to Retail.
Das Prinzip ist einfach: Ein Kind sucht sich ein Buch aus einer Kiste neben der Vorlese-Station aus und hält sie „Luka“ vor. Eine kleine Kamera zwischen den Augen erkennt das Buch beziehungsweise die gezeigte Buchseite, die dann wie eine Art Hörbuch vorgetragen wird. Dabei wird nur der Text auf den jeweiligen Seiten „vorgelesen“, während das Kind zeitgleich im Buch mitliest.
Technisch betrachtet keine „künstliche Intelligenz“
Dabei „bewegen“ sich die animierten Augen ebenfalls hin und her, während sie auf die Seite „schaut“. Sobald der Text zu Ende ist, „zwinkert“ Luka erwartungsvoll und bittet darum, die nächste Seite aufzuschlagen. Und selbst wenn das Buch vom Tisch – und Luka vor dem Schnabel – weggezogen wird, wird die Audiodatei unbeirrt weiter abgespielt. Auch Kinderlieder kann „Luka“ spielen.
Eine „künstliche Intelligenz“ im technischen Sinne ist Luka also nicht – auch wenn das Gerät unter anderem als „KI-Lesetrainer“ beworben wird. Auf die Vorlese-Eule aufmerksam wurden die Büchereimitarbeiter durch das Einkaufszentrum öffentlicher Bibliotheken. „Wir sind immer sehr engagiert und bemüht, den Kindern neue Anreize zum Lesen zu bieten“, erklären Bibliotheksleiter Stefan Bihler und seine Mitarbeiterin Kathrin Schuster.
Die Luka-Eule ist bei den jungen Winterlingern sehr beliebt
Etwa 1800 Euro haben die KI-Eule und die Vorlese-Station mit zwei Kopfhörern und Stühlen gekostet – eine Investition, die sich gelohnt hat: „Die Vorlese-Eule ist ein absolutes Highlight bei den Kindern. Schon als wir die Station aufgebaut haben, haben sie immer wieder gefragt: ,Wann kommt endlich Luka?’“, berichtet Schuster. Insgesamt 100 Buchtitel für Kinder im Grundschul- beziehungsweise Vorschulalter umfasst das Paket der Gemeindebücherei, wobei vor Ort aktuell nur ein Bruchteil dessen zur Verfügung steht. Der Rest soll laut Bihler nach und nach angeschafft werden. Und welche Bücher werden besonders gerne mit „Luka“ gelesen?
Laut Schuster sind das unter anderem „Käpt’n Sharky und der Schatz in der Tiefsee“ von Jutta Langreuter, „Tafiti und der geheimnisvolle Kuschelkissendieb“ von Julia Boehme oder auch Reihenbücher wie „Die Kicker Bande“ von Frauke Nahrgang.
Zur Nutzung braucht es keinen Büchereiausweis
Allerdings betonen Stefan Bihler und Kathrin Schuster, dass die Luka-Eule keineswegs das Vorlesen ersetzen soll. „Sie soll als Ergänzung zum ,richtigen’ Vorlesen dienen und bei Kindern die Lust am Lesen wecken“, erklären beide. Zudem sei die Luka-Eule laut Schuster hilfreich bei Kindern mit Migrationshintergrund, die noch nicht gut Deutsch lesen oder sprechen können: Beim Mitlesen hören sie gleich die korrekte Aussprache der Wörter.
Um die Vorlese-Station nutzen zu können, ist kein Büchereiausweis nötig, versichert Schuster. Indes sei laut Bihler in der Überlegung, eine zweite Luka-Eule anzuschaffen, die von Schulen oder Kindergärten in Winterlingen im Zuge der Leseförderung ausgeliehen werden kann.